Drama im Golf von Aden: 100 Flüchtlinge über Bord geworfen
Aktualisiert

Drama im Golf von Aden100 Flüchtlinge über Bord geworfen

Im Golf von Aden werden nach Angaben des UN-Flüchtlingshochkommissariats 100 Menschen vermisst, die von Menschenhändlern über Bord gezwungen wurden.

Es wird befürchtet, dass sie ertrunken sind. Ihr Boot habe am Montag mit 150 Menschen an Bord in Somalia abgelegt, erklärte UNHCR-Sprecher Ron Redmond am Freitag in Genf. Vor der jemenitischen Küste hätten die Flüchtlinge das Boot verlassen müssen. 47 Überlebenden sei es gelungen, sich über fünf Kilometer schwimmend ans Ufer zu retten und die Behörden zu alarmieren.

Seit Beginn des Jahres seien rund 32.000 Menschen auf Booten im Jemen eingetroffen, sagte Redmond. Viele von ihnen waren auf der Flucht vor Gewalt und Not in Somalia und anderen Ländern am Horn von Afrika. Nach Schätzungen des UNHCR kamen dabei mindestens 230 Menschen ums Leben. 365 werden vermisst, darunter die 100 des jüngsten Vorfalls.

Wie Menschenhändler mit den Flüchtlingen umgingen, sei «eines der schlimmsten Verbrechen, die wir in der heutigen Welt sehen können», sagte Redmond. Der UNHCR-Sprecher rief die internationale Gemeinschaft auf, sich im Golf von Aden nicht nur um Piraten zu kümmern, sondern auch dem Menschenhandel Aufmerksamkeit zu schenken. Die Welt müsse sich verstärkt um die Ursachen der Flüchtlingsströme kümmern: «Diese Leute ziehen nicht aus Spass um. Sie ziehen um, weil sie es wegen eines Konflikts oder extremer Armut müssen.»

Nach Angaben des UNHCR haben Überfahrten in den Gewässern derzeit deutlich zugenommen. Einige Flüchtlinge würden dabei tätlich angegriffen und ins Meer geworfen, in dem Haie schwimmen, erklärte Redmond. Oft würden sie auch von den Menschenschmugglern gezwungen, die Boote vor der Küste zu verlassen, um nicht von der jemenitischen Küstenwache bemerkt zu werden. Das jemenitische Innenministerium erklärte, seit Jahresbeginn seien mehr als 22.530 Flüchtlinge aus Somalia im Jemen eingetroffen. (dapd)

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