Gebührenfrei?: 100 Franken überwiesen – nur 88 Franken kamen an
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Gebührenfrei?100 Franken überwiesen – nur 88 Franken kamen an

Bei der Smartphone-Bank Revolut bekommen einige Kunden Gebühren abgezogen, obwohl die Transaktion als gratis beworben wird.

von
Raphael Knecht
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Die britische Smartphone-Bank Revolut wirbt mit gebührenfreien Services.

Die britische Smartphone-Bank Revolut wirbt mit gebührenfreien Services.

20 Minuten
Bei Überweisungen gibt es aber teils trotzdem Gebühren.

Bei Überweisungen gibt es aber teils trotzdem Gebühren.

Revolut
Ein Leser berichtet, dass bei einer Überweisung mit der Smartphone-Bank plötzlich 12 Prozent des Gesamtbetrags fehlten. (Symbolbild)

Ein Leser berichtet, dass bei einer Überweisung mit der Smartphone-Bank plötzlich 12 Prozent des Gesamtbetrags fehlten. (Symbolbild)

20 Minuten/RKN

Eigentlich wollte Michael Z.* nur mal kurz 100 Franken von seinem Revolut-Konto auf sein reguläres Schweizer Bankkonto überweisen. Statt des vollen Betrags kamen jedoch nur 88 Franken an, obwohl die Smartphone-Bank damit wirbt, dass solche Transaktionen gebührenfrei sind.

Der Abzug beträgt somit 12 Prozent vom Gesamtbetrag. Auch bei weiteren Überweisungen kam nicht der vollständige Betrag an.

Neue Gebührenstruktur

Was ist da los? Ein Sprecher von Revolut sagt zu 20 Minuten, dass der Bezahlpartner der Bank die Gebührenstruktur geändert habe: Seit dem ersten Juni würden Überweisungen von Schweizer Revolut-Konten so abgewickelt, dass die Gebühren nicht mehr wie bisher vollständig von Revolut, sondern teils auch von Korrespondenzbanken getragen würden. Dieser Anteil der Gebühren werde dann dem Begünstigtsten belastet.

Zwar habe Revolut einen lokalen Banking-Partner, sodass die meisten Kunden auch nicht von den Gebühren der Korrespondenzbanken betroffen seien. Die Ausnahme bilden Zahlungen an nicht-schweizerische Banken und Kunden ohne Wohnsitz in der Schweiz. Doch nichts davon treffe auf seinen Fall zu, sagt Z. zu 20 Minuten.

Intransparenter Anbieter

Der Kunde fühlt sich hinters Licht geführt: «Ich erwarte einen ‹free transfer› wenn Revolut angibt, es sei ein ‹free transfer›», sagt Z. zu 20 Minuten. Die Bank wirbt damit, dass Überweisungen gebührenfrei seien – und dass es «keine Überraschungen» gebe.

Über unerwartete Abzüge beschweren sich Kunden der Smartphone-Bank trotzdem immer wieder: «Revolut ist sehr intransparent – es ist schwierig, die Gebühren überhaupt zu finden», sagt Ralf Beyeler vom Vergleichsdienst Moneyland.ch zu 20 Minuten.

Keine Rückerstattung

Bei der Smartphone-Bank wird weiterhin betont, Revolut selbst verlange vom Kunden keine Gebühren für das Senden oder Empfangen von Überweisungen. Über die Gebühren von Korrespondenzbanken habe man aber keine Kontrolle, sagte ein Kundendienst-Mitarbeiter zu Z., als er eine Rückerstattung verlangte.

Revolut bot ihm als kulante Geste zwei Monate Premium an. Damit ist Z. jedoch nicht zufrieden: «Das interessiert mich nicht, wenn ich damit rechnen muss, bei Überweisungen 12 Prozent Gebühren abgezogen zu bekommen.» Auch Beyeler von Moneyland.ch ist der Meinung, dass Revolut dem Kunden die Gebühren zurückzahlen sollte – und künftig transparenter sein.

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Veraltetes System

Das grundlegende Problem, mit dem Anbieter wie Revolut zu kämpfen haben, sind veraltete Systeme, wie Beyeler sagt: «Die Prozesse sind seit Jahrzehnten ähnlich und bisher noch nicht wirklich im digitalen Zeitalter angekommen.» Darum laufen Zahlungen immer noch über Korrespondenzbanken, was auch die Fehleranfälligkeit bei einfachen Transaktionen erhöhe.

Gäbe es ein zeitgemässes System, könnte der Zahlungsprozess direkt abgewickelt werden, was günstiger und weniger kompliziert wäre, so Beyeler. Facebooks Digitalwährung Libra sei ein Ansatz, der genau in diese Richtung gehe.

*Name der Redaktion bekannt

Kein Schweizer Konto

Da Anbieter wie Revolut kein Schweizer Konto mit eigener IBAN anbieten, eignen sie sich nicht für klassische Überweisungen, sagt Ralf Beyeler von Moneyland.ch. Revolut gehört hingegen zu den günstigsten Kartenanbietern, wie ein Moneyland-Preisvergleich zeigt. Die jährlichen Gesamtkosten bei Einkäufen in der Schweiz von 5000 Franken und 1000 Euro in Europa betragen zwischen 7 und 12.60 Franken – je nachdem, ob man die Karte auch am Wochenende nutzt. Eine vergleichbare Kartennutzung kostet bei den Grossbanken Credit Suisse und UBS weit über 100 Franken.

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