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100 Jahre Adventskalender

Dieses Jahr feiert der Adventskalender seinen 100. Geburtstag. Seine Erfindung verdanken wir einer liebenden Mutter, deren verwöhnter Sohn zufällig Verleger wurde.

Bis ins 20. Jahrhundert hinein war der Advent namentlich für katholische Kinder alles andere als eine Zeit freudiger Erwartung. Sie mussten sich die Bescherung mit wöchentlichem Fasten, fleissigem Gebet und «Öpferli» - beispielsweise Zuckerverzicht - verdienen.

Über erfolgreiche Bemühungen wurde seit dem Hochmittelalter auf einem speziellen Kerbholz, genannt «Klausenholz» Buch geführt, eine Kerbe für jede gute Tat. Erreichten die Erfolge nicht die erforderliche Anzahl, winkte die Rute.

Martin Luther berichtete sogar, betfaulen Kindern würden die Äpfel auf dem Weihnachtsteller mit Pferdeäpfeln ersetzt. Möglicherweise war das aber auch nur eine Form der Anti- Katholizismus-Propaganda.

Fromme Sprüchli statt Schoggi

Um die vorletzte Jahrhundertwende herum wurden die Erziehungsmethoden allgemein milder. Besonders gut hatte es ein kleiner Münchner namens Gerhard Lang. Seine Mutter gab ihm jeweils am 1. Dezember 25 Päckchen mit Naschwerk, von denen er täglich eins öffnen durfte. Das hatte weitreichende Folgen.

Mittlerweile Verleger, liess Lang sich 1904 von Mutters Naschration zum Adventskalender inspirieren. In seinem Verlagshaus, der Lithographischen Kunstanstalt München liess er einen drucken, der aus zwei Bögen bestand. Auf dem einen waren Verse, auf dem andern Bildchen gedruckt. Jeden Tag durften (mussten?) die Kinder ein Gedichtlein vorlesen und danach ein Bild darüberkleben.

Einen Vorläufer von Langs Erfindung hatte es schon zwei Jahre vorher gegeben: eine 12-ziffrige Uhr, die aber erst am 13. Dezember in Aktion trat. Täglich wurde der Zeiger um eine Stunde weiter gerückt und der dort befindliche Bibelspruch gelesen. Türchenkalender wie die heutigen kamen um 1920 in Mode.

Der Adventskranz

Ein Adventskalender im weitesten Sinn war auch die Urform des Adventskranzes. 1839 hängte ihn der Hamburger Pfarrer Johann Heinrich Wichern ins «Rauhe Haus», ein Erziehungsheim für sozial vernachlässigte Jugendliche. Der Kranz hatte einen Durchmesser von etwa zwei Metern und trug 24 bis 28 Kerzen, je nachdem, wieviele Tage zwischen erstem Advent und Weihnachten lagen.

Dieser zunächst noch unbegrünte Adventskranz war den «rotae» nachempfunden, hölzernen Radleuchtern mit beliebig vielen Kerzen, die zur Adventszeit in Kirchen aufgehängt wurden. Etwa ab 1860 begann man im Rauhen Haus, den Leuchter mit Tannenreis zu umwickeln. Als Wichern nach Berlin wechselte, führte er den Brauch auch dort ein.

Ab der Jahrhundertwende wurde die Zahl der Kerzen auf vier beschränkt - eine für jeden sonntäglichen Gottesdienst. Kurz vor dem 1. Weltkrieg - also etwa gleichzeitig wie der Adventskalender - wurde der Adventskranz allgemein gebräuchlich. In katholischen Kirchen allerdings wurde die Protestanten(un)sitte erst 1936 eingeführt.

Sechs Kerzen in Mailand

Die Adventzeit ist seit dem 5. Jahrhundert bekannt. Ihre Länge hat sich im Laufe der Geschichte gewandelt. Zu Beginn wurde in Jerusalem nur ein Adventsonntag gefeiert. Papst Gregor der Grosse hat schliesslich im 7. Jahrhundert die Zahl auf vier festgelegt.

Vom 11. Jahrhundert an gewann die Adventliturgie auch ausserhalb Roms an Bedeutung. Die sich über vier Sonntage erstreckende Vorweihnachtszeit wurde 1570 durch Pius V. allgemein verbindlich erklärt und hat auch heute noch Gültigkeit. Einzige Ausnahme ist die Erzdiözese Mailand, in der sechs Adventsonntage gefeiert werden.

(sda)

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