12.12.2015 19:16

Arbeitsmarkt100 Prozent schuften? In diesen Firmen kein Muss

Ein aktuelles Ranking zeigt die 100 besten Teilzeit-Arbeitgeber. Ganz vorne liegen der Detailhandel, die Verwaltung und das Gesundheitswesen.

von
cls

Teilzeitarbeit ist auf dem Vormarsch – weltweit. Auch bei Schweizer Arbeitgebern ist ein Pensum unter 100 Prozent immer mehr gefragt. Die Branchen Detailhandel, Gesundheitswesen und Verwaltung dominieren im Ranking der 100 Top-Teilzeit-Arbeitgeber 2015 von Teilzeitkarriere.ch, wie die «Bilanz» in ihrer aktuellen Ausgabe schreibt.

Rund 1278 Stellen wurden zwischen Januar und Oktober 2015 in Teilzeitpensen ausgeschrieben. Manor, der Kanton Bern und Aldi Suisse haben als Arbeitgeber dabei die Nase vorn. Manor belegt wie schon im Jahr zuvor die Spitzenposition. Doch

dahinter hat der Kanton Bern (995 veröffentlichte Teilzeitstellen) den 2. Platz mit Aldi Suisse (930) getauscht. Platz 4 belegt wie im Vorjahr die SBB (861), gefolgt von der Privatklinikgruppe Hirslanden (855) und dem Inselspital (839) in Bern.

Auf- und Absteiger

Lidl Schweiz ist das erste Mal überhaupt rangiert mit 797 Teilzeitstellen und schafft es auf Anhieb auf Platz 7 – auch diese Unternehmensführung scheint dem Thema Teilzeitarbeit nun mehr Gewicht zu geben und ist der Konkurrentin Aldi mit

Teilzeitangeboten gefolgt. Credit Suisse (746), das Universitätsspital Zürich (661) und Coop (541) folgen auf den Plätzen 8 bis 10.

Als grösste Aufsteiger der Teilzeit-Arbeitgeber 2015 fungieren einerseits der Spitex-Verband des Kantons Bern, der 50 Ränge gutmachte und nun auf Platz 22 liegt. Anderseits machte das Bundesamt für Informatik und Telekommunikation einen

Sprung von 48 Rängen nach vorne auf Platz 79, Volg machte 26 Ränge gut und liegt nun auf Platz 11. Als Absteiger bezeichnet werden können Clienia, die 54 Ränge verlor und nun auf Platz 94 liegt sowie CSS Versicherungen die um 20 Ränge auf

Platz 56 abrutschte.

«Teilzeitmitarbeitende sind ein Motivationsfaktor»

«Teilzeitmitarbeitende – sowohl Frauen als auch Männer – sind bei Manor ein fester Bestandteil zur Diversifizierung und Steigerung der Attraktivität als Arbeitgeber», sagt Alexander Beck, Direktor Human Resources von Manor. Teilzeitarbeit stelle einen positiven Beitrag zur Unternehmensentwicklung dar.

Manor beschäftigt im Jahresdurchschnitt rund 10'400 Mitarbeitende in der Schweiz, davon rund 60 % mit einem Teilzeitpensum. 72 % der Frauen und 31 % der Männer arbeiten Teilzeit.

Beim Zweitplatzierten Kanton Bern sind von den rund 14'600 Mitarbeitenden gut 38 % in Teilzeit tätig. 60,4 % der Frauen und 17,7 % der Männer arbeiten in einem Teilzeitpensum – gar über 25 % sind es beim Kader.

Beim Drittplatzierten Aldi Suisse AG arbeiten von den über 2600 Angestellten rund 68 % in Teilzeit. Auch hier entfällt ein Grossteil auf das weibliche Verkaufspersonal.

Weniger Teilzeitjobs auf Fachkräfteniveau

Wenig Interesse erfährt Teilzeit hingegen in der Baubranche, der Industrie und bei Dienstleistern. «Es gibt nach wie vor zu wenige Teilzeitstellen auf dem Schweizer Arbeitsmarkt im Verhältnis zu den rund 1,6 Millionen Teilzeitbeschäftigten in der Schweiz», fasst Andy Keel, Geschäftsführer des Portals Teilzeitkarriere.ch, zusammen. Insbesondere fehlen dabei die höher qualifizierten Jobs.» So würden zum Beispiel Stellen von Bauleitern, Programmierern, Ärzten oder Elektromonteuren praktisch nie in Teilzeit ausgeschrieben – genau dort, wo in der Schweiz der Fachkräftemangel am gravierendsten sei.

Teilzeitarbeit in der Schweiz

Zur Zeit gehen 6 von 10 erwerbstätigen Frauen, aber nur 1,6 von 10 Männern, einer Teilzeitarbeit nach. Die Teilzeitarbeit ist somit ein typisches Merkmal der weiblichen Erwerbsarbeit. Einerseits bedeutet Teilzeitbeschäftigung häufig ungesicherte Arbeitsverhältnisse, schlechtere soziale Absicherungen (z.B. bei der Pensionskasse) sowie geringere Weiterbildungsmöglichkeiten und Karrierechancen. Andererseits bietet sie die Möglichkeit, neben der Erwerbsarbeit noch andere Arbeiten zu übernehmen wie Kinderbetreuung, informelle Hilfeleistungen und Hausarbeit.

Seit 1991 ist die Teilzeitarbeit gestiegen, sowohl bei den erwerbstätigen Frauen als auch bei den Männern. Seit Anfang der 90er Jahre arbeiten über die Hälfte der Frauen Teilzeit, bei den Männern steigt der Anteil hingegen nicht über 16%. (Quelle: Bundesamt für Statistik)

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.