Aktualisiert 18.01.2018 23:36

Wegen Limmattalbahn

100-Tonnen-Buche ist gerettet und zieht um

Die 70-jährige Blutbuche von Schlieren, die der Limmattalbahn im Weg steht, ist gerettet. Der Baum wird Anfang Februar 170 Meter in den angrenzenden Stadtpark versetzt.

von
sda/wed
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Im Zentrum von Schlieren wird am 5. Februar eine Rotbuche versetzt.

Im Zentrum von Schlieren wird am 5. Februar eine Rotbuche versetzt.

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Ein so grosser Baum wurde in der Schweiz bisher noch nie an einen anderen Ort transportiert.

Ein so grosser Baum wurde in der Schweiz bisher noch nie an einen anderen Ort transportiert.

Leser-Reporter/Thomas Mathis
Mit Plakaten wehrten sich ...

Mit Plakaten wehrten sich ...

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Das ist eine Premiere: Noch nie sei in der Schweiz ein Baum dieser Grössenordnung versetzt worden, teilten die Stadt Schlieren, die Limmattalbahn und die BMB Group, die die Versetzung durchführt, am Donnerstag gemeinsam mit. Das Gewicht der Rotbuche, auch Blutbuche genannt, wird auf 90 bis 100 Tonnen geschätzt. An seinem jetzigen Standort kann der Baum nicht bleiben: Seine Baumkrone tangiert das städtische Flügeldach und die Fahrleitungen der neuen Limmattalbahn. Seine Wurzeln ragen zudem ins Fundament der Haltestelle.

Petition für Rotbuche

Daher war klar: Der Baum muss weg. Denn die Anpassung der Pläne hätte grosse Auswirkungen auf die Projekte Stadtplatz, Limmattalbahn und das Grosskreiselprojekt des Kantons Zürich gehabt. Die Konsequenzen einer Projektänderung: Mehrkosten von über drei Millionen Franken und eine Terminverzögerung bis zu einem Jahr - was wiederum Auswirkungen auf den Verkehr gehabt hätte.

Gegen diese Pläne wehrte sich ein Teil der Schlieremer Bevölkerung und reichte zur Rettung eine Petition mit rund 4700 Unterschriften ein. Zudem attestierte ein Fachgutachten der Rotbuche gute Überlebenschancen bei einer Versetzung.

Da nun auch die Finanzierung geklärt ist - die Kosten von rund 160'000 Franken werden grösstenteils von der BMB Group und privaten Geldgebern übernommen, dazu kommen Beiträge von Schlieren und der Limmattalbahn AG - steht der Versetzung nichts mehr im Weg.

«Freuen uns dem Baum ein weiteres Leben zu ermöglichen»

«Wir sind sehr erfreut, dass die Versetzung nun doch noch zustande kommt», sagt Andreas Bernauer, Projektleiter BMB Group. Es sei selten, dass ein Baum alle Voraussetzungen für eine Versetzung erfülle. «Das ist auch der Grund, dass wir ein Teil des Risikos übernehmen – wir können an einem Projekt mitarbeiten, dass es so noch nicht gegeben hat in der Schweiz», so Bernauer. Sie würden dafür mit internationalen Spezialisten zusammenarbeiten.

«In anderen europäischen Regionen wie etwa in Skandinavien werden solche Versetzungen regelmässig durchgeführt», sagt Bernauer. Die ersten Dankesmails habe er bereits bekommen.

«Wir freuen uns auf die bevorstehenden Arbeiten, diesem wunderbarem Baum ein weiteres Leben zu ermöglichen.»

Ausgraben und anheben

Der Umzug soll Anfang Februar erfolgen. Dazu werden eine Grube gegraben und Stahlplatten unter dem Wurzelwerk, das nur rund 40 Zentimeter tief ist, durchgeschoben, wie Stadtrat Markus Bärtschiger gegenüber der Nachrichtenagentur sda erklärte.

Anschliessend wird der Baum inklusive dem Wurzelwerk - dieses ist aufgrund von Erde und Wasser besonders schwer - von zwei Kränen auf einen Wagen gehoben und auf der Strasse in den Stadtpark transportiert. Die Strasse ist dabei das grosse Glück der Schlieremer, denn beispielsweise auf lockerem Boden wäre der Umzug nicht möglich gewesen.

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