04.08.2020 12:42

Prozess im Aargau1000 Fake-iPhones eingetauscht und so eine Million Franken ergaunert

Mit einem Trick sollen Mutter und Sohn Fake-iPhones bei Apple eingetauscht haben. Sie erhielten vom Hersteller originale Geräte zurück. Die Handys schickten sie nach China, wo die Drahtzieher der Betrugsmasche sitzen sollen.

von
Tobias Bolzern
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Zwei Personen müssen sich diese Woche vor dem Bezirksgericht Baden verantworten.

Zwei Personen müssen sich diese Woche vor dem Bezirksgericht Baden verantworten.

REUTERS
Sie sollen über 1000 Fake-iPhones aus China in der Schweiz gegen echte Geräte umgetauscht haben.

Sie sollen über 1000 Fake-iPhones aus China in der Schweiz gegen echte Geräte umgetauscht haben.

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Ein 34-jähriger Chinese und seine Mutter sollen gewerbsmässig Betrug betrieben haben.

Ein 34-jähriger Chinese und seine Mutter sollen gewerbsmässig Betrug betrieben haben.

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Darum gehts

  • Einem 34-jährigen Chinesen aus dem Aargau droht eine Gefängnisstrafe.

  • Er soll mit seiner Mutter hierzulande eine Betrugsmasche betrieben haben.

  • Das Duo soll Fake-iPhones bei Apple gegen Originale getauscht haben.

  • Dazu nutzten sie einen ausgeklügelten Trick. Die Geräte gingen nach China.

  • Apple beziffert den Schaden auf über eine Million Franken.

Mit einem raffinierten Garantie-Missbrauch verdienen Betrüger Milliarden. Nun führt die Spur auch in die Schweiz. Vor dem Bezirksgericht Baden müssen sich diese Woche ein 34-jähriger Chinese und seine 56-jährige Mutter verantworten. Das Duo soll zwischen 2015 und 2019 an der Betrugsmasche beteiligt gewesen sein.

Laut der Anklageschrift empfingen sie über die Jahre hinweg per Post mehr als 1000 Fake-iPhones aus China. Die Geräte waren speziell präpariert und hatten geklonte Serien- und sogenannte IMEI-Nummern – und somit eine Garantiedeckung mit Umtausch bei Wasserschäden. Die täuschend echt aussehenden iPhones brachten sie zu Apple oder zu autorisierten Händlern in der ganzen Schweiz. Sie erklärten, dass die Smartphones einen Wasserschaden hätten.

Zoll findet Fake-iPhones

Da in diesem Fall die Geräte aus Sicherheitsgründen nicht geöffnet wurden, erhielten sie ein Original-iPhone als Umtauschgerät. Der Sohn schickte diese dann nach Hongkong zurück. Für jedes Gerät erhielt er von den Hintermännern 10 Franken. Insgesamt nahm er so rund 10’000 Franken ein, schreibt SRF. Es sei «arglistiger, raffinierter Garantie-Missbrauch», erklärt die Staatsanwaltschaft im Bericht.

Die beiden Angeklagten flogen auf, als der Zoll in Basel 100 Fake-iPhones in Päcklis entdeckte. Die Mutter und der Sohn beteuern ihre Unschuld. Sie hätten nicht gewusst, dass es sich um Fälschungen handelte, wie sie vor Gericht sagten. Sie hätten nur im Auftrag eines Bekannten gehandelt, heisst es im Bericht von SRF. Die Angeklagten kämpfen seit Jahren mit finanziellen Problemen.

Das Bezirksgericht Baden hat den 34-Jährigen wegen gewerbsmässigen Betrugs und gewerbsmässiger Markenrechtsverletzung zu 3,5 Jahren Gefängnis verurteilt. Der Verurteilte habe berufsmässig gehandelt und mit seinem Betrug ein regelmässiges Nebeneinkommen erzielt. Seine Mutter erhielt eine bedingte Strafe.

Schaden in Milliardenhöhe

Der iPhone-Betrug ist schweizweit einzigartig, nicht aber international. So haben etwa Betrüger in den USA mehr als 10’000 Fake-iPhones und iPads mit einem ähnlichen Trick bei Apple eingetauscht. Laut Apple beläuft sich der Schaden auf mehr als 6 Millionen Dollar. Das FBI hat im Zusammenhang mit den Fällen letztes Jahr drei Chinesen verhaftet. Auch in China zogen Betrüger Apple offenbar immer wieder über den Tisch. Dort soll der Schadenssumme, der über die Jahre entstanden ist, mehrere Milliarden Dollar betragen, wie «The Information» im Jahr 2018 berichtete.

Digital-Push

Wenn du den Digital-Push abonnierst, bist du über News und Gerüchte aus der Welt von Whatsapp, Snapchat, Instagram, Samsung, Apple und Co. informiert. Auch erhältst du Warnungen vor Viren, Trojanern, Phishing-Attacken und Ransomware als Erster. Weiter gibt es Tricks, um mehr aus deinen digitalen Geräten herauszuholen.

So gehts: Installiere die neuste Version der 20-Minuten-App. Tippe unten rechts auf «Cockpit», dann «Einstellungen» und schliesslich auf «Push-Mitteilungen». Beim Punkt «Themen» tippst du «Digital» an – et voilà!

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39 Kommentare
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C.Reist

05.08.2020, 18:32

Die hätten einfach 10 Originale Telefone behalten sollen, damit hätten sie den gleichen Gewinn gehabt 🙈🙈 haha

Ein Beobachter

05.08.2020, 17:12

Es Scheint dass diejenigen die erwischt wurden zu Recht geschnappt wurden. Leider fehlt den Protagonisten die Einsicht da diese dies vermutlich seit Aeonen nicht gelernt haben, aber eines können sie betrügen.Leider Ist Ihr Ruf legendär und wird seid einigen Tausend Jahren gezüchtet.Schade haben mindestens diese nichts dazu gelernt.Armes China sich damit rühmen zu müssen.

gut gelacht

05.08.2020, 07:52

Apple merkt den Schwindel nicht aber der Zoll? Haha