Aargau: 1000 Goldfische aus Waldweiher geholt
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Aargau1000 Goldfische aus Waldweiher geholt

In einem Waldteich in Kaisten AG musste das Forstteam vergangene Woche grobes Geschütz auffahren. Ausgesetzte Goldfische bedrohten die Amphibienwelt – kein Einzelfall.

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vro
Die 1000 Goldfische im Heubergweiher in Kaisten AG bedrohten das Ökosystem. Der Teich wurde deshalb ausgepumpt.

Die 1000 Goldfische im Heubergweiher in Kaisten AG bedrohten das Ökosystem. Der Teich wurde deshalb ausgepumpt.

Goldfische sind für die meisten Menschen harmlose Fische, die man im Aquarium bestaunt. Geraten sie allerdings in ein fremdes Ökosystem, können sie zum Problem, wenn nicht gar zur Plage werden. In Kaisten AG musste das Forstteam mit der Unterstützung des Bauamtes und des Fischereivereins jetzt eingreifen. Goldfische bedrohten besonders die dort ansässigen Erdkröten, wie die «Aargauer Zeitung» berichtet.

Die Fische wurden vor ein paar Jahren im Weiher ausgesetzt und pflanzten sich munter fort. Mittlerweile sollen es über 1000 sein, sagte Förster Oliver Eichenberger zur Zeitung. Kurzfristige Massnahmen wie etwa Hechte, die die Goldfische bekämpfen sollten, brachten nichts. Deshalb musste jetzt eine andere Lösung her. Dem Forstteam blieb nichts anderes übrig, als den Teich abzupumpen und die Goldfische herauszufischen. Daraufhin wurden sie getötet.

Exoten werden aussortiert

So soll verhindert werden, dass die Fische Amphibienlaich, Kaulquappen, Kleintiere und Insektenlarven fressen. Denn beim Waldteich handelt es sich um einen geschützten Lebensraum. Bis dieser wieder mit Regen- und Hangdruckwasser gefüllt ist, wurde am Rand des Weihers hinter einem Wall eine Weihererweiterung errichtet.

Das Problem mit ausgesetzten Fischen kennen auch andere Kantone. «Das kommt leider immer wieder vor», sagt etwa Urs Philipp, Leiter der Fischerei- und Jagdverwaltung des Kantons Zürich. Jedoch handelt es sich nicht immer um Goldfische, auch andere Zierfische wurden schon in den Gewässern entdeckt. «Die Leute glauben, sie tun etwas Gutes, dabei gehen viele Fische ein. Sie gehören da auch nicht rein.» Müsse ein Weiher wegen Arbeiten ohnehin abgefischt werden, würden solche Exoten gleich aussortiert. Für sie bedeutet es das Ende: Die Fische werden dann getötet und entsorgt.

Busse bis zu 20'000 Franken

Auch in St. Gallen werden sehr häufig Fische ausgesetzt, wie der kantonale Fischereiaufseher Christoph Mehr sagt. «Goldfische sind ein Klassiker.» Auch Blaubandbärblinge und Stichlinge würden immer wieder ausgesetzt. Letztere sind im Bodensee bereits schwarmweise unterwegs, erklärt Mehr. Dagegen tun könne man wenig. Denn auspumpen kann man den See kaum. «Das geht nur, wenn das Gewässer nicht zu gross ist. Man muss sich zudem überlegen, was man mit dem Abpumpen alles zerstört, etwa wenn der Schlamm weggespült wird.» Deshalb müsse man von Fall zu Fall entscheiden.

Die exotischen Fische mögen es aber nicht gerne kalt. Deshalb komme es vor, dass sie im Winter verenden, wenn das Wasser zu stark abkühlt. Der ehemalige Besitzer tut seinen Fischen also keinen Gefallen, wenn er sie aussetzt, betont Mehr.

Wer nicht heimische Fische aussetzt, macht sich laut dem Fischereigesetz ohnehin strafbar. Denn die Fische können einen Nahrungskampf anzetteln oder gefährliche Krankheiten oder Parasiten übertragen, wie der Experte weiter ausführt. Wer erwischt wird, muss deshalb mit einer empfindlichen Busse rechnen. Diese betrage bis zu 20'000 Franken.

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