Forschung im Rhein: 1000 Kilometer Reise für einige Gramm Plastik
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Forschung im Rhein1000 Kilometer Reise für einige Gramm Plastik

Ein Basler Student macht sich entlang des Rheins auf die Suche nach kleinsten Plastikteilen im Wasser. Nach der Reise nach Rotterdam kommen Monate im Labor auf ihn zu.

von
Samuel Hufschmid

«Es gibt Hochrechnungen, laut denen täglich mehr als vier Tonnen kleinste Plastikteile via Donau ins Schwarze Meer gelangen», erzählt Thomas Mani, der an der Uni Basel Nachhaltige Entwicklung studiert. «Mit meiner Masterarbeit will ich prüfen, ob es dieses Problem auch im Rhein gibt.» Dafür scheut der 27-Jährige keinen Aufwand: In einer 15-tägigen, von einer Stiftung finanzierten Reise mit einem Kleinbus wird er an zehn Stellen zwischen Basel und Rotterdam rund 4,5 Millionen Liter Rheinwasser filtern und die darin enthaltenen Schwebestoffe zurück ins Labor bringen. Dort werden die winzigen Plastikteile Stück für Stück unter dem Binokular untersucht, fotografiert und gewogen. Danach wird ein externes Forschungsinstitut mittels Infrarot-Spektroskopie ermitteln, von welchen Produkten der Mikroplastik möglicherweise stammt.

«Es ist eine aufwändige Arbeit, aber sie ist wichtig, denn gerade die kleinsten Plastikteilchen sind extrem schädlich, da sie von Kleinstlebewesen gefressen werden und so in die Nahrungskette gelangen», begründet der Student sein Interesse. «Ich bin der Meinung, dass bei vielen Plastik-Produkten die Leistung, die sie erbringen, nicht im Verhältnis zum Schaden stehen, den sie verursachen.» Das beste Beispiel seien Plastiktüten von Grossverteilern, die fünf Minuten lang gebraucht werden und danach 20 Jahre lang die Umwelt verschmutzen.

Schon kleinste Mengen ein Problem

Wie viel Plastik er während seinen 30 jeweils eine Viertelstunde dauernden Messungen finden wird, kann Mani nicht abschätzen. Aber weil er mit seinem Messgerät nur einen kleinen Bruchteil des Rheinwassers erfasst, würden selbst kleinste Mengen aufzeigen, dass auch der Rhein ein Mikroplastik-Problem hat. «Mein Wunsch wäre, dass meine Forschungsergebnisse dazu führen, dass die Plastik-Kontamination der Gewässer durch striktere Umweltmassnahmen möglichst verhindert wird. Möglich wäre auch eine staatliche Überwachung der Kontamination, wie sie heute für Schwebestoffe und Chemikalien bereits stattfindet.»

Für seine Forschungsreise, die am 7. Juli beginnt, ist Mani noch auf der Suche nach einem Assistenten. Weitere Informationen dazu unter assets.oceancare.org.

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