03.03.2019 17:39

Geld zuhause bunkern1000er-Note dient der Steuerhinterziehung

Viele Schweizer heben zum Jahresende Geld ab, um Steuern zu sparen. Doch der Trick zahlt sich kaum aus.

von
dob
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Die 1000er-Note ist bei Schweizern beliebt.

Die 1000er-Note ist bei Schweizern beliebt.

Keystone/Martin Ruetschi
Der Geldschein spielt aber bei der Steuerhinterziehung eine grosse Rolle. So heben viele Schweizer jeweils kurz vor Jahres Ende viel Bargeld in grossen Noten ab, um das Geld dann im Januar wieder zurückzubringen.

Der Geldschein spielt aber bei der Steuerhinterziehung eine grosse Rolle. So heben viele Schweizer jeweils kurz vor Jahres Ende viel Bargeld in grossen Noten ab, um das Geld dann im Januar wieder zurückzubringen.

Keystone/Martin Ruetschi
Damit wollen die Personen bei der Vermögenssteuer sparen. Bei der Steuererklärung muss man jeweils unter anderem den Kontostand vom 31. Dezember deklarieren.

Damit wollen die Personen bei der Vermögenssteuer sparen. Bei der Steuererklärung muss man jeweils unter anderem den Kontostand vom 31. Dezember deklarieren.

Keystone/Martin Ruetschi

Am Dienstag stellt die Schweizerische Nationalbank die neue 1000er-Note vor. Doch auch trotz neuen Designs wird der Geldschein seinen zwielichtigen Ruf nicht so schnell verlieren. Denn die Note soll etwa bei der Steuerhinterziehung eine wichtige Rolle spielen. Diesen Verdacht stützen nun Zahlen der Schweizerischen Nationalbank.

So heben Schweizer Kunden jeweils im Dezember im grossen Stil Bargeld von ihrem Konto ab – und zwar hauptsächlich in 1000er-Noten, wie die «SonntagZeitung» schreibt. Nach der Zwischenlagerung Zuhause oder in einem Schliessfach bringen sie im Januar fast den ganzen Betrag wieder zurück. Denn: Wenn Ende Jahr weniger Geld auf dem Konto ist, sinken die Vermögenssteuern (siehe Box).

Mindestens 3 Milliarden Franken versteckt

Mit diesem Trick geht offenbar jedes Jahr ein riesiger Betrag am Fiskus vorbei. Der Basler Wirtschaftsprofessor Yvan Lengwiler schätzt laut «SonntagsZeitung» die Summe des versteckten Bargelds vor zwei Jahren auf rund 3 Milliarden Franken. Die tatsächliche Summe dürfte aber viel höher sein, so das Blatt.

Eine Untersuchung von Ökonomen von der Europäischen Zentralbank, der Schweizerischen Nationalbank und der Ostbayerischen Technischen Hochschule Amberg-Weiden kommt zum Schluss: Die 1000er-Note dient heute vor allem zur Wertaufbewahrung und nicht als Zahlungsmittel. Der Anteil der abseits vom Konto gebunkerten Noten ist seit Mitte 80er-Jahren von einem Drittel auf mittlerweile über 70 Prozent gestiegen.

Grundsätzlich ist die 1000er-Note bei den Schweizern sehr beliebt. Die Nachfrage hat sich in elf Jahren auf 48,6 Millionen Stück verdoppelt, so die «SonntagsZeitung». Und das in Zeiten, in denen bargeldlose Zahlungsmittel boomen.

Mit Geldbunkern zuhause spart man kaum Steuern

Viele Schweizer bunkern ihre 1000er-Noten zuhause in der Schublade oder verstecken sie in DVD-Hüllen. Doch das Risiko eines Verlust oder eines Diebstahls auf sich zu nehmen, lohnt sich finanziell nicht. Denn die Vermögenssteuer ist relativ gering. Das zeigt ein Rechenbeispiel. Eine konfessionslose ledige Person in der Stadt Zürich müsste 2019 für sein Vermögen von 200'000 Franken Staats- und Gemeindesteuern von 157.60 Franken zahlen. Hebt der Steuerpflichtige nun zum Jahresende hin 100'000 in Form von 100 1000er-Noten ab und versteckt diese, muss er auf die verbliebenen 100'000 Franken auf dem Konto noch 48.10 Franken zahlen. Mit dem Prozedere spart die Person also bei der Vermögenssteuer 109.50 Franken. Bei einem Vermögen von 1 Million Franken wird eine Steuer von 2126.40 Franken fällig.

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