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Grösste Belohnung104 Millionen Dollar für UBS-Whistleblower

Der ehemalige UBS-Banker Bradley Birkenfeld erhält von der US-Steuerbehörde IRS 104 Millionen Dollar. Das ist die höchste Belohnung, die ein Whistleblower je erhalten hat.

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egg/cat

Gerade erst ist Bradley Birkenfeld aus der Haft entlassen worden – jetzt ist er auch noch 104 Millionen Dollar reicher. Der Whistleblower, der die Machenschaften der UBS mit US-Steuersündern offenlegte, erhält damit die höchste je gezahlte Belohnung.

Mit Birkenfelds Informationen habe ein System zur Umgehung von Steuern im Umfang von 20 Milliarden Dollar gesprengt werden können, hiess es an einer Medienkonferenz des National Whistleblower Center in Washington. Mit der Auszeichnung soll zudem generell dazu angestiftet werden, solche Missstände zu melden.

Beispiellose Informationen

«Die umfassenden Informationen, die der Whistleblower zur Verfügung stellte, waren beispiellos in ihrem Umfang und in ihrer Tiefe», teilte die US-Steuerbehörde IRS in einem Schreiben mit. Birkenfelds Anwälte Stephen M. Kohn und Dean A. Zerbe liessen zudem ausrichten, dass «das IRS 104 Millionen Botschaften an Banken in aller Welt geschickt hat: Hört auf, Steuerbetrug zu schützen, oder ihr werdet erwischt.»

Birkenfeld hatte die UBS-Steueraffäre ins Rollen gebracht. Er hatte die Machenschaften der Bank der US-Steuerbehörde offengelegt, gleichzeitig aber versucht, seine Rolle in der Affäre zu verschweigen.

31 Monate im Gefängnis

Der Kronzeuge in der UBS-Steueraffäre war im August 2009 zu einer Haftstrafe von 40 Monaten verurteilt worden, weil er dem Milliardär und Immobilienhändler Igor Olenicoff dabei geholfen hatte, rund 200 Millionen Dollar an der US-Steuerbehörde vorbei auf Konten in der Schweiz und in Liechtenstein zu verstecken. Birkenfeld kam nach 31 Monaten Haft am 1. August 2012 frei.

Der Fall war Auslöser des Steuerstreits zwischen den USA und der UBS, der 2009 in der Zahlung einer Busse von 780 Millionen Dollar der Grossbank an das US-Justizdepartement endete. (egg/cat/sda)

«Ungesunder Anreiz geschaffen»

Peter V. Kunz*, warum wird Bradley Birkenfeld erst ins Gefängnis gesteckt, um dann Millionen zu kassieren?

Das scheint bizarr, entspricht aber der US-Rechtsordnung. Für die Gefängnisstrafe war das Department of Justice verantwortlich, für die Belohnung die Steuerbehörde IRS – also zwei verschiedene Behörden.

Sind 104 Millionen Dollar als Belohnung gerechtfertigt?

Sind 104 Millionen Dollar als Belohnung gerechtfertigt?

Dieser exorbitante Betrag hat mich überrascht. Er zeigt aber, wie viel den USA die Informationen von Birkenfeld wert waren. Und wie viel zusätzliche Steuereinnahmen die Hetze gegen die UBS gebracht hat.

Müssen weitere Banken jetzt Nachahmungstäter fürchten?

Das ist möglich. Zumindest wurde ein ungesunder Anreiz für Bankmitarbeiter geschaffen. Spitzeltätigkeit ist offenbar lukrativ. (VB)

*Peter V. Kunz ist Wirtschaftsrechtsprofessor an der Uni Bern

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