Zürcher Wahlen: 11'000 Schöggeli verteilt, um Stadtrat zu werden
Aktualisiert

Zürcher Wahlen11'000 Schöggeli verteilt, um Stadtrat zu werden

Im Endspurt vor den Zürcher Stadtratswahlen geben die Kandidaten nochmals Gas: Ob Blumen, Fairtrade-Schöggeli oder Kaffee – die Wähler werden mit allen Mitteln geködert.

von
som

Schoggi-Herzchen auf einer grünen Postkarte: Mit diesem Geschenk versucht der Grünen-Stadtratskandidat Markus Knauss noch bis am Samstag, die letzten Zürcher Wähler zu mobilisieren: «Das lohnt sich», sagt er, «denn etwa ein Viertel der Wähler geben erst am Samstag oder Sonntag ihre Stimme an der Urne ab.»

In den vergangenen Monaten haben Knauss, Daniel Leupi und andere Parteimitglieder 11'000 Goodys verteilt – rund die Hälfte davon hat Knauss abgegeben: «Ich schätze den Kontakt zu den Leuten.» Dass er dafür teilweise um 5 Uhr morgens aus den Federn und viele Stunden draussen in der Kälte stehen musste, störe ihn nicht: «Die positiven Rückmeldungen der Passanten geben mir viel Energie – das ist fast euphorisierend.»

Die Schokolade stammt laut Knauss aus dem Fairtrade-Handel. Weil ihm die grünen Herzchen schon längst ausgegangen sind, verteilt er nun rote. Dass dies eigentlich die Farbe der SP und AL ist, sei kein Problem: «Die rote Alufolie kommt auf der grünen Postkarte viel besser zur Geltung.»

«Keine freie Minute mehr»

Nicht nur auf die Farbe Rot setzen Corine Mauch, Claudia Nielsen und Raphael Golta von der SP, die im Schlussspurt die unentschlossenen Wählere mit Tulpen und Nelken bezirzen wollen. Schon vor den letzten Wahlen vor vier Jahren haben es die Sozialdemokraten mit Blumen versucht. «Das passt doch zum baldigen Frühlingsanfang», findet der Stadtzürcher SP-Parteisekretär Martin Alder.

Währendessen verschenkt SVP-Stadtratskandidatin Nina Fehr Düsel am Bellevue Minor-Schöggeli – am Samstag will sie mit ihren Parteikollegen am Meierhofplatz die Passanten mit Kaffee und Süssem beglücken, so Fehr: «Seit November war ich in meiner Freizeit entweder auf Podien oder auf der Strasse anzutreffen.» Da sie nebenbei 100 Prozent arbeite, habe sie keine freie Minute mehr gehabt. «Das stört mich aber nicht.» Die Strassenaktionen machen ihr besonders viel Spass: «Man ist an der frischen Luft und erhält spannende Inputs von den Passanten.» Auch habe sie positive Reaktionen von Nicht-SVP-Wählern erhalten.

Leutenegger will Vollgas geben

Oft auf der Strasse anzutreffen ist auch FDP-Mann Filippo Leutenegger, der nicht nur Stadtrat, sondern auch Stadtpräsident werden will – am letzten Tag vor der Entscheidung gibt er nochmals richtig Gas: «Ich mache eine Tour de Zürich und werde an vier Standorten präsent sein.» Dabei verteilt auch er Schöggeli, «um den Wahlkampf etwas zu versüssen».

Alles andere als zuckersüss waren die letzten Wochen für Stadtrat Richard Wolff, schliesslich hatte er wegen seinen umstrittenen Äusserungen zum Schwarzen Block nicht die beste Presse. Walter Angst von der Alternativen Liste ist trotzdem optimistisch, dass Wolff seine Wiederwahl schafft: «Wir werden aber bis zum letzten Moment alles geben.» So will Wolff noch am Samstag an zahlreichen Standaktionen mit den Wählern in Kontakt kommen.

Deine Meinung