Bullying-Fall in Frankreich: 11-Jährige bringt sich um, weil sie gemobbt wurde
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Bullying-Fall in Frankreich11-Jährige bringt sich um, weil sie gemobbt wurde

Bevor sie sich das Leben nahm, wurde Evaëlle (11) in zwei verschiedenen Schulen schikaniert. Auch eine ihrer Lehrerinnen spielte dabei eine wichtige Rolle.

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Der 11-jährigen Evaëlle wurde in zwei verschiedenen Schulen das Leben zur Hölle gemacht.

Der 11-jährigen Evaëlle wurde in zwei verschiedenen Schulen das Leben zur Hölle gemacht.

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An der Schule Isabelle Autissier in Herblay, einer Ortschaft nordwestlich von Paris, wurde das Mädchen von ihren Mitschülern beschimpft, gedemütigt und geschlagen.

An der Schule Isabelle Autissier in Herblay, einer Ortschaft nordwestlich von Paris, wurde das Mädchen von ihren Mitschülern beschimpft, gedemütigt und geschlagen.

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Im Februar 2019 wechselten die Eltern das Mädchen in die Georges-Duhamel-Schule. Dort wurde es nicht besser. Am 21. Juni nahm sich Evaëlle in ihrem Zimmer das Leben.

Im Februar 2019 wechselten die Eltern das Mädchen in die Georges-Duhamel-Schule. Dort wurde es nicht besser. Am 21. Juni nahm sich Evaëlle in ihrem Zimmer das Leben.

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Die Welt von Evaëlles Eltern brach am 21. Juni zusammen. An dem Tag fanden Sébastien und Marie ihre 11-jährige Tochter erhängt in deren Schlafzimmer. Das Mädchen aus Herblay, einer Ortschaft nordwestlich von Paris, war in der Schule dermassen gemobbt worden, dass sie sich das Leben nahm. Für Sébastien und Marie ist aber klar: Die Schikane kam nicht nur von Seiten der Mitschüler, sondern auch von einer Lehrerin.

Sébastien und Marie erfuhren erstmals vom Bullying, den Evaëlle in der Schule erfuhr, letzten Februar. Das Mädchen hatte sich seinen Eltern anvertraut. Es erzählte ihnen, wie sie von den anderen Kindern beschimpft, gedemütigt und geschlagen wurde. Die Eltern reagierten sofort: Sie nahmen Evaëlle aus der Schule Isabelle Autissier und erstatteten eine Anzeige wegen Mobbing.

Mit der Lehrerin fing es an

Doch der Wechsel nach den Winterferien brachte keine Veränderung. Auch in der Georges-Duhamel-Schule wurde das Mädchen angegriffen und ausgegrenzt. Es ass alleine in der Kantine, wurde immer wieder von den anderen ausgelacht. «Evaëlle war ein Kind voller Lebensfreude. Sie war sehr reif für ihr Alter und sehr intelligent», erzählen die Eltern. Ihr Traum sei es gewesen, Lehrerin zu werden.

«Sie versuchte, sich mit allen anzufreunden. Oft im Übermass. Und wenn das so ist, wird man abgelehnt», sagt der Vater. Auch eine Lehrerin in der alten Schule habe Evaëlle das Leben schwer gemacht, wie eine ehemalige Schulkollegin «Le Parisien» erzählt. Sie behandelte Evaëlle, «als sei sie verrückt.» Die Lehrerin greife die Schwächsten aus der Klasse an, gab die Schülerin weiter zu Protokoll. «Wenn du etwas nicht kannst, gibt sie dir zu spüren, dass du eine Null bist. Vor allen Kindern in der Klasse sagt sie, dass du die schlechteste bist.»

Evaëlles Eltern haben gegen die neue Schule ebenfalls Anzeige wegen Mobbing erstattet. Sie glauben, dass das Problem in den Schulen allgemein heutzutage sei, «dass es vielen Kindern an Mitgefühl fehlt. Sie merken es nicht einmal, für sie ist das nur Spass». Die Mutter des toten Mädchens fordert nun, dass Empathie im Unterricht bereits seit dem Kindergarten beigebracht wird. «In Finnland machen sie das schon so», sagt Marie.

Suizidgedanken? Hier finden Sie Hilfe

Beratung:

Dargebotene Hand, Tel. 143, (143.ch)

Angebot der Pro Juventute: Tel. 147, (147.ch)

Kirchen (Seelsorge.net)

Anlaufstellen für Suizid-Betroffene:

Nebelmeer – Perspektiven nach dem Suizid eines Elternteils (Nebelmeer.net);

Refugium – Geführte Selbsthilfegruppen für Hinterbliebene nach Suizid (Verein-refugium.ch);

Verein Regenbogen Schweiz (Verein-regenbogen.ch).

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