Tschüss 117, 118 & 144: 112 soll einzige Notruf-Nummer werden
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Tschüss 117, 118 & 144112 soll einzige Notruf-Nummer werden

Was die Europäer können, schaffen wir auch, sagt sich Ständerat Thomas Minder: Alle Notfalltelefone sollen über die Nummer 112 eingehen. Doch die Kantone stellen sich quer.

von
Simon Hehli
Wenns brennt, wird man die Feuerwehr mit 118 nicht mehr rufen können – irgendwann.

Wenns brennt, wird man die Feuerwehr mit 118 nicht mehr rufen können – irgendwann.

Kennen Sie die Rufnummer 112? Nein? Dann gehören Sie zur grossen Mehrheit der Schweizer Bevölkerung: 90 Prozent kämen gemäss einer Studie der Basler Versicherungen nicht auf die Idee, bei einem Notfall die 112 anzurufen. Dabei ist das die einzige Nummer, die sich von gesperrten Handys aus wählen lässt und die auch ohne Telefonguthaben oder auf fremden Netzen funktioniert. Im EU-Raum sind alle Notfalldienste in dieser Nummer zusammengeführt – nur die Schweiz tickt wieder mal ein bisschen anders.

117 für die Polizei, 118 für die Feuerwehr, 144 für die Sanität: die alten Zöpfe lassen sich nicht so leicht abschneiden. Nun unternimmt der parteilose Ständerat Thomas Minder einen neuen Anlauf: In einer Motion fordert er den Bundesrat auf, die nötigen Schritte zu unternehmen, um die althergebrachten Notfallnummern nach einer «adäquaten Übergangsfrist» durch die 112 abzulösen. «Wir müssen uns in diesem Punkt Europa anpassen», erklärt Minder. Der Schaffhauser knüpft damit an einen Vorstoss von FDP-Mann Filippo Leutenegger von Ende 2008 an. Leutenegger hatte gefordert, die Polizeinummer 117 durch die europaweit bekannte 112 zu ersetzen.

Der Bund kann nur appellieren

In seiner Antwort stellte der Bundesrat damals eine Umsetzung von Leuteneggers Forderung bis Ende 2012 in Aussicht – und plante «in einem nächsten Schritt» auch die Integration der Nummern 118 und 144. Doch getan hat sich seither praktisch nichts. Leuteneggers Motion versandete im Parlamentsbetrieb und der Bundesrat liess seinen Worten keine Taten folgen. Das Problem liegt im Föderalismus: Die Verwaltung der Notrufdienste ist Sache der Kantone. Das Bundesamt für Kommunikation (Bakom) kann bisher einzig an die Kantone appellieren, den Wunsch des Bundesrates umzusetzen, wie Sprecherin Caroline Sauser 20 Minuten Online erklärt.

In einigen Kantonen gibt es noch separate Notrufzentralen für Sanität, Feuerwehr und Polizei, was eine Zusammenlegung der Telefonnummern erschwert. Ein weiteres Argument ist aus kantonalen Polizeikreisen zu vernehmen: Zeitverlust. Bis die Zentrale entschieden habe, ob der Anrufer nun die Polizei, die Ambulanz oder die Feuerwehr benötige, verstrichen kostbare Sekunden, heisst es bei der Polizeikommandanten-Konferenz. Wenn jemand einen Herzinfarkt melde, sei es besser, wenn der Anruf direkt beim medizinischen Notfalldienst eingehe.

Wasser auf die Mühlen des Bakom

Der ablehnenden Haltung einiger Kantone zum Trotz verfolgt der Bundesrat weiterhin das langfristige Ziel, dass für alle Notfälle einzig die Nummer 112 gewählt wird, wie Bakom-Sprecherin Sauser sagt. In vielen Fällen – etwa bei schweren Verkehrsunfällen oder bei Bränden – braucht es sowieso eine Zusammenarbeit der verschiedenen Blaulichtorganisationen. Sauser sieht noch einen weiteren Vorteil eines vollständigen Wechsels zur 112: «Schweizer im europäischen Ausland wüssten dann auf Anhieb, welche Nummer sie im Notfall wählen müssen.»

Im Kompetenzgerangel mit den Kantonen ist Minders Motion Wasser auf die Mühlen des Bakom. Dieses darf derzeit nicht mal eine nationale Werbekampagne für die weitgehend unbekannte 112 lancieren. «Dieser Zustand könnte sich ändern, je nach Antwort des Bundesrates und dem Willen des Parlaments», zeigt sich Sauser optimistisch.

Abschaltung erst, wenn alle 112 kennen

Bis die Nummern 117, 118 und 144 verschwinden, werden so oder so noch mehrere Jahre verstreichen. Denn die Gewohnheiten der Nutzer ändern sich nur langsam. Die traditionellen Notfallnummern würden nicht über Nacht abgeschaltet, verspricht Caroline Sauser. Sondern erst dann, wenn die Notrufdienste merken, dass sich die Bevölkerung an die 112 gewöhnt hat und praktisch keine Anrufe mehr auf den anderen Nummern eingehen.

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