«Plan B»: 12 Franken für einen Liter Benzin
Aktualisiert

«Plan B»12 Franken für einen Liter Benzin

Dagegen ist die geplante Ökosteuer von Eveline Widmer-Schlumpf ein wahres Schnäppchen: Laut einem ETH-Professor liegt ein angemessener Benzinpreis zwischen 10 und 12 Franken pro Liter.

von
oku
Hält den jetzigen Benzinpreis für viel zu tief: ETH-Professor Anton Gunzinger fordert in seinem «Plan B» deutlich höhere Kosten (siehe auch Video unten).

Hält den jetzigen Benzinpreis für viel zu tief: ETH-Professor Anton Gunzinger fordert in seinem «Plan B» deutlich höhere Kosten (siehe auch Video unten).

Der faire Benzinpreis liege bei 10 bis 12 Franken pro Liter. Das sagt Anton Gunzinger, renommierter Elektroingenieur und Professor an der ETH Zürich gegenüber der Zeitung «Der Sonntag».

Damit überbietet Gunzinger sogar die geplante Ökosteuer von Eveline Widmer-Schlumpf. Bis auf fünf Franken würde laut dieser der Benzinpreis bis 2050 steigen. Für Gunzinger wäre das aber viel zu wenig.

Höhere Einnahmen für Lärm- und Staureduktion

Positive Reaktionen hat der Professor für sein Modell bereits erhalten. Kürzlich präsentierte er der FDP-Sektion Zürich seine Vision. Danach stimmte zu seiner eigenen Überraschung ein Drittel der Anwesenden einer Preiserhöhung auf 12 Franken pro Liter zu.

Für Gunzinger gehören Güter wie Wasser, Luft oder Ruhe allen. Für sie soll ein fairer Preis ausgehandelt werden. Wer zu viel von den Ressourcen nutzt, zahlt. Wer sie schont, profitiert. Den Benzinpreis von rund 12 Franken errechnet Gunzinger aus dem heutigen Benzinpreis pro Liter sowie Investitionen und Unterhalt für Strassen. Auch allfällige Unfallkosten und Abgeltungen wegen des verursachten Lärms, der Staus und des CO2-Ausstosses sind enthalten.

«Plan B oder Faktor 10» - Anton Gunzinger stellt sein Konzept vor (Kurzfassung). Quelle: Christoph Seiffert/Vimeo.

So kommt Gunzinger auf einen Preis von 11.62 Franken pro Liter, der über die nächsten 15 Jahre schrittweise eingeführt werden soll. Das hat laut Gunzinger vor allem positive Folgen. Auf unnötige Fahrten würde verzichtet. So gäbe es viel weniger Staus, und neue Elektrofahrzeuge würden gefördert, sagt der Professor, der selber übrigens mit dem Fahrrad zur Arbeit fährt. Den Führerschein habe er nie gemacht, wie er der deutschen Zeitung «Die Zeit» verriet: «Keine Zeit gefunden.»

Radikales Verursacherprinzip

Finanzministerin Eveline Widmer-Schlumpf hat dem Bundesrat am Mittwoch eine Lenkungsabgabe vorgeschlagen. Anders als aber im Konzept des Wissenschaftlers sollen die Einnahmen zweckentfremdet eingesetzt weden, zum Beispiel zur Reduktion von Krankenkassenprämien. Einzig in der grundlegenden Idee stimmen die beiden Vorschläge überein: Wer viel Energie konsumiert, müsse mehr Steuern zahlen als heute. Wer spart, würde entlastet.

Computer-Experte auf der Ökospur

Prof. Dr. Anton Gunzinger (1956) absolvierte das Studium zum Elektroingenieur an der ETH auf dem zweiten Bildungsweg.

Als Oberassistent der ETH Zürich entwickelte er mit seinem Team das Multiprocessor System with Intelligent Communication (Music-System) und war damit im Final der Weltmeisterschaft der schnellsten Rechner der Welt, um den Gordon Bell Award.

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