Liestal BL: 12-Jähriger musste drei Tage auf Gips warten
Aktualisiert

Liestal BL12-Jähriger musste drei Tage auf Gips warten

Beim Fussballspielen brach sich ein Bub den Arm. Im Kantonsspital Liestal gab es am Freitagabend dann eine unangenehme Überraschung. Einen Gips gibt es nur werktags zu Bürozeiten.

von
lha
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Drei Tage musste der 12-Jährige auf seinen Gips warten, weil er zu einem ungünstigen Zeitpunkt einen Armbruch erlitt.

Drei Tage musste der 12-Jährige auf seinen Gips warten, weil er zu einem ungünstigen Zeitpunkt einen Armbruch erlitt.

Privat
Das Gipszimmer des Kantonsspitals Baselland in Liestal ist nämlich nur werktags bis 16 Uhr besetzt. Der Bub kam aber an einem Freitag um 18 Uhr mit seinem gebrochenen Arm ins Spital.

Das Gipszimmer des Kantonsspitals Baselland in Liestal ist nämlich nur werktags bis 16 Uhr besetzt. Der Bub kam aber an einem Freitag um 18 Uhr mit seinem gebrochenen Arm ins Spital.

Helmut Fohringer/Symbolbild
Auch beim Gipser lief drei Tage später nicht alles rund. Der Arzt versäumte es nämlich, diesem mitzuteilen, welcher Gips wo angelegt werden solle. Der Vater des Buben beschwerte sich in der Folge schriftlich beim Spital.

Auch beim Gipser lief drei Tage später nicht alles rund. Der Arzt versäumte es nämlich, diesem mitzuteilen, welcher Gips wo angelegt werden solle. Der Vater des Buben beschwerte sich in der Folge schriftlich beim Spital.

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«Wofür zahle ich eigentlich Steuern?», fragt Josep C.* Der Liestaler Familienvater brachte seinen 12-jährigen Sohn am 25. Mai, einem Freitag, gegen 18 Uhr in die Notfallaufnahme des Kantonsspitals Liestal. Der Bub hatte beim Fussballspielen auf der Strasse einen Knochenbruch im linken Arm erlitten. Der behandelnde Arzt stellte eine sogenannte Grünholzfraktur an der Speiche fest und verordnete drei Wochen Gips. Nur: Der Gipspfleger hatte da schon Wochenende. Das wurde C. erst am Samstag mitgeteilt, als er einen Termin für die Behandlung vereinbaren wollte. «Ein Kantonsspital ohne Gipser am Wochenende?», fragt der Spanier ungläubig.

Es wurde schliesslich Dienstag, bis der Arm seines Sohnes eingegipst werden konnte. Dabei gabs erneut Schwierigkeiten: Der Pfleger wusste nicht, welchen Gips er anlegen sollte, und der behandelnde Arzt war nicht im Haus. Wegen des fehlenden Berichts musste telefoniert werden. C. beschwerte sich in der Folge schriftlich beim Kantonsspital.

Neues Gips-Konzept in Erarbeitung

Dort ist der Fall bekannt. Das Kantonsspital Baselland schreibt in einer Stellungnahme von «prozessualem und kommunikativem Versagen» in diesem Fall. Der fallführende Oberarzt der Notfallstation hat sich zwischenzeitlich auch bei C. telefonisch gemeldet und «aufrichtig entschuldigt».

Das Spital bestätigt aber auch, dass ein spezialisierter Gipspfleger nur von Montag bis Freitag anwesend ist. Es sei auch in anderen Spitälern Usus, dass Gipspfleger nicht rund um die Uhr zur Verfügung stünden. In dringenden Fällen könnten spezielle Gipsverbände aber durch einen orthopädischen Dienstarzt jederzeit gewährleistet werden, so die Sprecherin des Spitals. «Unhabhängig vom aktuellen Fall ist das Notfallzentrum zusammen mit der Klinik für Orthopädie bereits an der Erarbeitung eines Gips-Konzepts, da erkannt ist,

dass die Schnittstellen prozessual nicht einwandfrei laufen», sagt sie weiter.

Der Patient sei aber zu keinem Zeitpunkt gefährdet gewesen, betont das Spital. Das Wichtigste sei die Stabilisierung, und diese sei auch mit einer Klett-Schiene gewährleistet.

Auch am Unispital nur zu Bürozeiten

Eine Nachfrage beim Universitätsspital Basel zeigt: Auch im grössten Notfallzentrum der Region hätte der Bub auf seinen Gips warten müssen. Ausserhalb der üblichen Öffnungszeiten ist das sogenannte Gipserzimmer der Chirurgie nicht belegt.

Allerdings ist es medizinisch selten notwendig, sofort einen Gips anzulegen. Solange Schwellungen bestehen, kann meistens auch gar kein solcher Verband angelegt werden. «Ausserhalb der Tagesöffnungszeiten arbeitet das Notfallzentrum mit Konfektionsschienen, die für die Erstversorgung qualitativ mit einem Gipsverband gleichzusetzen sind», teilt Spitalsprecher Thomas Pfluger mit.

* Name der Redaktion bekannt

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