Aktualisiert 13.06.2014 13:28

Sebastien N.12 Jahre Haft und Verwahrung für Neonazi

Neonazi Sebastien N. ist vom Bezirksgericht Zürich zu 12 Jahren Haft verurteilt worden. Er hatte im Zürcher Niederdorf vor zwei Jahren einen Mann niedergeschossen.

von
R. Neumann

Sebastien N. ist vom Zürcher Bezirksgericht zu 12 Jahren Freiheitsstrafe verurteilt worden. Davon sind 766 Tage bereits durch Haft erstanden. Zudem ordnete das Gericht eine Verwahrung und eine ambulante Behandlung an. Der Täter muss dem Opfer einen Schadenersatz von 250 Franken und 18'000 Franken Genugtuung bezahlen.

Im Mai 2012 hatte N. einem Mann aus nächster Nähe im Niederdorf in die Brust geschossen. Dieser überlebte mit einem Lungendurchschuss. Der Täter wurde zwei Tage später in Deutschland mit der Tatwaffe gefasst.

Das Gericht glaubte ihm am Mittwoch nicht, dass er vor der Schussabgabe vom Opfer derart provoziert worden sei, wie er das geschildert hatte. «Wenn jemand provozierte, waren es Sie und nicht der Geschädigte.» Selbstschutz, Angst und Panik fielen als Motiv der Schussabgabe weg. Mit der Schussabgabe aus nächster Nähe direkt auf Brusthöhe, sei nicht von einer gewollten schweren Körperverletzung zu sprechen, sondern: «Wer das tut, der will den Tod.»

«All Cops Are Bastards»

Während der Urteilsverkündung schüttelte N. immer wieder ungläubig den Kopf, murmelte einmal hörbar: «Das ist doch lächerlich.» Der 27-Jährige trug vor Gericht ein T-Shirt mit dem Aufdruck «1312» - ein Code für «All Cops Are Bastards». Die Glatze ist verschwunden, sie ist halblangen Haaren gewichen.

«Ich komme zurecht», sagte er auf die Frage des Richters, wie es ihm gehe. Seine Stimme klang zu Beginn belegt, er sprach schnell, verschluckte Wörter.

Er versuchte vor Gericht geltend zu machen, dass er vom späteren Opfer und seinem Kollegen angegriffen worden sei. «Ich wollte nur, dass die beiden von mir ablassen», sagte N. Darauf habe er geschossen. Er habe Angst gehabt.

Der Richter hielt entgegen, dass alle Aussagen der anderen befragten Zeugen nicht mit der Version von Sebastien N. übereinstimmten.

«Verabscheuungswürdig»

Die Staatsanwältin hatte eine Freiheitsstrafe von 15 Jahren und N.s Verwahrung gefordert. N. habe in einer Mischung aus Rache und Wut gehandelt. Dies bezeugten auch SMS nach der Tat.

Ausserdem habe er gewusst, dass er mit der Schussabgabe einen Menschen hätte töten können. Er kenne sich mit Waffen aus und sei von ihnen fasziniert. «Wer mit diesem Wissen auf die Brust eines Menschen schiesst, der will den Tod dieses Menschen.» Es müsse von einem direkten Vorsatz ausgegangen werden. «Das ist ein brutales und verabscheuungswürdiges Tatvorgehen.»

N. habe eine anhaltende psychische Störung und eine fehlende Impulskontrolle. Er sei stark rückfallgefährdet. Der Beschuldigte habe eine dissoziale Persönlichkeitsstörung. Sämtliche Voraussetzungen für eine Verwahrung seien erfüllt.

Der Verteidiger versuchte vergeblich, einen Notwehrexzess vor Gericht durchzubringen. «Hätte er ihn töten wollen, wäre er auf Nummer sicher gegangen.» Er hatte eine Strafe für eventualvorsätzliche schwere Körperverletzung gefordert.

*Namen der Redaktion bekannt

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