Spitalspersonal ist hässig: «120 Franken Corona-Prämie sind wie ein Schlag ins Gesicht»
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Spitalspersonal ist hässig«120 Franken Corona-Prämie sind wie ein Schlag ins Gesicht»

Das Luzerner Kantonsspital hat Angestellten eine Corona-Prämie bezahlt. Für eine Vollzeitstelle gabs 150 Franken. «Ich wusste nicht, ob ich weinen oder lachen sollte», sagt eine Pflegefachfrau. Andere Institutionen zahlten ein Mehrfaches an Prämien. Das Spital verteidigt die Salär-Strategie.

von
Martin Messmer
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Am Kantonsspital Luzern wurde im Februar eine Prämie für die Arbeit des Personals in der Pandemie ausbezahlt. Höhe der Prämie: Zwischen 50 und 150 Franken. Für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Intensivpflege gabs zusätzlich einen Einkaufsgutschein.

Am Kantonsspital Luzern wurde im Februar eine Prämie für die Arbeit des Personals in der Pandemie ausbezahlt. Höhe der Prämie: Zwischen 50 und 150 Franken. Für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Intensivpflege gabs zusätzlich einen Einkaufsgutschein.

LUKS/ Severin Ettlin
Anderswo wurde deutlich mehr bezahlt: Die Angstellten des Zentrums Kirchfeld in Horw LU zum Beispiel haben 400 Franken pro Vollzeitpensum erhalten, und zwar bereits im September.

Anderswo wurde deutlich mehr bezahlt: Die Angstellten des Zentrums Kirchfeld in Horw LU zum Beispiel haben 400 Franken pro Vollzeitpensum erhalten, und zwar bereits im September.

Kirchfeld AG
Oder das Kantonsspital in Baden vergab allen medizinischen Mitarbeitenden eine Prämie von pauschal 1000 Franken.

Oder das Kantonsspital in Baden vergab allen medizinischen Mitarbeitenden eine Prämie von pauschal 1000 Franken.

Kantonsspital Baden

Darum gehts

  • Am Kantonsspital Luzern wurde im Februar eine Prämie für die Arbeit des Personals in der Pandemie ausbezahlt.

  • Die Höhe der Prämie: Zwischen 50 und 150 Franken. Für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Intensivpflege gabs zusätzlich einen Einkaufsgutschein.

  • Eine Mitarbeiterin, die 120 Franken bekommen hat, sagt: «120 Franken für die vermehrte Belastung und die Verantwortung, die ich letztes Jahr übernommen habe – das ist wie ein Schlag ins Gesicht. Ich bin enttäuscht.»

  • In einem Altersheim in Horw wurden 400 Franken Corona-Prämie bezahlt, im Kanton Waadt sogar 900 Franken.

  • Schweizer Berufsverband der Pflegefachfrauen und Pflegefachmänner SBK fordert eine Corona-Prämie in der Höhe eines Monatslohnes.

  • Das Luzerner Kantonsspital verweist darauf, dass sein Personal «nachhaltig» von höheren Löhnen profitieren werde.

Es soll ein Zeichen der Wertschätzung sein, um dem Personal für den ausserordentlichen Einsatz während der Corona-Pandemie zu danken: Das Luzerner Kantonsspital hat seinen Angestellten eine Prämie in der Höhe von 150 Franken für ein Vollzeitpensum ausbezahlt, für kleinere Pensen gibt es weniger. Wer in der Intensivpflege arbeitet, bekam zusätzlich einen Gutschein.

Doch nicht alle freuen sich über die Prämie: «Ich wusste nicht, ob ich lachen oder weinen sollte», sagte eine Pflegefachfrau zum Zentralschweizer Onlineportal Zentralplus; sie arbeitet 80 Prozent und bekam 120 Franken. «120 Franken für die vermehrte Belastung und die Verantwortung, die ich letztes Jahr übernommen habe – das ist wie ein Schlag ins Gesicht. Ich bin enttäuscht», sagte sie weiter.

150 Franken sind im Vergleich zu den Corona-Prämien anderer Institutionen tatsächlich wenig. Im Kanton Waadt bekam das Pflegepersonal eine Prämie von 900 Franken, total 15 Millionen liess sich der Kanton das kosten. Oder das Zentrum Kirchfeld in Horw LU: Dort wurden pro Fulltime-Job 400 Franken ausbezahlt, und zwar schon im September und nicht erst im Februar wie nun am Luzerner Kantonsspital. Oder das Kantonsspital in Baden vergab allen medizinischen Mitarbeitenden eine Prämie von pauschal 1000 Franken.

Kantonsspital spricht von «nachhaltigen Lohnmassnahmen»

Beim Luzerner Kantonsspital heisst es auf Anfrage von 20 Minuten, dass trotz der angespannten Finanzlage ein ganzes Massnahmenpaket beschlossen wurde, um den enormen Einsatz der Mitarbeitenden in den vergangenen Monaten zu honorieren und damit ein Zeichen der Wertschätzung zu setzen.» Neben der Prämie und des Gutscheins lege das Kantonsspital «den Schwerpunkt der Zuwendungen auf eine nachhaltige Lohnmassnahme. So werden die Mittel für die individuelle Besoldungsanpassung 2021 nicht wie üblich linear verteilt, sondern fallen in den besonders belasteten Bereichen, wie etwa der Pflege, deutlich höher
aus als im Durchschnitt des Spitals. Mit diesem ausgewogenen Massnahmenpaket profitieren einerseits alle Mitarbeitenden langfristig und anderseits wird den unterschiedlichen Covid-19-bedingten Belastungen der Abteilungen und Berufsgruppen nachhaltig Rechnung getragen.»

Die Resonanz sei gut, schreibt Spital-Sprecher Markus von Rotz weiter: «Wir haben zahlreiche sehr positive Rückmeldungen auf dieses Zeichen der Wertschätzung erhalten. Das Massnahmenpaket wird insbesondere im Wissen um die schwierige finanzielle Situation sehr geschätzt .»

Berufsverband fordert einen Monatslohn als Prämie

Der Schweizer Berufsverband der Pflegefachfrauen und Pflegefachmänner SBK hatte bereits im November eine Corona-Prämie von einem Monatslohn für das Gesundheitspersonal gefordert. Zum deutlich geringeren Prämien-Betrag in Luzern heisst es beim Verband auf Anfrage von 20 Minuten: «Wir verstehen, dass dieser symbolische Betrag Unmut auslösen kann und finden nach wie vor, dass ein zusätzlicher Monatslohn eine angemessene Anerkennung für den ausserordentlichen Einsatz des Pflegepersonals wäre», sagt Geschäftsführerin Yvonne Ribi. Allerdings seien die Spitäler selber in einer schwierigen Situation, in der sie mit Defiziten zu kämpfen hätten. «Aus diesem Grund ist auch die Politik gefordert, die Finanzierung einer echten Corona-Prämie zu übernehmen, dies fordern wir seit letzten Herbst.» Der Bundesrat aber schiebe die Verantwortung auf die Gesundheitsinstitutionen und die Kantone ab.

Als gutes Beispiel nennt Ribi den Kanton Waadt, der wie erwähnt letzte Woche eine Corona-Prämie von «immerhin 900 Franken» bewilligte. Sie betont: «Wichtig ist, dass solche Prämien nicht darüber hinwegtäuschen dürfen, dass in der Pflege dringende Massnahmen gegen den Fachkräftemangel ergriffen werden müssen. Dazu gehören eine Ausbildungsoffensive, bessere Arbeitsbedingungen, mehr Personal auf den Schichten und eine gesetzliche Anerkennung der Verantwortung der Pflege.»

Möglich, dass dies alles für die enttäuschte Mitarbeiterin des Luzerner Kantonsspitals zu spät kommt. Sie sei «drauf und dran, einen neuen Job zu suchen».

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Hier findest du Hilfe:

BAG-Infoline Coronavirus, Tel. 058 463 00 00

BAG-Infoline Covid-19-Impfung, Tel. 058 377 88 92

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Branchenhilfe.ch, Ratgeber für betroffene Wirtschaftszweige

Pro Juventute, Tel. 147

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