Schwarze Erle: 120 Sympathisanten an zweiter illegaler Demo
Aktualisiert

Schwarze Erle120 Sympathisanten an zweiter illegaler Demo

Am Samstagabend zogen rund 120 Sympathisanten der Schwarzen Erle durchs Kleinbasel. Ein Aussteiger der linken Szene äussert sich kritisch zu den jüngsten Vorkomnissen.

von
rob
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Am Mittwochnachmittag mussten die Besetzer der Schwarzen Erle die Liegenschaft verlassen. In den folgenden Tagen kam es deshalb zu zwei Demonstrationen.

Am Mittwochnachmittag mussten die Besetzer der Schwarzen Erle die Liegenschaft verlassen. In den folgenden Tagen kam es deshalb zu zwei Demonstrationen.

lha
In der Nacht auf Donnerstag zogen rund 200 Demonstranten durch die Erlenstrasse. Dabei wurden vier Polizisten verletzt.

In der Nacht auf Donnerstag zogen rund 200 Demonstranten durch die Erlenstrasse. Dabei wurden vier Polizisten verletzt.

Leser-Reporter
Ein Tramhäuschen auf der Route wurde dabei zerstört. Auch an der zweiten Demo am Samstagabend kam es zu Sachbeschädigungen.

Ein Tramhäuschen auf der Route wurde dabei zerstört. Auch an der zweiten Demo am Samstagabend kam es zu Sachbeschädigungen.

stv

Am Mittwochnachmittag verliessen die Besetzer der Schwarze Erle auf Befehl des Liegenschaftsbesitzer das Haus an der Schwarzwaldallee. Am selben Tag noch kam es zu einer illegalen Demonstration, bei der vier Polizisten verletzt wurden. Am Samstagabend kam es nun zu einer zweiten Kundgebung.

Laut der Polizei sollen dieses Mal rund 120 Demonstranten daran teilgenommen haben. Abmarsch war um 21.40 Uhr beim Theodorskirchplatz. Von dort aus marschierten die Teilnehmer in die Klybeckstrasse. Laut Polizeisprecher Martin Schütz habe sich der Zug um 22.45 Uhr am Klybeckfest aufgelöst.

Sprayereien und eingeschlagene Scheibe

Entlang der Route gab es Sachbeschädigungen. «Es kam zu mehreren Sprayereien. Auch Farbbeutel wurden geworfen», so Schütz. Ferner sei ein Tram beschmiert worden. Beim Eingang einer Liegenschaft wurde ausserdem eine Scheibe eingeschlagen.

«Bei den Teilnehmern handelte es sich um vorwiegend junge Sympathisanten mit der Schwarzen Erle», sagt er weiter. Einzelne, die an der Spitze mit liefen, seien vermummt gewesen. Im Gegensatz zu der ersten Demonstration am Mittwochabend kam es dieses Mal jedoch nicht zu einer Berührung mit der Polizei.

Gewalt laut Aussteiger verbreitet in diesen Kreisen

Wie bereits am Mittwoch riefen auch dieses Mal Zürcher sowie Berner Gruppierungen aus der linken Szene auf Facebook dazu auf, am Marsch teilzunehmen. Laut Aussteiger Adrian Oertli, der während acht Jahren in der Szene in Zürich aktiv war, ist es «sehr wahrscheinlich», dass auch Aktivisten aus anderen Städten in Basel marschierten: «Zürich und Basel sind gut vernetzt», sagt der 37-Jährige. Dass vor allem junge Menschen dabei waren, kommt für ihn nicht überraschend: «Naive Jugendliche lassen sich schneller mitreissen.»

Oertli übt harte Kritik an den linken Gruppierungen: «In linksextremen Kreisen herrscht häufig die Idee, dass Gewalt die einzige Möglichkeit ist, um gegen eine vermeintliche totalitäre Macht Widerstand zu leisten.» Dies sei auch der Grund gewesen, wieso er der Szene den Rücken kehrte. Zusätzlich haben viele dieser Gruppe einen sektenähnlichen Charakter. Vor allem junge Menschen würden darin zur bewussten Provokation und Gewalt angestiftet.

Polizei ist nicht unschuldig

Doch auch die Polizeitaktik habe einen Einfluss. Bei spontanen Kundgebungen sei diese oft weniger gut vorbereitet, was oftmals zu einem eskalativeren Vorgehen beiträgt. Nicht jeder Polizist sei auf solche Situationen spezialisiert. Er selbst sei stark dafür, dass die Polizei eine deeskalative Strategie fährt. Auch, weil eine harsche Reaktion genau das ist, was Krawallanten wollen. «Damit sie sich später als Opfer darstellen können», wie Oertli sagt.

Das sagen die ehemaligen Besetzer

Am Freitag äusserten sich die ehemaligen Besetzer erstmals in einer Mitteilung zum Sicherungseinsatz der Polizei vom Mittwoch, der in ihren Augen eine klare Räumung war. Der Liegenschaftsbesitzer sei harsch und aggressiv vorgegangen, sei ohne Vorwarnung in das Haus gestürmt und habe ihnen zehn Minuten gegeben, um ihre Sachen zu packen. Schliesslich kam die Polizei vor Ort. «Eine Person wurde in Handschellen aus dem Haus gezerrt», heisst es in dem Schreiben.

Die ehemaligen Besetzer zeigen sich entsetzt ob den plötzlichen Ereignissen. «Wir haben nicht nur unser Zuhause verloren, sondern Basel hat einen wichtigen Ort verloren», schreiben sie und kritisieren, dass weder ein Bau- noch ein Nutzungsvorhaben vorliege.

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