Aktualisiert 06.09.2007 16:45

125 Jahre Gotthardbahn: Warnung vor Tunnelblick

Heute vor 125 Jahren fuhr zum ersten Mal ein Zug durch den in zehnjähriger Arbeit aus dem Fels gehauenen Gotthardtunnel. Bei den Bauarbeiten liessen 177 Bauarbeiter das Leben.

Seit der Eröffnung des Gotthardtunnels 1882 ist die Schweiz keine Insel mehr, sagte Bundespräsidentin Calmy-Rey am Donnerstag beim Festakt auf dem Castel Grande in Bellinzona. «Wir sollten also nicht mehr dem eigenen Tunnenblick verfallen.»

Der Gotthard stehe für internationale Offenheit, Austausch und Begegnung, sagte die Bundespräsidentin zum Auftakt der viertägigen Feierlichkeiten zum 125-Jahre-Jubiläum der Gotthardbahn vor rund 200 Gästen. «Hüten wir uns also (...) vor dem helvetischen Tunnelblick.»

Auch dunkle Seiten

Sie erinnerte aber auch an die dunklen Seiten beim Bau des Tunnels: die Baubedingungen, welchen 177 Arbeiter zum Opfer fielen und «für die man sich heute noch schämen muss», sowie die Niederschlagung eines Aufstandes der Mineure 1875, bei dem vier von ihnen erschossen wurden.

Vor der Bundespräsidentin hatten SBB-Chef Andreas Meyer, der Tessiner Staatsrat Marco Borradori und der Urner Regierungsrat Isidor Baumann die Gotthardbahn gewürdigt. «Die Eröffnung der Gotthardbahn hat die Schweiz ins Zentrum des sich rasch entwickelnden Europas gerückt», sagte Meyer.

Mit zwei Sonderzügen nach Bellinzona

Die Gäste waren mit einem Extrazug aus der Deutschschweiz und einem aus dem Tessin angereist. Bei einem Halt in Göschenen taufte SBB-Verwaltungsratspräsident Thierry Lalive d'Epinay eine Lokomotive Re 484 von SBB Cargo auf den Namen «Gottardo».

Beim Arbeiterdenkmal in Airolo legten die mitgereisten Gäste einen Kranz nieder zum Gedenken an die 177 Arbeiter, die während der zehnjährigen Bauzeit des 15 003 Meter langen Tunnels ums Leben gekommen waren. (sda)

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