Die Löcher von Hellikon: «13,71 Meter, zwei Spalten, unpassierbar»

Aktualisiert

Die Löcher von Hellikon«13,71 Meter, zwei Spalten, unpassierbar»

Trotz Einsturzgefahr und unbekanntem Untergrund haben mutige Höhlenforscher in Hellikon eine Erstbegehung gewagt. Sie träumten von einem Höhlensystem und wurden enttäuscht.

von
Amir Mustedanagic
Hellikon

Wissenschaftler, Gemeindearbeiter, Medien und Höhlenforscher: Der Acker von Bauer Karl Schlienger ist zur Attraktion geworden. Seit Dienstagmorgen treffen laufend mehr Menschen auf dem Feld in Hellikon AG ein. Inzwischen ist die Gruppe auf rund zwei Dutzend Personen gewachsen. Für den Geophysiker Christoph Donié ein grösseres Hindernis. Er ist mit seinen Messungen in Verzug gekommen. Mittlerweile konnte er die ersten Stangen zwar aufstellen. Ein Resultat ist aber laut Donié nicht vor morgen um 11 Uhr zu erwarten.

Im Mittelpunkt stehen im Moment aber andere: Die Höhlenforscher von drei Sektionen der Schweizerischen Gesellschaft für Höhlenforschung (SGH). Trotz Warnung der Geologen und den Bedenken der Gemeinde (20 Minuten Online berichtete) seilten sich die passionierten Forscher in eine der beiden Höhlen ab.

Der Traum von Verbindungsgängen und Hohlräumen

«Wir sind uns der Gefahr bewusst», sagt Andy Blaser von der SGH Sektion Bern. Eine Erstbegehung bedinge deshalb ein besonders vorsichtiges Vorgehen. In gelbe Höhlenoutfits gehüllt, bewaffnet mit Dutzenden Karabinern und einer Bohrmaschine, seilte die Gruppe einen Kundschafter kurz nach 11 Uhr ins Loch ab. «Fantastisch wäre es, wenn wir ein richtiges System entdecken mit Verbindungsgängen und grossen Hohlräumen», so Blaser. Von einer Entdeckung wie im Muotathal gar nicht zu sprechen: Dort hat Blaser im Hölloch einen Teil des längsten Höhlensystems der Schweiz miterforscht. «190 Kilometer werden es hier aber kaum sein», so Blaser in weiser Voraussicht. Und tatsächlich: Nur fünf Minuten nachdem Kollege Fabrice Franz die Höhle bestiegen hat, macht sich Ernüchterung breit: Zu viel Erdreich und zu wenig hartes Material umgeben die Doline.

An Bohrungen oder Ausgrabungen ist nicht mehr zu denken: Die Einsturzgefahr ist viel zu hoch, der Traum vom Höhlensystem geplatzt. «Es gibt zwar zwei Spalten, die weiterführen, leider sind sie nicht passierbar», teilt Kundschafter Franz der Gruppe mit, während er noch am Seil im Erdloch hängt. Dennoch: Eine Erkenntnis hat der Ausflug in die Tiefe gebracht – die genaue Tiefe. Der Einbruch reicht genau 13,71 Meter hinunter und nicht - wie bisher angenommen - 20 Meter. Doch die Höhlenforscher wären keine Höhlenforscher, wenn sie sich so schnell entmutigen lassen würden: Neues Ziel ist die nächste Höhle. «Dort entweicht warme Luft, das spricht dafür, dass sie tiefer sein könnte», ist sich die Gruppe einig.

Und tatsächlich: Die Höhle weist einen Fortsatz auf. Eine Verbindung zu einer riesigen Höhle? Zu einem ganzen System? Vielleicht, doch herausfinden werden es die Höhlenforscher heute nicht mehr. «Das Erdreich ist viel zu instabil, dicke Risse ziehen sich den Wänden entlang und es bröckelt bereits», ist aus der Höhle zu hören. Kein erfolgreicher Tag für die Forscher: Zwei Zugänge, zwei Enttäuschungen. Zwar könnte man eine Begehung der zweiten Höhle wagen, dazu müsste sich aber das Erdreich nochmals senken und stabilisieren. «Dann ist es zwar sicher, die Durchgänge aber auch versperrt», ist sich die Gruppe einig. Der Traum vom Höhlensystem in Hellikon AG ist wohl ausgeträumt. Dabei hätte es der Gemeinde wohl noch Spass gemacht, zum Höhlenforscher-Mekka zu werden. «Ganz abwegig wäre es ja nicht gewesen», sagt Gemeindeammann Kathrin Hasler. Berühmt bleibt Hellikon allemal: Schliesslich liegt hier spätestens nach diesem Tag der berühmteste Acker der Schweiz.

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