Aktualisiert 27.11.2009 17:40

Prozess im Tessin

13 Jahre Haft für «Killer von Losone»

Das Geschworenengericht Locarno hat den so genannten «Killer von Losone» zu 13 Jahren Gefängnis verurteilt. Der 46- jährige Italiener hatte am 19. August 2008 in Losone einen Türken erschossen und dessen Bruder schwer verletzt.

Staatsanwalt Moreno Capella hatte wegen vorsätzlicher Tötung, versuchter vorsätzlicher Tötung sowie diversen anderen Delikten eine Freiheitsstrafe von 20 Jahren beantragt. Der Angeklagte wiederum hatte den Vorwurf der Vorsätzlichkeit abgestritten. Die drei Schüsse hätten sich bei einem Handgemenge gelöst.

Er habe nicht töten wollen, sagte der 46-Jährige, den die Tessiner Medien «Killer von Losone» tauften. Sein Verteidiger forderte maximal fünf Jahre Gefängnis. Das Gericht ging jedoch nicht auf dieses Ansinnen ein, zumal der Kalabrese in Italien bereits wegen eines bewaffneten Raubüberfalls verurteilt worden ist.

Richterin Agnese Balestra Bianchi stützte weitgehend die These von Capella, der den Angeklagten als «extrem gewalttätig» und als «unverbesserlichen Lügner» bezeichnet hatte. Sie schloss allerdings nicht aus, dass die Schüsse tatsächlich bei einem Gerangel losgingen. Schwer wiege allerdings die Tatsache, dass der Italiener dreimal abgedrückt habe.

Opfer und Täter kannten sich

Der Italiener hatte sein Opfer gekannt; er lebte mit dessen ehemaliger Freundin zusammen. Ein klares Tatmotiv wurde aber auch während des einwöchigen Prozesses nicht ersichtlich.

Der 46-Jährige hatte dem 30-jährigen Türken Kokain verkauft und ihm wenige Tage vor der Schiesserei eine Abreibung verpasst. Offenbar fürchtete er eine Racheaktion, als der Türke am 19. August 2008 um 21.30 Uhr mit seinem älteren Bruder bei ihm auftauchte.

Laut Anklage nahm der ehemalige UNO-Soldat im Libanon seine Pistole aus dem Schrank, kontrollierte, ob sie schussbereit war und versteckte sie in der Jackentasche.

Beim Eingang zum Wohnhaus holte er die Pistole hervor und schoss dem 30-Jährigen ins Herz. Anschliessend richtete er die Pistole auf dessen Bruder, den er mit zwei Schüssen ins Bein und in den Bauch schwer verletzte.

(sda)

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