Madagaskar: 130 neue Froscharten entdeckt
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Madagaskar130 neue Froscharten entdeckt

In Madagaskar leben mindestens 130 Froscharten mehr als bislang gedacht. Laut den Forschern könnte es sich gar um 200 bislang unbekannte Arten handeln.

Die Biologen um Miguel Vences von der Universität Braunschweig stiessen auf die unerwartet grosse Artenvielfalt, als sie über 2800 erwachsene Amphibien und deren Kaulquappen an 170 Orten auf der Insel im Indischen Ozean untersuchten - eine bislang beispiellos vollständige Bestandsaufnahme.

Die Analyse berücksichtigt ausser dem Aussehen auch den Fundort, die genetische Ausstattung und die Rufe der Frösche. Bis zu der neuen Arbeit, die im Fachmagazin «PNAS» publiziert wurde, waren auf Madagaskar 244 Froscharten bekannt. Jetzt sind es mindestens 373, vielleicht 465.

Einzigartige Fauna und Flora

«Die derzeitige Zerstörung des Lebensraumes auf Madagaskar könnte viel mehr Arten bedrohen als bisher angenommen», warnen die Forscher. Madagaskar trennte sich vor rund etwa 150 Millionen Jahren vom Festland. Seither entwickelte sich auf einer Fläche rund 1,5 Mal so gross wie Deutschland eine einzigartige Flora und Fauna.

Viele Arten sind «endemisch», kommen also nur hier vor. Von den ursprünglichen tropischen Wäldern der Insel sind laut der Umweltstiftung WWF aber nur noch etwa zehn Prozent übrig - und das Abholzen schreitet voran. Etliche der neuen Arten sind nur aus sehr kleinen Waldgebieten bekannt, die bislang nicht unter Schutz stehen.

Zugleich gelten 43 Prozent der weltweit bekannten 6450 Amphibienarten gefährdet - Parasiten, Lebensraumzerstörung, Umweltgifte und der Klimawandel gehören zu den Ursachen - auch auf der Insel vor Ostafrika.

Nur auf einem Hektar

«Ein neuer Frosch aus der Gattung Platypelis lebt vermutlich nur in einem 100 mal 100 Meter grossen Waldfragment - und ist inzwischen vielleicht schon ausgestorben», sagte Vences. Das schwarz-weisse Tier ist nur etwa 2,5 Zentimeter lang.

Von der Mehrzahl der neuen Arten befinden sich nun einzelne Belegexemplare bei Frank Glaw in der Zoologischen Staatssammlung München - in Alkohol. Diese gesammelten Exemplare werden später zum sogenannten «Holotypus», wenn die Arten von den Forschern in den nächsten Monaten einen wissenschaftlichen Namen erhalten und detailliert beschrieben werden.

Vences und seine zahlreichen Mitarbeiter waren zumeist in der Regenzeit zwischen Dezember und Februar unterwegs und lauschten des Nachts auf die Rufe der paarungsbereiten Tiere. Angesichts der politisch unsicheren Lage auf der Insel können sich die Forscher nicht so sehr über die Funde freuen, wie sie es sich wünschen.

Rodung schreitet voran

«Die Fortschritte, die Madagaskar in den vergangenen Jahren beim Umweltschutz gemacht hat, beruhen zum grossen Teil auf dem Ökotourismus. Wenn die Besucher ausbleiben, wird die Bevölkerung zu ihrem alten Leben zurückkehren und die Wälder von ihren Rändern her weiter roden», sagt Vences.

Während der jüngsten Unruhen seien bewaffnete Holzräuber im Norden der Insel in die Wälder gezogen, um grosse Teakholz-Bäume zu schlagen. Auch aus Nationalparks wie dem Marojejy-Gebirge werden grossflächige und von paramilitärischen Gruppen organisierte Abholzungen gemeldet. (sda)

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