Aktualisiert 11.05.2017 07:08

Parkhaus für 45 Millionen130-Tonnen-Koloss höhlt Thuner Schlossberg aus

Unter dem Thuner Wahrzeichen wird derzeit fleissig gegraben. Für das neue Parking werden 50'000 Kubikmeter Fels aus dem Schlossberg gefräst.

von
Mira Weingartner

Impressionen aus dem Innern des Schlossbergs. (Video: 20Min / miw)

Ein vier Millionen teurer und 130 Tonnen schwerer Koloss fräst sich derzeit durch das Gestein des Thuner Schlossbergs: 15 Meter unterhalb des Wahrzeichens der Stadt ist ein Parkhaus mit 300 Plätzen am Entstehen.

Seit dem Start der Ausbrucharbeiten anfangs 2016 ist einiges passiert: Von zwei geplanten unterirdischen Hohlräumen, den sogenannten Kavernen, konnte die westliche Seite fast fertig ausgehöhlt werden. Die östliche Seite wird bis im Sommer ebenfalls vom Nagelfluh-Gestein befreit sein. Auch stehen die Arbeiten für den Fussgänger-Zugang in die Obere Hauptgasse kurz vor dem Abschluss. Im Juni soll der Durchbruch in die Thuner Altstadt erfolgen.

Bis dann werden insgesamt 51'0000 Kubikmeter Gestein aus dem Innern des Schlosshügels gefräst – täglich fahren bis zu 80 Lastwagen vor, die den Schutt abtransportieren. 8000 LKW-Fahrten werden schliesslich insgesamt nötig sein.

Schloss Thun darf nicht gefährdet werden

«Eine grosse Herausforderung bei dieser Baustelle ist nach wie vor, dass sich das Ganze inmitten der Stadt und unterhalb eines historischen Gebietes abspielt», sagt Baustellenchef Simon Bertholet von der Firma Marti Tunnelbau AG. Die Arbeiten spielen sich auf engstem Raum inmitten von Wohnhäusern, Spital, Hauptstrassen und Innenstadt ab.

Um Erschütterungen und Lärmemissionen für die Anwohner so gering wie möglich zu halten, wird im Innern des Schlossbergs weder gespitzt noch gesprengt: Das Gestein wird mit Hilfe einer Teilschnittmaschine weggefräst. Täglich dringt die riesige Maschine im unteren Kavernenbereich rund sieben Meter durch den Fels.

Ein Parkplatz kostet 150'000 Franken

Durch die ruhigen und stetigen Drehbewegungen der Maschine sollen auch weder das Schloss noch die herrschaftlichen alten Häuser auf dem Hügel beschädigt werden. An allen Hausfassaden sowie diversen weiteren Standorten sind deshalb Messgeräte installiert. «Werden unzulässige Deformationen oder Erschütterungen an der Geländeoberfläche gemessen, schlagen die Geräte sofort Alarm und wir können entsprechend reagieren», sagt Bertholet. Bis jetzt sei alles unproblematisch verlaufen – «auch stiessen wir im Innern des Hügels auf keine Überraschungen, der Fels zeigt sich als äusserst standfest.»

Bis im Juni wird Bertholet zusammen mit seinem Team aus Mineuren, Bauführern und Vermessungsspezialisten noch mit den Tunnelarbeiten beschäftigt sein. Dann übernehmen die Betonbauer und Gebäudetechniker: Sie werden sich bis zur geplanten Parkhauseröffnung im Spätherbst 2018 mit dem Innenausbau des sechsten Thuner Parkhauses beschäftigen.

Nicht nur der technische, auch der finanzielle Aufwand für das Bauprojekt ist immens: 45 Millionen Franken kostet es den Bauherrin Parkhaus Thun AG. Pro Parkplatz macht dies so eine stattliche Summe von 150'000 Franken.

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