Aktualisiert 19.08.2009 16:46

Obhutsentzug1300 Eltern überfordert

Der tragische Fall der ertrunkenen Kinder in Nidwalden deckt einen Missstand auf: überforderte Eltern. Die Behörden müssen immer öfter einschreiten.

Gemäss der Zeitung «Sonntag» wurden im vergangenen Jahr in der Schweiz in rund 1300 Fällen Eltern die Obhut entzogen – also in jedem Monat 108-mal. Die Zunahme gegenüber dem Vorjahr beträgt 19 Prozent. Das ergibt eine Hochrechnung aufgrund der Zahlen der Kantone Zürich, Aargau und Baselland, die dem «Sonntag» vorliegen:

«Die Obhutsentzüge haben in den letzten Jahren massiv zugenommen», bestätigt Diana Wider, Zentralsekretärin der Konferenz der kantonalen Vormundschaftsbehörden (VBK).

Die Gründe sind vielfältig. Die Überforderung der Eltern wächst, zugleich sind die Behörden besser sensibilisiert und haben Angst, dass etwas passiert, wenn sie nicht handeln. Das hat zur Folge, dass man heute schneller eine Massnahme anordnet.

Auch Sorgerechtsentzüge auf dem Vormarsch

«Viele Eltern sind mit der Erziehung und Betreuung der Kinder überfordert», sagt Rita Sulser, Geschäftsleiterin der Vormundschaftsbehörde in der Stadt Zürich, der grössten Schweizer Fachbehörde im Kindes- und Erwachsenenschutz. «Streitigkeiten um das Besuchsrecht bei geschiedenen oder getrennt lebenden Eltern haben zugenommen.»

Reicht der Entzug der Obhut nicht aus, greifen die Behörden zum letzten Mittel: Entzug des Sorgerechts. Auch hier steigen die Zahlen. Im vergangenen Jahr wurden in der Schweiz 137 Sorgerechts-Entzüge verfügt.

Quelle: «Sonntag»

Suche nach vermissten Kindern wird fortgeführt

Die Einsatzkräfte haben auch am Sonntag die Suche nach zwei vermissten Kindern im Kanton Nidwalden fortgesetzt. Auch mehr als eine Woche nach dem Verschwinden gab es aber keine Spur des elfjährigen Mädchens und des sechs Monate alten Babys, wie es bei der Nidwaldner Kantonspolizei auf Anfrage hiess.

Polizisten und Feuerwehrleute suchten die Wasseroberfläche und das Seeufer weiter ab. Bereits am Samstag hatte ein spezialisierter Taucher einen weiteren Tauchgang durchgeführt. Auch dieser blieb aber ohne Erfolg. Die Kinder waren am Freitagabend vor Wochenfrist vermutlich vom hochgehenden Gerlibach bei Wolfenschiessen mitgerissen worden.

Gegen die 46-jährige Mutter des elfjährigen Mädchens wird wegen fahrlässiger Tötung ermittelt. Sie hatte ihre Tochter gemeinsam mit dem Baby und dessen vierjähriger Schwester einer anderen Familie an jenem Freitagabend vom Bahnhof Luzern aus allein nach Hause geschickt. Nur die Vierjährige kam wieder zum Vorschein.

(AP)

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