Aktualisiert 05.05.2020 12:11

Ärger um Corona-Hotspot Ischgl

133 Schweizer wollen Tirol anzeigen

Über 5000 Personen wollen das Land Tirol wegen seines Managements in der Corona-Krise verzeigen. Mittlerweile liegt zu den Vorgängen in Ischgl ein polizeilicher Zwischenbericht vor.

von
Ann Guenter
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Ischgl in Tirol gilt als Hotspot, der massgeblich zur Verbreitung des Coronavirus in Teilen Europas beigetragen haben soll.

Ischgl in Tirol gilt als Hotspot, der massgeblich zur Verbreitung des Coronavirus in Teilen Europas beigetragen haben soll.

Foto: Keystone
Seit Ende März läuft bei der Staatsanwaltschaft ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der Gefährdung durch ansteckende Krankheiten. Dem Verfahren haben sich laut Staatsanwaltschaft inzwischen auch 321 Betroffene angeschlossen.

Seit Ende März läuft bei der Staatsanwaltschaft ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der Gefährdung durch ansteckende Krankheiten. Dem Verfahren haben sich laut Staatsanwaltschaft inzwischen auch 321 Betroffene angeschlossen.

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Unterdessen haben sich 5380 Menschen bei einem österreichischen Verbraucherschützer gemeldet, der das Land Tirol wegen des Managements der Corona-Krise angezeigt hatte. 133 davon sind aus der Schweiz.

Unterdessen haben sich 5380 Menschen bei einem österreichischen Verbraucherschützer gemeldet, der das Land Tirol wegen des Managements der Corona-Krise angezeigt hatte. 133 davon sind aus der Schweiz.

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Darum gehts

  • Der Wintersportort Ischgl in Tirol gilt als Hotspot, der massgeblich zur Verbreitung des Coronavirus in Teilen Europas beigetragen haben soll.
  • Im Rahmen eines Ermittlungsverfahrens gegen das Land Tirol liegt nun ein polizeilicher Zwischenbericht vor.
  • Derweil hat ein Verbraucherschützer Tirol wegen des Managements in der Corona-Krise angezeigt. Daraufhin meldeten sich über 5000 Personen mit Beschwerden, 133 davon aus der Schweiz.

Bei den Ermittlungen zu den Ereignissen in der Corona-Krise in Ischgl liegt nun ein Zwischenbericht der österreichischen Polizei vor. Der etwa 1000-seitige Bericht sei «sehr detailliert und umfangreich», sagte am Dienstag der Sprecher der Staatsanwaltschaft Innsbruck, Hansjörg Mayr. Nach Durchsicht der Akten werde entschieden, ob ein begründeter Verdacht vorliege.

Seit Ende März läuft bei der Staatsanwaltschaft ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der Gefährdung durch ansteckende Krankheiten. Dem Verfahren haben sich laut Staatsanwaltschaft inzwischen auch 321 Betroffene angeschlossen.

133 Beschwerden aus der Schweiz

Der Wintersportort Ischgl in Tirol gilt als Hotspot, der massgeblich zur Verbreitung des Coronavirus in Teilen Europas beigetragen haben soll. Eine Frage ist, ob gemäss vorliegenden Erkenntnissen rechtzeitig gehandelt wurde, ob die Behörden vom Coronavirus gewusst und es mit Blick auf die Tourismuseinnahmen heruntergespielt hatten.

Unterdessen haben sich 5380 Menschen mit Zuschriften bei einem österreichischen Verbraucherschützer gemeldet, der das Land Tirol wegen des Managements der Corona-Krise angezeigt hatte. Nach Angaben vom Dienstag sind davon 3680 aus Deutschland, 526 aus den Niederlanden, 152 aus Grossbritannien und 133 aus der Schweiz. 75 Prozent der Beschwerden betreffen den Skiort Ischgl.

«Ins offene Messer laufen lassen»

Eine deutsche Klägerin, die sich in Ischgl mit dem Coronavirus angesteckt hatte, sagt gegenüber MDR Thüringen: «Der Ort hat uns ins offene Messer laufen lassen.» Niemand habe die Gäste vor der Virusgefahr gewarnt.

Dem stimmt Verbrauchschutzanwalt Peter Kolba zu: In Innsbruck sei nach einem positiven Testergebnis einer Kellnerin gleich ein Hotel geschlossen worden, wohingegen man in den Tourismusgebieten den Ski- und Barbetrieb zunächst einfach habe weiterlaufen lassen. So sei Tirol zu einem Hotspot für die Verbreitung des Coronavirus in Europa geworden. Derzeit werden Schadenersatzansprüche geprüft.

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(SDA)

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190 Kommentare
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Alain

06.05.2020, 10:19

Ist der Tirol wirklich ein Land? Hoffe sehr dass ich falsch liege und nicht ein redakteur solche Sachen verfasst und die Leute verwirrt die doch noch ein Hirn besitzen..

Valentino aus Bahia

05.05.2020, 16:34

Da wir hier in Europa nicht in der USA sind, werden sich die Richter bei so einer Klage ins Fäustchen lachen. Werde auch das nächste mal, die Fluggesellschaft verklagen, das ich nach meiner Reise einen Schnupfen eingefangen habe. HaHa

Realität

05.05.2020, 16:29

Warum? Auslöser war angeblich eine Schweizerin .