«Fehlerhafte Gästeliste» in Berner Club: 1394 Personen müssen in Quarantäne – ein Club wird geschlossen
Publiziert

«Fehlerhafte Gästeliste» in Berner Club1394 Personen müssen in Quarantäne – ein Club wird geschlossen

Weil ein Clubbesucher positiv auf Covid-19 getestet wurde, müssen 1394 Personen in Quarantäne. Ein Clubbetreiber macht den Behörden Vorwürfe.

von
Nicolas Saameli
1 / 5
Per sofort geschlossen: die «Cuba Bar Bern».

Per sofort geschlossen: die «Cuba Bar Bern».

Leser-Reporter
Die Polizei ist vor Ort: Die Bar soll fehlerhafte Besucherlisten abgegeben haben.

Die Polizei ist vor Ort: Die Bar soll fehlerhafte Besucherlisten abgegeben haben.

Leser-Reporter
Der Verantwortliche der Bar gibt den Behörden die Schuld.

Der Verantwortliche der Bar gibt den Behörden die Schuld.

Leser-Reporter

Darum gehts

  • In Bern müssen 1394 Personen in Quarantäne, weil sie in Clubs Kontakt mit einer Person hatten, die positiv auf Covid-19 getestet wurde.
  • Eine Bar lieferte einen kaputten Datensatz ab. Deshalb müssen 1009 Personen in Quarantäne.
  • Der Barbetreiber schiebt die Schuld auf die Behörden. Diese hätten die Besucher einer ganzen Woche auf die Quarantäne-Liste gesetzt.

Aufgrund eines positiv getesteten Gasts müssen in den Berner Clubs «Taxiclub», «Cuba Bar Bern» und «Kapitel-Bollwerk» insgesamt 1394 Personen in Quarantäne. Der Kanton hat zudem die sofortige Schliessung der «Cuba Bar» angeordnet. Das schreibt er in einer Medienmitteilung.

Alle 1009 Personen, die am Wochenende des 3. und 4. Oktober 2020 in der «Cuba Bar Bern» waren, müssen aufgrund einer fehlerhaften Gästeliste in Quarantäne, schreibt der Kanton.

Weiter sollen Besucherinnen und Besucher der beiden anderen Clubs laut der Medienmitteilung in Quarantäne, wenn sie sich am Sonntagmorgen ab Mitternacht dort aufgehalten haben. Diese Angabe stimmt aber laut dem «Kapitel-Bollwerk» nicht: «Bei uns war die infizierte Person nur von 06:00 Uhr bis etwa 07:00 Uhr morgens», sagt ein Sprecher. Wer sich zuvor im Club aufgehalten habe, sei nicht betroffen.

Sind es 1009 oder 181 Fälle?

In der «Cuba Bar Bern» gibt man sich überrascht vom Schliessungsbefehl des Kantons. Man habe aus Versehen einen falschen Datensatz übermittelt und deshalb die Besucher einer ganzen Woche gemeldet, nicht bloss eines Wochenendes, sagt Samuel Güven, der Verantwortliche der Bar. Am betroffenen Wochenende seien lediglich 181 Personen im Lokal zu Besuch gewesen.

Zum Datenchaos sei es gekommen, weil jemand beim Kanton die Namen auf einer Liste nicht gefunden habe. Er habe daraufhin die Liste der Besucher der ganzen Woche eingeschickt. «Plötzlich hatte ich jemand anderes am Telefon und mir wurde mitgeteilt, dass wir geschlossen werden.»

Für diese Argumentation hat man beim Kanton überhaupt kein Verständnis. «Der Verantwortliche weiss, dass er falsche Daten abgeliefert hat. Wir haben den ganzen Tag lang versucht, mit ihm in Kontakt zu treten und erreichen ihn erst seit einer halben Stunde», sagt Gundekar Giebel, Mediensprecher der Gesundheits- und Fürsorgedirektion. Die Kommunikation mit der «Cuba Bar Bern» sei «lange und schwierig» gewesen.

Contact Tracing bereits angelaufen

Der Clubbetreiber sei verpflichtet, innert zwei Stunden erreichbar zu sein, um das Contact Tracing zu gewährleisten. Das habe bei der «Cuba Bar Bern» nicht funktioniert. «Wir mussten handeln.» Ob die neue Liste, die Güven eingereicht haben will, zuverlässige Daten enthalte, wisse er noch nicht, sagt Giebel.

Hier stellt sich die Frage, was mit den 828 Personen passieren soll, die laut den Angaben des Clubs am betroffenen Wochenende gar nicht in der «Cuba Bar Bern» waren. Im Moment ist das Berner Contact Tracing daran, sie zu kontaktieren und in Quarantäne zu stecken.

«Sollten wir zuverlässige Daten bekommen, wird die Quarantäne sofort aufgehoben », sagt Giebel. Was im Moment zur Verfügung stehe, sei aber unbrauchbar und das Contact Tracing bereits angelaufen.

Warst du in der Cuba Bar? Schreib uns per Whatsapp!
Diese Nummer sollten Sie sich gleich jetzt in Ihrer Kontaktliste speichern, denn Sie können Fotos und Videos per Whatsapp an die 20-Minuten-Redaktion schicken.

Deine Meinung