Aktualisiert 18.01.2019 18:48

Diavolezza14-Jähriger steuerte Unglücksmaschine

Beim Absturz einer Piper starben der Pilot und zwei Jugendliche. Der Abschlussbericht zeigt Fehler des Piloten und der Organisatoren des Aviatik-Lagers.

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Beim Absturz einer Piper im August 2017 starben der Pilot und zwei Jugendliche. (Video: 20 Minuten)

Am 4. August 2017 verloren in der Region Diavolezza drei Personen bei einem Absturz ihr Leben, eine 17-Jährige überlebte schwer verletzt. Sie hat den Ermittlern der Schweizerischen Sicherheitsuntersuchungsstelle Sust Angaben liefern können, die zur Rekonstruktion des Absturzes beigetragen haben.

So wurde klar, dass der Pilot der Piper das Steuer dem 14-jährigen Jugendlichen auf dem Sitz neben ihm überlassen hatte. Das war im Aviatik-Jugendlager des Aero Club der Schweiz (AeCS), offenbar so üblich, wie sich nun zeigt. Ab dem Flugplatz Samedan wurden während des Lagers über mehrere Tage «Lufttaufen» geflogen – ein kurzer Rundflug, der das erstmalige Erlebnis des Fliegens vermitteln soll. Im Einsatz standen zwei Maschinen, wobei eine von einem Fluglehrer pilotiert wurde. In der verunglückten Piper sass ein 61-jähriger Mann am Steuerknüppel, der keine Fluglehrerausbildung hatte.

Während der Kennenlernflüge im Laufe der Woche wurde den Jugendlichen angeboten, selber mal den Steuerknüppel in die Hand zu nehmen, wie dem Abschlussbericht der Sust zu entnehmen ist. Das sprach sich während des Lagers unter den 13- bis 17-jährigen Teilnehmenden herum. Am Morgen des 4. Augustes wusste das auch der 14-Jährige aus der Romandie, der neben dem Piloten vorne rechts in der Piper sass. Auf seine Frage hin durfte er das Steuer dann auch übernehmen, und das ausgerechnet «in einer anspruchsvollen Phase» des Fluges, wie es im Sust-Bericht heisst.

Überflug war nicht mehr möglich

Von Samedan gestartet flog die Piper in Richtung Berninapass. Auf Höhe der Talstation der Bernina-Diavolezza Pendelbahn leitete der Passagier auf Anweisung des Piloten eine Linkskurve ein, schreiben die Ermittler. Nach einem Dreiviertelkreis wies der Pilot den Passagier an, auf südsüdwestlichem Kurs in Richtung Diavolezza weiterzufliegen. Die Piper näherte sich im Steigflug in stark angestellter Fluglage dem Westufer des Lej da Diavolezza und passierte den Corn Diavolezza auf dessen Ostseite. Die Höhe über Grund betrug zu diesem Zeitpunkt rund 25 Meter, die angezeigte Fluggeschwindigkeit lag bei 63 Knoten. In der Absicht, die Bergstation der Bernina-Diavolezza Pendelbahn zu überfliegen, liess der Pilot den Passagier diesen Kurs beibehalten.

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Das Wrack: Die verunfallte Piper ist in die Nähe von Pontresina transportiert worden. (4. August 2017)

Das Wrack: Die verunfallte Piper ist in die Nähe von Pontresina transportiert worden. (4. August 2017)

kein Anbieter/www.newspictures.ch
Die Teile des Kleinflugzeugs werden weiter transportiert und weiter untersucht.

Die Teile des Kleinflugzeugs werden weiter transportiert und weiter untersucht.

kein Anbieter/www.newspictures.ch
Der Pilot war sehr erfahren, erklärt Christian Gartmann, Sprecher der Motorfluggruppe Engadin.

Der Pilot war sehr erfahren, erklärt Christian Gartmann, Sprecher der Motorfluggruppe Engadin.

kein Anbieter/Screenshot SRF

Ein Überflug der Diavolezza auf diesem Kurs war von dieser Ausgangshöhe aus aber nicht mehr möglich, heisst es im Sust-Bericht. Nach dem Überfliegen einer Stütze der Sesselbahn in rund 20 Metern Höhe verlor die Piper in einer Rechtskurve an Höhe und unterflog Kabel und Seile, die zur Bergstation der Bernina-Diavolezza Pendelbahn führten, danach schlug die Maschine in flachen Winkel mit dem rechten Flügel zuerst auf dem Gelände auf.

«Mangelnde Sicherheitsbewusstsein der Organisatoren»

Der 14-Jährige am Steuer, der 61-jährige Pilot und ein 14-jähriger Passagier starben beim Aufprall. Eine 17-Jährige, die hinter dem Piloten sass, überlebte das Unglück schwer verletzt.

Für die Sust ist klar, dass der Unfall, auf eine ungeeignete und risikoreiche Flugtaktik des eigentlich erfahrenen Piloten zurückzuführen ist. Der Entscheid des nicht als Fluglehrer ausgebildeten Piloten, in einer anspruchsvollen Phase die Steuerführung an eine des Fliegens unkundige Person zu übertragen, habe direkt zum Unfall beigetragen, heisst es im Bericht. Und auch das mangelnde Sicherheitsbewusstsein der Organisatoren, die zuliessen, dass nicht als Fluglehrer qualifizierte Piloten die Flugzeugführung an des Fliegens unkundige Personen überliessen, habe systemisch zum Unfall beigetragen.

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