Aktualisiert 30.06.2009 22:36

Flug IY 62614-jähriges Mädchen überlebt Airbus-Crash

Verwirrung um eine überlebende Person beim Absturz des Airbus vor den Komoren: Erst war es ein Säugling, dann ein Fünfjähriger und nun ist es ein 14-jähriges Mädchen.

Gut einen Monat nach dem Absturz von AF 447 hat sich am frühen Morgen bei den Komoren im Indischen Ozean schon wieder ein Flugzeugdrama ereignet: Ein Airbus A310 der Fluggesellschaft Yemenia ist beim Landeanflug ins Meer gestürzt. Nach Angaben der jemenitischen Flughafenbehörde in Sanaa waren 142 Passagiere und elf jemenitische Besatzungsmitglieder an Bord von Flug IY 626.

Nach Angaben des Sprechers der Fluggesellschaft, Chaled Kaei, ist das gerettete Mädchen 14 Jahre alt. Sie wurde in ein Krankenhaus gebracht. Kaei widersprach damit dem stellvertretenden Leiter der jemenitischen Flugaufsichtsbehörde, Mohammed Abdul Kader, der gesagt hat, ein fünf Jahre alter Junge sei gerettet worden. Auch fünf Leichen wurden neben Trümmern der Maschine entdeckt. Bereits gegen Mittag gab es Medienberichte über einen geretten Säugling. Ob es letztlich eine überlebende Person gab oder ob unter Umständen mehrere überlebten, blieb zunächst unklar. Noch immer gibt es widersprüchliche Informationen.

Das gerettete Mädchen wurde offenbar von einem der Boote geborgen, die vor den Komoren im Indischen Ozean nach dem Wrack suchten, wie es hiess. Fischer hätten desweiteren Wrackteile und persönliche Objekte von Passagieren wie Handtaschen oder Koffer entdeckt, berichtete der Vertreter des Roten Halbmonds. Laut dem komorischen Verkehrsministerium wurde zudem drei Leichen geborgen.

Während dem Landeanflug zerschellt

Der ursprüngliche Flug, der auf dem Flughafen Roissy Charles De Gaulle gestartet war, ist vor der Ankunft in Sanaa im Jemen in Marseille zwischengelandet. In Sanaa mussten die Passagiere vom A330 auf einen älteren A310-300 umgesteigen. Die meisten Passagiere waren komorischer Abstammung und waren aus Frankreich auf dem Weg in den Heimaturlaub. 66 von ihnen haben die französische Staatsbürgerschaft.

Nach Angaben des französischen Verkehrsstaatssekretärs Dominique Bussereau gab es Probleme bei der Landung. «Wir haben von einem Landeversuch gehört, anschliessend wurde Treibstoff abgelassen. Dann gab es einen zweiten Versuch, der scheiterte», sagte er dem Sender Europe-1.

Von den Behörden der Komoren oder des Jemens wurde dies zunächst nicht bestätigt. Der Funkkontakt mit der Maschine sei fünf Minuten vor der geplanten Landung abgebrochen, sagte der Direktor des Flughafens von Moroni, Hadji Mohamed Ali, dem Sender France Info. Airbus nannte als Unglückszeitpunkt 01.50 Uhr (Ortszeit). Beim Anflug auf die Komoren herrschte schlechtes Wetter mit starken Winden. Die Behörden lösten Grossalarm aus.

Erste Leichen geborgen

Rettungskräfte bargen inzwischen die ersten Leichen. Kurz nach dem Unglück waren wenige Kilometer vor der Inselgruppe bereits Leichen und Wrackteile gesichtet worden. Frankreich, die Komoren und Madagaskar schickten Schiffe und Flugzeuge an den Unglücksort, um nach weiteren Flugzeuginsassen zu suchen.

Ein Transportflugzeug der französischen Marine werde Ärzte und Taucher an die Absturzstelle bringen, sagte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums am Dienstag in Paris. Das Patrouillenboot «La Rieuse» sowie die Fregatte «Ventôse», die unter anderem einen Helikopter an Bord hat, sollen am Mittwoch in dem Absturzgebiet eintreffen. In Paris wurde auf dem Flughafen Charles de Gaulle ein Krisenzentrum eingerichtet.

Trauer und Wut auf den Komoren

Nach Korrespondentenberichten herrsche auf den Komoren und Mayotte grosse Trauer in der Bevölkerung. In die Trauer mische sich aber auch Wut, weil die Menschen nicht verstünden, wieso die Passagiere in Sanaa in ein älteres Flugzeug umsteigen mussten. Gemäss Aussagen von Angehörigen der Opfer in Paris, sei es bei der jemenitischen Airline üblich, die Passagiere in Sanaa aus dem modernen A330 in ein älteres Flugzeug umsteigen zu lassen für den Weiterflug. In französischen Medien meldeten sich einige Experten zu Wort, die von einem «schlechten Zustand» der Maschine sprachen. Bei einer Überprüfung der Maschine im Jahr 2007 seien laut France 24 «mehrere Probleme» festgestellt worden.

Die Maschine mit der Seriennummer 535 wurde 1990 in Dienst genommen, teilte Airbus mit. Bei 17 300 Flügen habe die Maschine 51 900 Flugstunden absolviert. Yemenia Airways habe die Maschine im Oktober 1999 übernommen, hiess es in der Airbus-Erklärung. Der A310-300 ist ein zweimotoriger Grossraumflieger, der in der Standardversion Platz für 220 Passagiere bietet. Die ersten Maschinen dieses Typs hoben im Dezember 1985 ab. Einzelheiten zur möglichen Absturzursache gab es zunächst nicht.

Die Komoren liegen rund 2900 Kilometer südlich des Jemens im Indischen Ozean zwischen der Südostküste Afrikas und Madagaskar.

(jcg/jeb/am/sda/ap/)

Flotte und Streckennetz

Yemenia ist die staatliche Fluggesellschaft von Jemen mit Sitz in Sanaa. Die Langstrecken-Flotte besteht aus 4 älteren Airbus A310-300 (Durchschnittalter 15.5 Jahre) und zwei A330-200. Um die Flottenerneuerung voranzutreiben, hat die Airline 10 A350-800 bestellt. In Europa steuert Yemenia Rom, Paris, Frankfurt, London und Marseille an.

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