Martinstags-Brauch: 144 Schläger meldeten sich zur Gansabhauet

Aktualisiert

Martinstags-Brauch144 Schläger meldeten sich zur Gansabhauet

5000 Zuschauer sind am Samstag zur traditionellen Gansabhauet in Sursee geströmt. Die beiden glücklichen Sieger dürfen die Gänse mit nach Hause nehmen.

So lief die traditionelle Gansabhauet ab (Video: sda).

Drei und neun Hieben auf den Hals haben zwei tote Gänse am Martinstag in Sursee Stand gehalten, bevor ihre Köpfe vom Rumpf getrennt waren. Die traditionelle Gansabhauet hat am Samstag bei Nieselregen rund 5000 Schaulustige vor das Surseer Rathaus gelockt.

Schlägern werden die Augen verbunden

144 Schlagwillige hatten sich bis am Freitag eingeschrieben, um am Tag des Heiligen Martin, dem 11. November, zwei am Kopf aufgehängten toten Gänsen mit einem stumpfen Dragonersäbel zu Leibe zu rücken. Unter ihnen waren 14 Frauen, wie Stadtarchivar Michael Blatter der Nachrichtenagentur SDA sagte.

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Rund 5000 Besucher sind am Samstag zur Gansabhauet in Sursee geströmt.

Rund 5000 Besucher sind am Samstag zur Gansabhauet in Sursee geströmt.

Keystone/Alexandra Wey
Beim traditionellen Brauch versuchen die Schläger, die eine goldene Sonnenmaske und einen roten Mantel tragen, mit einem Säbelhieb, den Körper einer aufgehängten toten Gans vom Kopf zu trennen. Der siegreiche Schläger darf die Gans mit nach Hause nehmen.

Beim traditionellen Brauch versuchen die Schläger, die eine goldene Sonnenmaske und einen roten Mantel tragen, mit einem Säbelhieb, den Körper einer aufgehängten toten Gans vom Kopf zu trennen. Der siegreiche Schläger darf die Gans mit nach Hause nehmen.

Keystone/Alexandra Wey
Zuvor werden den Schlägern die Augen verbunden.

Zuvor werden den Schlägern die Augen verbunden.

Keystone/Alexandra Wey

Obwohl auch zwei der angemeldeten Frauen zum Zug kamen, waren am Schluss Männer die Sieger. Die erste Gans brachte der dritte Schläger zum Absturz, nämlich Raphael Sieger aus Schenkon. Bei der zweiten Gans gings länger: Erst der neunte Schläger, Jan Erni aus Eich, konnte sie köpfen.

Das Unterfangen ist kein Leichtes, denn die Schläger sehen unter einer Zipfelmütze und einer goldenen Sonnenmaske nichts. Bevor sie ihren je einzigen Hieb ausführen, ertasten sie die Position des Federviehs, um die optimale Stelle für den Schlag ausfindig zu machen.

Viele Zuschauer dank günstigem Tag

Weil der Martinstag dieses Jahr auf einen Samstag fiel, hatten sich besonders viele Schläger angemeldet, und auch die Zuschauerzahl war höher als üblich. Die Reihenfolge der Schläger für die zwei Gänse wird durch das Los bestimmt. Die erfolgreichen Schläger – bis jetzt ist noch keiner Frau der entscheidende Schlag geglückt – dürfen die Gänse mit nach Hause nehmen.

Die Ursprünge der Gansabhauet liegen im Dunkeln. Sicher ist einzig, dass Bräuche um das wertvolle Federvieh früher in ganz Europa verbreitet waren. 1820 verschwand der Brauch aus Sursee, vier Jahrzehnte später wurde er wieder zu neuem Leben erweckt.

Das Martinifest beschränkt sich in Sursee nicht auf die Gansabhauet. In den Pausen zwischen den Schlägen können Kinder beim «Stängechlädere» Geschenke ergattern oder beim «Chäszänne» mit einer verrückten Grimasse ein Stück Käse verdienen. Auch ein «Räbeliechtli«-Umzug fehlt nicht.

(SDA)

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