Diplomatische Krise: 15'000 saudische Studenten sollen Kanada verlassen
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Diplomatische Krise15'000 saudische Studenten sollen Kanada verlassen

In der diplomatischen Krise zwischen Saudiarabien und Kanada gibt es weitere Vergeltungsaktionen. Zudem sorgt eine Fotomontage für Empörung.

von
chk
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«Wir werden klar und bestimmt Menschenrechtsthemen zu Hause und auf der Welt ansprechen, wo immer wir die Notwendigkeit sehen»: Kanadas Premierminister Justin Trudeau. (Archivbild)

«Wir werden klar und bestimmt Menschenrechtsthemen zu Hause und auf der Welt ansprechen, wo immer wir die Notwendigkeit sehen»: Kanadas Premierminister Justin Trudeau. (Archivbild)

AFP/Lars Hagberg
Sie löste mit einem Tweet die diplomatische Krise mit Saudiarabien aus: Die kanadische Aussenministerin Chrystia Freeland. (Archivbild)

Sie löste mit einem Tweet die diplomatische Krise mit Saudiarabien aus: Die kanadische Aussenministerin Chrystia Freeland. (Archivbild)

AFP/Ronaldo Schemidt
Kanada äusserte Kritik an einer neuen Festnahmewelle von Frauen- und Menschenrechtsaktivisten. Unter den Festgenommnenen sind Samar Badawi (im Bild), die Schwester des inhaftierten Bloggers Raif Badawi. Sie und die ebenfalls inhaftierte Aktvistin Nassima al-Sadah haben jahrelang für das Recht gekämpft, in dem ultrakonservativen Königreich Auto fahren zu dürfen.

Kanada äusserte Kritik an einer neuen Festnahmewelle von Frauen- und Menschenrechtsaktivisten. Unter den Festgenommnenen sind Samar Badawi (im Bild), die Schwester des inhaftierten Bloggers Raif Badawi. Sie und die ebenfalls inhaftierte Aktvistin Nassima al-Sadah haben jahrelang für das Recht gekämpft, in dem ultrakonservativen Königreich Auto fahren zu dürfen.

AFP/Alex Wong

Wegen der diplomatischen Krise zwischen Saudiarabien und Kanada will Riad Studienprogramme zwischen beiden Ländern abbrechen. Das betrifft laut «The Globe and Mail» 15'000 Studenten aus Saudiarabien. Sie und ihre Familien sollen Kanada verlassen und das Studium etwa in Grossbritannnien oder den USA fortführen.

«Wir haben schon mit der Koordination mit den dortigen Programmen angefangen», sagte ein Vertreter des Bildungsministeriums gemäss Spiegel.de. Andere Studenten könnten nach Irland, Australien, Neuseeland, Japan und Singapur versetzt werden.

«Die Studenten sind fassungslos»

Die kanadische Aussenministerin nannte die Ankündigung eine «Schande», den Studenten sollte die Chance auf ein Studium in Kanada nicht verwehrt werden. «Die Studenten sind fassungslos», sagt Karim Atassi vom Arab Student Network der McGill University der «Montreal Gazette». «Viele sind fassungslos, dass das so schnell eskalieren konnte.»

Die Bildungs- und Austauschprogramme sollten die akademische Zusammenarbeit beider Länder stärken und fördern, so Atassi – «doch jetzt befürchten viele Studierende, dass eine Versetzung in ein anderes Land sie in ihrer Ausbildung zurückwirft.»

Nach Kritik Flüge gestoppt, Botschafter ausgewiesen

Am Montagabend hatte die staatliche saudiarabische Fluglinie Saudia Airlines ankündigt, alle Flüge von und nach Toronto zu stoppen. Zuvor hatte Riad erklärt, den kanadischen Botschafter auszuweisen, seinen eigenen Botschafter aus Kanada zurückzurufen sowie die Geschäftsbeziehungen und akademischen Programme zwischen beiden Ländern einzufrieren.

Hintergrund des Streites ist Kritik aus Kanada an einer neuen Welle von Festnahmen von Frauen- und Menschenrechtsaktivisten in Saudiarabien. Riad sprach von «Einmischung in innere Angelegenheiten».

Für Empörung sorgte am Montag überdies eine Fotomontage auf einem regierungsfreundlichen saudiarabischen Twitter-Konto: Darauf war ein Flugzeug zu sehen, das auf die Skyline Torontos zusteuerte und damit offenbar an die Terroranschläge vom 11. September 2001 in den USA anspielte.

Später erfolgte eine Entschuldigung des Accounts, der Tweet wurde gelöscht. Danach wurde das Bild erneut gepostet, allerdings ohne das Flugzeug. Das saudische Medienministerium erklärte, den Vorfall untersuchen zu wollen.

«Frauenrechte sind Menschenrechte»

Kanada hatte zuvor Kritik an einer neuen Festnahmewelle in Saudiarabien geäussert. Auf Twitter forderte das kanadische Aussenministerium deren sofortige Freilassung.

Die kanadische Aussenministerin Chrystia Freeland bekräftigte am Montag an einer Veranstaltung in Vancouver: «Kanada wird immer für Menschenrechte eintreten, in Kanada und in aller Welt, und Frauenrechte sind Menschenrechte», sagte Freeland. (chk/sda)

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