Provinz Yunnan – 15 wilde Elefanten marschieren durch China und niemand weiss, warum
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Riesige Schäden angerichtet15 Elefanten marschieren durch China und niemand weiss, warum

Eine Herde flüchtiger Elefanten hält China auf Trab. Die Tiere wandern kreuz und quer durch die Provinz Yunnan. Was sie dazu bewegt, ist völlig unklar.

von
Karin Leuthold

Darum gehts

  • 15 Elefanten marschieren seit Monaten durch China.

  • Experten sind ratlos: Was könnte der Grund für die epische Reise sein?

  • Auf ihrer Tour haben die Dickhäuter Schäden in Höhe von umgerechnet etwa 960'000 Franken angerichtet.

China verfolgt gebannt den Zug einer Elefantenherde im Süden des Landes. In der Provinz Yunnan sind seit Wochen 15 Tiere unterwegs. Wohin sie gehen, weiss niemand. Zoologen können auch nicht mit Sicherheit erklären, was sie zu dieser Wanderung bewegt. Was klar ist: Die Herde hat allein in den letzten sechs Wochen Schäden in Höhe von 6.8 Millionen Yuan - umgerechnet etwa 960'000 Franken - angerichtet.

Seit wann ist die Herde unterwegs?

Die Herde lebte in einem Reservat nahe der Stadt Pu’er, rund 500 Kilometer von der Millionenstadt Kunming entfernt. Asiatische Elefanten stehen in China unter Schutz. Im letzten Jahr zogen 16 Tiere nordwärts und legten seither rund 500 Kilometer zurück.

Zwei der Dickhäuter sind inzwischen wieder umgekehrt. Auf der Reise kam ein Elefantenbaby zur Welt. Heute besteht die Herde aus drei Bullen, sechs Kühen, drei Jungtieren und drei Kälbern.

Warum ist der Elefantenmarsch ein Problem?

Die entlaufenen Elefanten haben mit der Plünderung von Feldern und Scheunen grosse Schäden angerichtet. Wie der staatliche Fernsehsender CCTV berichtete, tranken die 15 Tiere einen Wassertank leer und frassen sich an einem Maisfeld sowie in einer Scheune satt.

Wenn sie sich einer Stadt nähern, müssen Strassen gesperrt werden, damit die Herde möglichst ungestört in eine bestimmte Richtung ziehen kann. Vergangene Woche war die Gruppe sechs Stunden lang durch die Stadt Eshan marschiert. Bewohner wurden aufgerufen, in ihren Häusern zu bleiben.

Wie wird die Situation unter Kontrolle gehalten?

Chinesische Behörden versuchen, die Elefanten von bewohnten Gegenden fernzuhalten. Eine Einsatzgruppe aus 360 Menschen, 76 Fahrzeugen und neun Drohnen verfolgt die Herde. Das Staatsfernsehen ist Tag und Nacht mit dabei.

Am Mittwoch erreichten die Elefanten die Ortschaft Yuxi, etwa 20 Kilometer südlich von Kunming. Helfer errichteten Barrieren und legten an anderen Stellen Köder aus.

Haben Experten eine Erklärung für den mysteriösen Elefantenmarsch?

Der Elefantenexperte Chen Mingyong sagte zur Nachrichtenagentur Xinhua, es handle sich um den längsten Marsch einer Wildelefantenherde, der je in China registriert worden sei. Das Leittier sei möglicherweise noch sehr unerfahren und habe sich mitsamt der Herde verirrt.

Lebensraum der Elefanten ist bedroht

Die Population der wilden Elefanten in der südchinesischen Provinz Yunnan ist von 193 Exemplaren in den 80er-Jahren auf mittlerweile rund 300 Tiere gewachsen. In den vergangenen Jahren mehrten sich die Berichte über Elefanten, die in Dörfer vordringen und Ernten vernichten. Den örtlichen Behörden zufolge liegt das auch daran, dass bei der Aufforstung vermehrt Bäume gepflanzt werden, die nicht auf dem Speisezettel der Elefanten stehen.

(Mit Material von AFP und DPA)

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