Jugendgewalt in Zürich - 15-jähriger Schüler begeht aus Langeweile einen Raub
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Jugendgewalt in Zürich15-jähriger Schüler begeht aus Langeweile einen Raub

Gegen den kontinuierlichen Anstieg der Jugendgewalt will die Zürcher Oberjugendanwaltschaft konsequenter vorgehen. Der durch die Pandemie drohende Lehrstellenmangel könnte das Problem verstärken.

von
Thomas Mathis
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«Wir beobachten seit mehreren Jahren eine Zunahme der Jugendgewalt», sagt Marcel Riesen-Kupper, Leitender Oberjugendanwalt.

«Wir beobachten seit mehreren Jahren eine Zunahme der Jugendgewalt», sagt Marcel Riesen-Kupper, Leitender Oberjugendanwalt.

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Dem kontinuierlichen Anstieg der Jugendgewalt will die Oberjugendanwaltschaft nun noch konsequenter begegnen, wie Riesen-Kupper ausführt.

Dem kontinuierlichen Anstieg der Jugendgewalt will die Oberjugendanwaltschaft nun noch konsequenter begegnen, wie Riesen-Kupper ausführt.

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Darum gehts

  • Seit 2015 steigt im Kanton Zürich die Jugendgewalt an.

  • Die Oberjugendanwaltschaft will dem kontinuierlichen Anstieg nun noch konsequenter begegnen.

Insgesamt 914 Jugendliche wurden im vergangenen Jahr im Kanton Zürich verzeigt. Das entspricht einer Zunahme von knapp sieben Prozent. Einzig bei den 10- bis 12-jährigen Beschuldigten gab es eine markante Abnahme. Eine Auswertung der Oberjugendanwaltschaft zeigt nun, dass die Corona-Krise zwar mit ein Faktor für den Anstieg sein könnte, aber nicht die Hauptursache.

«Wir beobachten seit mehreren Jahren eine Zunahme der Jugendgewalt», sagt Marcel Riesen-Kupper, Leitender Oberjugendanwalt. Weder der durchschnittliche Gewaltstraftäter noch die Art der Gewaltstraftaten hätten sich 2020 markant verändert. Das spreche gegen die Hypothese, dass die Corona-Krise eine wesentliche Ursache dafür sei. Mit Sorge sieht Riesen-Kupper den Anstieg bei Gruppendelikten in der Nacht. «Schwere Delikte um Mitternacht häufen sich. Dabei spielt Alkohol in etwa der Hälfte der Fälle nachweislich eine Rolle.»

Auffällig ist laut der Leitenden Jugendanwältin der Jugendanwaltschaft Winterthur Alexandra Ott Müller, dass die Mehrheit der Beschuldigten zwar über eine Tagesstruktur verfüge, aber wenig Struktur im Freizeitverhalten habe. «Sie haben keine Hobbys, hängen herum und begehen aus Langeweile eine Straftat.» Als Beispiel erzählt sie von einem 15-jährigen Schüler, der in ein problematisches Umfeld geriet.

Bei einem Streit schlägt er einem Jugendlichen die Faust ins Gesicht. Dafür wird er mit einer persönlichen Leistung bestraft. Nur kurze Zeit später ist er an einem Raub beteiligt. «Die Gruppe hatte aus Langeweile gemeinsam beschlossen, jemanden auszunehmen», so Ott Müller. Sie raubten unter Körpergewalt zwei Jugendliche aus. Neben einer persönlichen Leistung und einem Training musste der Schüler dem Opfer auch eine Genugtuung und Schadensersatz bezahlen.

Gewaltdelikte mit erhöhter Priorität behandeln

Dem kontinuierlichen Anstieg der Jugendgewalt will die Oberjugendanwaltschaft nun noch konsequenter begegnen, wie Riesen-Kupper ausführt. «Es braucht jetzt ein erneutes gesellschaftliches Commitment gegen Jugendgewalt», fordert er. Seine Befürchtung: Der durch die Pandemie drohende Lehrstellenmangel und zunehmende Perspektivenlosigkeit könnten das Problem verstärken.

Gewaltdelikte werde man künftig mit erhöhter Priorität behandeln, sagt Riesen-Kupper. Das bedeutet, dass Jugendliche rasch und konsequent der Jugendanwaltschaft zugeführt und einvernommen werden. Zudem werden verschiedene Massnahmen wie Kontakt- und Rayonverbote oder Electronic Monitoring verstärkt geprüft. «Die Jugendlichen sollen spüren, dass wir Gewalt nicht tolerieren.»

Bist du oder ist jemand, den du kennst, von sexualisierter, häuslicher, psychischer oder anderer Gewalt betroffen?

Hier findest du Hilfe:

Polizei nach Kanton

Beratungsstellen der Opferhilfe Schweiz

Fachstelle Frauenberatung

Online- und Einzelchatberatung für Frauen, Männer, Jugendliche und Kinder

Onlineberatung für Jugendliche

Frauenhäuser in der Schweiz und Liechtenstein

Zwüschehalt, Schutzhäuser für Männer

LGBT+ Helpline, Tel. 0800 133 133

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

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