Zug: 15-jähriger Schüler hackt Software für Maturaprüfungen
Aktualisiert

Zug15-jähriger Schüler hackt Software für Maturaprüfungen

Ein 15-jähriger Kanti-Schüler hat eine Sicherheitslücke bei einer häufig genutzten Prüfungssoftware entdeckt. Sie stammt von einem Browser der ETH Zürich und gilt eigentlich als sicher. Die Schule musste aufgrund des Vorfalls die digitalen Maturaprüfungen kurzfristig anpassen.

von
Vanessa Federli
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Noch vor der ersten digitalen Maturaprüfung hat ein Schüler die Schulleitung der Kantonsschule Menzingen auf ein Sicherheitsleck aufmerksam gemacht.

Noch vor der ersten digitalen Maturaprüfung hat ein Schüler die Schulleitung der Kantonsschule Menzingen auf ein Sicherheitsleck aufmerksam gemacht.

20min/Vanessa Federli
Der vermeintlich sichere Browser stammt von der ETH Zürich, die umgehend von der Entdeckung des Schüler in Kenntnis gesetzt wurde.

Der vermeintlich sichere Browser stammt von der ETH Zürich, die umgehend von der Entdeckung des Schüler in Kenntnis gesetzt wurde.

ETH Zürich / Gian Marco Castelberg
Die Kanti Menzingen hat aufgrund des Vorfalls die digitalen Maturaprüfungen angepasst und es wurden mehr Lehrpersonen als Prüfungsaufsichten eingesetzt.

Die Kanti Menzingen hat aufgrund des Vorfalls die digitalen Maturaprüfungen angepasst und es wurden mehr Lehrpersonen als Prüfungsaufsichten eingesetzt.

Tio/20 Minuti

Darum gehts

Das digitale Zeitalter hat seine Tücken, wie sich nun an einem Fall aus einer Gemeinde in Zug zeigt. Ein Schüler der Kantonsschule in Menzingen hat vor den Maturaprüfungen herausgefunden, wie er das digitale Prüfungssystem austricksen kann. Aber von vorn: An der Kantonsschule Menzingen finden digitale Prüfungen mit der Plattform «Exam.net» statt. Die Plattform benutzt den «Safe Exam Browser» (SEB) der ETH Zürich. Dieser Browser überträgt Daten mit hoher Verschlüsselung und die Verwendung von Drittapplikationen wird eingeschränkt. So wird der Einsatz von unerlaubten Hilfsmitteln, insbesondere des Internets, und die Kommunikation mit anderen Personen verhindert.


An der Kanti wurden die Maturaaufsätze in den Fächern Deutsch, Englisch und Latein sowie die Maturaprüfung in Informatik mit «Exam.net» durchgeführt. Doch: Noch vor der ersten digitalen Maturaprüfung hat ein Schüler aus der ersten Klasse des Kurzzeitgymnasiums die Schulleitung auf eine Sicherheitslücke aufmerksam gemacht, berichtet «Zentralplus».

«Wir waren besorgt, erstaunt und erfreut zugleich», erzählt die Rektorin, Gabrijela Pejic-Glisic, gegenüber 20 Minuten. «Besorgt, weil die Nachricht des Schülers mitten in der Vorbereitung der schriftlichen Maturaprüfungen kam. Gleichzeitig waren wir auch erstaunt, dass es einem 15-jährigen Schüler gelungen sein soll, den SEB der ETH Zürich zu umgehen.»

«Wir waren besorgt, erstaunt und erfreut zugleich.»

Gabrijela Pejic-Glisic, Rektorin Kantonsschule Menzingen

Schüler sah darin ein Chance, etwas dazuzulernen

Der Schüler hörte von einem Kollegen, dass die Prüfungen neu mit dem Computer zu absolvieren sind. Dies mit einem Browser, den man «unmöglich umgehen kann». Das hat den Schüler neugierig gemacht und «sah dies als Chance, etwas dazuzulernen». Er fing an herumzutüfteln. Nach dem ersten gescheiterten Versuch war es ihm tatsächlich gelungen, «den SEB zusammen mit der Plattform «Exam.net» im High Security Mode mit einer virtuellen Maschine auf seinem eigenen Computer auszuführen und somit die entsprechenden Sicherheitsmassnahmen zu umgehen», erklärt die Schuldirektorin. Verantwortungsbewusst hat der 15-Jährige sofort die Schulleitung wie auch die ETH über seine Entdeckung informiert.

Jüngster, der jemals der ETH einen Fehler mitteilte

«Die ETH zeigte sich von den Erkenntnissen des Schülers sehr interessiert, dankbar und zollte dem Schüler Respekt für diese Leistung. Schliesslich führen genau solche Rückmeldungen zu Verbesserungen und Weiterentwicklungen der Software und damit auch zu mehr Sicherheit», so die Rektorin der Schule. Der 15-Jährige sei sogar der Jüngste, der der ETH jemals einen Fehler gemeldet hat.
Die Kanti Menzingen hat aufgrund des Vorfalls die digitalen Maturaprüfungen angepasst. So wurden die schuleigenen Geräte verwendet anstatt des SEB. Darüber hinaus wurden mehr Lehrpersonen als Prüfungsaufsichten eingesetzt. Die IT-Sicherheit bleibe weit oben auf der Agenda – gerade im Zusammenhang mit den digitalen Prüfungen. 


«Wir waren aber auch beeindruckt von der Leistung des Schülers und vor allem stolz darauf, wie verantwortungsbewusst er mit dieser Situation umging», meint Gabrijela Pejic-Glisic abschliessend.

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