Mord an Prostituierter: 15 Jahre Gefängnis für 25 Messerstiche
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Mord an Prostituierter15 Jahre Gefängnis für 25 Messerstiche

Aus nichtigem Anlass hat ein Maler seine Ex-Freundin, eine Prostituierte, mit 25 Messerstichen getötet. Nun hat das Zürcher Obergericht die Strafe gegen ihn deutlich erhöht.

von
A. Szenogrady
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In diesem Mehrfamilienhaus in Dietlikon ZH stiess die Polizei am Sonntagabend, 13. April 2014, auf eine tote Frau. Sie wies Stichverletzungen auf.

In diesem Mehrfamilienhaus in Dietlikon ZH stiess die Polizei am Sonntagabend, 13. April 2014, auf eine tote Frau. Sie wies Stichverletzungen auf.

Hannes von Wyl
Offenbar hat ein 53-jähriger Schweizer seine 40-jährige Ex-Partnerin umgebracht. Der Mann alarmierte kurz nach 23.30 Uhr die Polizei und sagte, er habe ein Delikt begangen.

Offenbar hat ein 53-jähriger Schweizer seine 40-jährige Ex-Partnerin umgebracht. Der Mann alarmierte kurz nach 23.30 Uhr die Polizei und sagte, er habe ein Delikt begangen.

Hannes von Wyl
Die beiden lebten in einer Wohnung im zweiten Obergeschoss dieses Mehrfamilienhauses.

Die beiden lebten in einer Wohnung im zweiten Obergeschoss dieses Mehrfamilienhauses.

Hannes von Wyl

«Ich bedauere es jeden Tag, dass ich es gemacht habe», erinnerte sich der heute 55-jährige Maler aus Dietlikon ZH am Montag vor dem Zürcher Obergericht an den 13. April 2014 zurück. Damals hatte der geschiedene Familienvater mit seiner philippinischen Freundin endgültig Schluss gemacht und sie aufgefordert, ihre Kleider in seiner Wohnung abzuholen.

Die Geschädigte tauchte am Abend tatsächlich auf, würdigte ihren Ex-Freund jedoch keines Blickes oder Wortes. Dieses abweisende Verhalten entpuppte sich als fatal. So begab sich der Beschuldigte in die Küche, wo er ein Fleischmesser ergriff und dieses hinter seinem Rücken in den Hosenbund steckte. Dann kehrte er zu seiner früheren Partnerin zurück und stach plötzlich auf sie ein. Wahllos, ungezielt und immer wieder. Die Frau wehrte sich vergeblich und flüchtete ins Schlafzimmer, wo der Angreifer weiter auf sie einstach. Selbst als sie bereits auf dem Boden lag.

Nach 25 Messerstichen, alleine sieben in den Oberkörper, hörte der Schweizer Täter auf, schloss die Wohnung ab und fuhr mit seinem Auto davon. Worauf das Opfer verblutete. Kurz darauf stellte sich der Täter in Dübendorf freiwillig der Polizei.

Auf- und Ab-Beziehung

Die Ermittlungen ergaben, dass der Beschuldigte und die Getötete über mehrere Jahre hinweg eine konfliktreiche Auf- und Ab-Beziehung geführt hatten. Während sie ihm wiederholt anlastete, sie nicht heiraten zu wollen, warf er ihr vor, immer wieder als Prostituierte zu arbeiten. Obwohl er sie ursprünglich als Freier kennengelernt hatte. Im Frühling 2014 machte er endgültig Schluss, da er erfuhr, dass sich die Philippinin hinter seinem Rücken einen neuen Freund angelacht hatte.

«Es war aber keine Eifersucht», verneinte der Beschuldigte vor Obergericht ein mögliches Tatmotiv. Es sei vielmehr Enttäuschung gewesen. Hinzu sei eine Depression gekommen. Er habe sie eigentlich gar nicht töten wollen. Es sei vielmehr automatisch passiert, sagte er. Nach der Bluttat habe er es nicht fertig gebracht, sich selber zu töten.

Zwölf Jahre in Bülach kassiert

Im Juli 2015 musste sich der Beschuldigte zuerst am Bezirksgericht Bülach verantworten. Er wurde wegen Mordes zu einer Freiheitsstrafe von zwölf Jahren verurteilt. Eine gutachterlich festgestellte mittlere Verminderung der Schuldfähigkeit sowie die Verneinung eines direkten Vorsatzes – so habe der Beschuldigte den Tod seiner Ex-Freundin bloss in Kauf genommen – führten zu einer deutlichen Strafsenkung. Zum Unwillen von Staatsanwältin Bettina Groth, die vergebens eine höhere Freiheitsstrafe von 16 Jahren gefordert hatte.

Obwohl der Beschuldigte das Bülacher Verdikt akzeptiert hatte, liess die Staatsanwältin nicht locker, legte Berufung ein und erneuerte ihren Strafantrag vor Obergericht. Diesmal mit Erfolg. So erhöhten die Oberrichter die Bülacher Sanktion deutlich auf neu 15 Jahre Freiheitsentzug. Der Gerichtsvorsitzende Franz Bollinger rief in Erinnerung, dass sich der Beschuldigte aus einem nichtigen Anlass heimtückisch und brutal verhalten habe. Er habe zudem das hilflose Opfer in der Wohnung eingesperrt und zurückgelassen. Zudem gingen die Oberrichter neu von einem direkten Tötungsvorsatz aus. Als der Beschuldigte zum Messer gegriffen habe, sei der Tatentschluss zur Ermordung gefallen, sagte Bolliger. Die Einsatzstrafe lag damit bei rund 20 Jahre Freiheitsentzug. Was mit den Abzügen wegen verminderter Schuldfähigkeit und Reue zu den 15 Jahren führte. Abzüglich von 722 Tagen, die der Mann bereits abgesessen hat

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