Stadtberner Abstimmung am 7. März: 15-Millionen-Beitrag an neue Festhalle spaltet linke Parteien
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Stadtberner Abstimmung am 7. März15-Millionen-Beitrag an neue Festhalle spaltet linke Parteien

Am 7. März stimmen die Stadtbernerinnen und Stadtberner darüber ab, ob 15 Millionen Franken in eine neue Festhalle am Guisanplatz investiert werden sollen. Geht es um Kulturförderung oder vor allem um Rendite? Die Meinungen gehen auseinander.

von
Lara Hofer
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Bern als Veranstaltungsort bestärken: Die Bernexpo-Tocherfirma Messepark Bern AG möchte am Guisanplatz eine neue Festhalle realisieren.

Bern als Veranstaltungsort bestärken: Die Bernexpo-Tocherfirma Messepark Bern AG möchte am Guisanplatz eine neue Festhalle realisieren.

Visualisierung Messepark Bern AG
Die Stadt soll das Projekt finanziell unterstützen  – und 15 Millionen Franken investieren. Ob die Investition tatsächlich getätigt wird, entscheidet das Stadtberner Stimmvolk am 7. März.

Die Stadt soll das Projekt finanziell unterstützen – und 15 Millionen Franken investieren. Ob die Investition tatsächlich getätigt wird, entscheidet das Stadtberner Stimmvolk am 7. März.

Visualisierung Messepark Bern AG
Die bürgerlichen Parteien sind geschlossen für die städtische Unterstützung. 

Die bürgerlichen Parteien sind geschlossen für die städtische Unterstützung.

20min/Simon Glauser

Darum gehts

  • Am Guisanplatz in Bern soll eine neue Festhalle gebaut werden. Kostenpunkt: 95 Millionen Franken.

  • Der Kanton befürwortete eine finanzielle Unterstützung von 15 Millionen Franken.

  • Am 7. März kann das Stadtberner Stimmvolk darüber abstimmen, ob die Stadt einen Betrag in gleicher Höhe investieren soll.

  • Die Befürworter sehen die Unterstützung durch die öffentliche Hand als zukunftsorientierte Notwendigkeit. Die Gegner hingegen finden, man könne das Geld sinnvoller ausgeben.

Unter normalen Umständen finden in der Stadt Bern jährlich unzählige Konzerte und Messen statt. Nun soll Bern als Veranstaltungsort weiter bestärkt werden: Die Bernexpo-Tocherfirma Messepark Bern AG möchte am Guisanplatz eine neue Festhalle realisieren. Der Neubau wird aus einer grossen Halle mit bis zu 9000 Stehplätzen und einem Saal mit rund 1000 Sitzplätzen bestehen. Die Stadt soll das Projekt finanziell unterstützen – und 15 Millionen Franken investieren. Ob die Investition tatsächlich getätigt wird oder nicht, entscheidet das Stadtberner Stimmvolk am 7. März.

Während sich die bürgerlichen Parteien geschlossen für die städtische Unterstützung einsetzen, ist die Linke gespalten. Während die SP die Ja-Parole beschloss, ist man beim Grünen Bündnis (GB) beinahe einstimmig dagegen.

«Es geht beim Neubau nicht um Kultur, sondern um Rendite»

Die grünen Parteien wollen kulturelle Vielfalt. Dennoch lehnt das GB eine Investition in die neue Festhalle ab. «Bei dem Projekt geht es nicht um Kultur, sondern um grosse, kommerzielle Veranstaltungen und Messen», sagt Co-Präsidentin Rahel Ruch. Von einer Festhalle dieser Grösse würden nur die wenigsten lokalen Künstlerinnen und Künstler profitieren. «Die 15 Millionen Franken sollten stattdessen in die direkte Förderung der Kunstschaffenden fliessen, die momentan unter der Coronakrise leiden.»

Dies sei aber nicht der einzige Grund, warum sich das GB gegen die Investition ausspreche. «Durch die öffentlichen Beiträge ist das Projekt rentabler für private Aktionärinnen und Aktionäre. Das bedeutet, dass die öffentliche Hand die Rendite von Privatpersonen mit Steuergeld finanziert», so die Stadträtin. Das komme bei vielen Leuten nicht gut an, weswegen das Abstimmungsresultat Anfangs März knapp ausfallen könnte.

«Wir müssen zukunftsorientiert denken und Arbeitsplätze sichern»

Anders sieht das Katharina Altas, SP-Fraktionspräsidentin im Berner Stadtrat. «Da sich fast alle Parteien für die neue Festhalle einsetzten, gehe ich davon aus, dass die Investition befürwortet wird», so Altas. Sie sei davon überzeugt, dass die neue Halle ein Gewinn für die ganze Region darstellt.

Doch innerhalb der Partei gibt es auch kritische Stimmen. Mit 45 zu 29 Stimmen fiel die Ja-Parole alles andere als eindeutig aus. «Wir sind uns bewusst, dass wir zurzeit in einer angespannten finanziellen Situation stecken, weswegen wir die Vorlage genau überprüfen mussten», sagt Altas. Schlussendlich habe die Zustimmung überwogen: «Die Bernexpo schafft und sichert viele wichtige Arbeitsplätze, und sie generiert eine hohe Wertschöpfung für die ganze Region Bern.»

«Die jetzige Halle ist veraltet und muss weg»

Bei der Stadtberner SVP habe man sich von Anfang an einstimmig für die Investition eingesetzt. «Wir sind der Meinung, dass die alte Anlage weg muss», sagt Thomas Fuchs, Parteipräsident der SVP Stadt Bern. Bern stehe in Konkurrenz mit anderen, bereits weitaus modernisierteren Standorten. «Unsere jetzige Halle ist veraltet und beispielsweise für rollstuhlgängige Personen eine Zumutung», so Fuchs. Eine Investition in die neue Festhalle sei deshalb sinnvoll: «Der Neubau bleibt uns Jahrzehnte lang erhalten und bereichert schlussendlich die ganze Stadt.»

Deine Meinung

26 Kommentare
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Paule 1

20.02.2021, 20:21

Die Zeit der grossen Messen ist längst vorbei, das hat einfach die BernExpo noch nicht begriffen. Ich habe teilweise als Zulieferer vieler Messen gearbeitet, die es schon nicht mehr gibt. Was soll also dieser Bau? Zudem haben die Leute gelernt durch die Momentane Situation, wie man die Menschen auch ohne diese Kostentreibenden Messen erreicht. Die Jungen und auch schon recht viele Alte gehen zuerst ins Internet bevor sie an eine Messe pilgern.

Herr Müller

19.02.2021, 08:15

Ja, damals 1980 hat man es in Zürich mit dem Opernhaus ähnlich gemacht. Hat für Glaser, Spengler, Garagisten und Abfallbehälter Hersteller für 2 Jahre einen grossen wirtschaftlichen Aufschwung bedeutet

milo1

19.02.2021, 08:08

bern ist längst überschuldet, fährt jährlich weiter fröhlich defizite ein und will jetzt das. das zeigt einmal mehr deutlich, sozialisten und grüne am werk, dann gute nacht. städte wie winterthur, zürich etc. lassen grüssen.