Gewohnheitskrimineller: 15 Monate unbedingt für Elektromonteur
Aktualisiert

Gewohnheitskrimineller15 Monate unbedingt für Elektromonteur

Ein x-fach vorbestrafter Gewohnheitsverbrecher aus Eiken AG muss für 15 Monate hinter Gitter. Der arbeitslose Seriendieb hat mit einem Personenwagen der Kantonspolizei Aargau eine wilde Verfolgungsjagd geliefert.

von
Attila Szenogrady

Es war am 21. August 2008, als die Kantonspolizei Aargau bei der Autobahnausfahrt in Eiken um die Mittagszeit eine Verkehrskontrolle durchführte. Kurz nach zwölf Uhr näherte sich ein Personenwagen der Marke «Toyota». Als einer der Verkehrsbeamten dem Lenker ein Handzeichen zum Anhalten gab, drückte dieser plötzlich auf das Gaspedal und brauste in Richtung Zürich davon.

Wilde Verfolgungsjagd

In der Folge lieferte der fehlbare Lenker der Polizei eine wilde Verfolgungsjagd. Er raste dabei mit rund 160 km/h über die Autobahn und überholte zwei Automobilisten, indem er den Pannenstreifen benutzte. Bei der Ausfahrt Frick verliess er die Autobahn und raste in Richtung Hornussen weiter. Dabei überholte er mit massiv übersetzter Geschwindigkeit zwei weitere Fahrzeuge und einen Linienbus. In Hornussen fuhr der Beschuldigte in einem Baustellenbereich beinahe zwei Fussgänger über den Haufen und streifte danach den Aussenspiegel eines entgegenkommenden Personenwagens der Marke Mercedes. Trotz eines beschädigten Vorderrades fuhr er weiter und landete zum Schluss am Dorfrand mitten in einem Maisfeld. Dann setzte er die Flucht zu Fuss fort. Allerdings vergebens.

Auch als Seriendieb aktiv

Letzte Woche sollte sich der heute 53-jährige Angeklagte aus Eiken am Zürcher Obergericht verantworten. Nicht nur für die Fahrerflucht vor drei Jahren, sondern auch für eine eindrückliche, über zwei-jährige Diebesserie mit einem Deliktsbetrag von rund 23 000 Franken. Er finanzierte damit grösstenteils seinen Heroinkonsum.

Allerdings glänzte der x-fach vorbestrafte Angeklagte durch unentschuldigte Abwesenheit. Der anwesenden Verteidiger hat den Kontakt zum arbeitslosen Aargauer schon im letzten Februar verloren. Damals wurde der Angeschuldigte vom Bezirksgericht Zürich wegen gewerbsmässigen Diebstahls, Sachbeschädigung, Hausfriedensbruchs, groben Verkehrsdelikten und diversen weiteren Straftaten antragsgemäss zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von 15 Monaten verurteilt.

Trotz Teilfreispruch keine Strafsenkung

Die Verteidigung legte Berufung ein und verlangte vor Obergericht einen Teilfreispruch in Bezug auf einen Diebstahl in einem Restaurant in Oeschgen. Der Angeklagte soll aus einer Schublade 860 Franken gestohlen haben. Was der Rechtsanwalt in Zweifel zog und eine deutliche Milderung auf eine Geldstrafe von 360 Tagessätzen zu 15 Franken verbunden mit 300 Franken Busse forderte.

Ohne Erfolg. Obwohl die Oberrichter den Diebstahl in Oeschgen als nicht erwiesen einstuften, bestätigten sie die unbedingte Freiheitsstrafe von 15 Monaten umfassend. Das Obergericht sprach von einem unbelehrbaren Straftäter, der nach altem Recht wohl schon lange verwahrt worden wäre. Eine Geldstrafe komme ohnehin nicht in Frage, befanden die Oberrichter und erklärten zum Schluss, dass sie eine höhere Strafe festgelegt hätten. Infolge einer fehlenden Berufung der Staatsanwaltschaft und dem damit verbundenen Verschlechterungsverbot waren den Oberrichtern die Hände aber gebunden.

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