150 000 Kubikmeter Fels ins Calancatal gedonnert
Aktualisiert

150 000 Kubikmeter Fels ins Calancatal gedonnert

Im südbündnerischen Calancatal ist es in der Nacht zum erwarteten Felssturz gekommen. 400 Menschen sind von der Umwelt abgeschnitten.

Die Talstrasse, die seit Pfingstmontag aus Sicherheitsgründen gesperrt ist, wurde beim Abbruch um fünf Uhr nicht getroffen, wie das Tiefbauamt Graubünden am Dienstag in Arvigo informierte. Rund 400 Personen im nördlichen Calancatal sind abgeschnitten, weil die Verbindungsstrasse vorläufig nicht geöffnet werden kann.

Bis 300 000 Kubikmeter erwartet

Zu weiteren kleineren Felsstürzen kam es am frühen Dienstagmorgen sowie um 10.15 Uhr. Die Gefahrenlage habe sich noch nicht entschärft, da mit dem Abbruch von zusätzlich 200 000 bis 300 000 Kubikmetern gerechnet werden müsse, teilte das Tiefbauamt am Dienstagnachmittag mit.

Wann diese Felsmasse mit einem Volumen von 200 bis 300 Einfamilienhäusern zu Tal donnern wird, ist ungewiss. Die Behörden beobachten die Lage rund um die Uhr. Wahrscheinlich wird nicht die ganze Gesteinsmasse auf einen Schlag abbrechen, sondern portionenweise. Eine Sprengung an der Felsflanke auf der rechten Talseite ist aus Sicherheitsgründen nicht möglich.

Messanlagen zerstört

Die Behörden erwarten seit zwei Wochen einen grösseren Gesteinsabbruch im Calancatal, nachdem die Felsbewegungen immer stärker geworden waren. Am Pfingsmontag erreichten die Verschiebungen innerhalb von 24 Stunden bis zu 36 Zentimeter. Danach wurden die Bewegungen so stark, dass Messanlagen zerstört wurden.

Das Siedlungsgebiet von Arvigo ist laut Tiefbauamt-Sprecher Peter Stirnimann «absolut nicht in Gefahr». Die Hauptmasse des Gesteins dürfte im Steinbruch sowie im Wald südlich davon zu liegen kommen. Nicht ausgeschlossen ist aber, dass die Talstrasse teilweise verschüttet werden wird.

Heliflüge für BevölkerungUrsache wird untersucht

Über die Ursache des Felssturzes herrscht noch keine Klarheit. Sie wird laut Tiefbauamt-Sprecher Stirnimann untersucht. Abgeklärt wird dabei auch, ob der Steinbruch einen Einfluss hat. Die spezielle Lagerung des Felses im Tal habe immer wieder zu Abbrüchen geführt, «seit Jahrtausenden», so Stirnimann.

Anfang Februar 2006 waren eingangs des Tales rund 10 000 Kubikmeter Fels in das Tobel Val d'Infern niedergegangen und hatten die Brücke der alten Kantonsstrasse zerstört. Auch dieser Abgang war erwartet worden. Die instabilen Felspartien wurden mit Messinstrumenten überwacht. (sda)

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