Aktualisiert 22.04.2014 13:50

Novartis-Umbau1500 Schweizer Jobs sind vom Deal betroffen

Vom Umbau des Pharmakonzerns Novartis werden in der Schweiz rund 1500 von 15'000 Beschäftigten tangiert. Ob es auch zu Entlassungen kommt, ist offen. Die Börse feiert den Deal.

von
Yves Hollenstein
Für Angaben zu möglichen Entlassungen sei es noch zu früh: Novartis-CEO Joseph Jimenez.

Für Angaben zu möglichen Entlassungen sei es noch zu früh: Novartis-CEO Joseph Jimenez.

Am Dienstagmorgen gab der Basler Pharmariese Novartis einen milliardenschweren Deal bekannt. Vom britischen Konkurrenten Glaxo Smith Kline wird der Onkologiebereich übernommen, zugleich wechseln das Impfstoffgeschäft und die Tiermedizin den Besitzer.

Am stärksten von der Transaktion betroffen ist in der Schweiz der Standort Nyon VD mit rund 900 Angestellten. Diese Produktionsstätte für rezeptfreie Medikamente geht in ein neues Gemeinschaftsunternehmen von Novartis und GlaxosSmithKline (GSK) über. Novartis wird an diesem Joint Venture einen Anteil von 36,5 Prozent halten.

Die Tiergesundheitssparte wird vollständig vom US-Konzern Eli Lilly übernommen. Betroffen sind von dieser Transaktion 90 Vollzeitstellen in St. Aubin FR und 240 in Basel. Zur Stellenzahl in der Schweiz des Impfstoffsektors waren von Novartis keine Angaben erhältlich. Dieses Geschäft wird von GSK übernommen.

Für Angaben noch zu früh

Nach Angaben von Novartis-CEO Joe Jimenez wechseln die von der Transaktion betroffenen Mitarbeitenden mit ihren Einheiten zu den neuen Besitzern. Ob auch Stellen wegfallen und ob es zu Entlassungen oder zur Verschiebung von Arbeitsplätzen ins Ausland kommt, liess Novartis am Dienstag offen.

Für Angaben dazu sei es noch zu früh, hiess es bei Novartis. Der Deal werde ja erst im ersten Halbjahr 2015 vollzogen, also erst in rund einem Jahr.

Möglicherweise gar neue Arbeitsplätze

Der Basler SP-Regierungsrat Christoph Brutschin erwartet indes keine grossen Verschiebungen von Arbeitsplätzen oder gar einen Stellenabbau. Dafür gebe es derzeit keine Anzeichen, sagte er auf Anfrage der Nachrichtenagenutr SDA. Möglicherweise entstünden durch den Umbau gar neue Arbeitsplätze in der Schweiz.

Der Vorsteher des baselstädtischen Departements für Wirtschaft, Soziales und Umwelt (WSU) verspricht sich vom Deal eine Stärkung des Konzerns. Die Fokussierung auf Pharma, Augenheilmittel und Generika steigere die Rentabilität von Novartis. Betriebswirtschaftlich seien die geplanten Transaktionen nachvollziehbar.

Börse jubelt

Der Pharma-Deal hebt die Kauflaune der Anleger. An der Schweizer Börse SIX lagen die Novartis-Papiere teilweise um über drei Prozent im Plus. Die in London gelisteten Glaxo-Titel stiegen in der Spitze um fünf Prozent. Die in Frankfurt notierten Papiere von Eli Lilly verteuerten sich um 2,1 Prozent.

Begrüsst wird das Tauschgeschäft auch von UBS-Analyst Stefan Schneider: «Novartis hat angekündigt, die Geschäftseinheiten zu analysieren und zu restrukturieren. Damit hat sie dies auch gemacht», sagte er zu 20 Minuten. Als zu hoch bewertet Schneider hingegen die 14,5 Milliarden Dollar, die Novartis an GSK für das Krebsgeschäft zahlt. Im Gegenzug bekämen die Basler aber auch einen guten Preis für das Impfgeschäft und die Tiergesundheit bezahlt (7,1 Milliarden).

Einstimmiger Novartis-VR

Novartis rechnet mit dem Abschluss der Deals in der ersten Hälfte 2015. Die GSK-Aktionäre und die Wettbewerbsbehörden müssen der Transaktion noch zustimmen. Der Novartis-Verwaltungsrat steht einstimmig dahinter.

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