17.10.2017 21:35

Lange Warteliste 1500 warten – 3 Rezepte für mehr Organspenden

Eine Volksinitiative entfacht die Diskussion um die Organspende neu. Neben der Widerspruchslösung stehen weitere Vorschläge zur Debatte.

von
daw
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Jährlich sterben laut der Stiftung Swisstransplant rund hundert Personen, bevor ein Spender gefunden werden kann.

Jährlich sterben laut der Stiftung Swisstransplant rund hundert Personen, bevor ein Spender gefunden werden kann.

Keystone/Gaetan Bally
Am Dienstag wurde die Volksinitiative «Organspende foerdern - Leben retten» lanciert. Sie will, dass man eine Organspende zu Lebzeiten explizit ablehnen muss, um nicht als potenzieller Spender infrage zu kommen.

Am Dienstag wurde die Volksinitiative «Organspende foerdern - Leben retten» lanciert. Sie will, dass man eine Organspende zu Lebzeiten explizit ablehnen muss, um nicht als potenzieller Spender infrage zu kommen.

Keystone/Peter Klaunzer
Die sogenannte Widespruchslösung soll dazu führen, dass Angehörige eine Organspende seltener ablehnen.

Die sogenannte Widespruchslösung soll dazu führen, dass Angehörige eine Organspende seltener ablehnen.

Keystone/Gaetan Bally

Rund 1500 Patienten in der Schweiz warten derzeit auf eine Organspende – Tendenz steigend. Jährlich sterben laut der Stiftung Swisstransplant rund hundert Personen, bevor ein Spender gefunden werden kann. Nun bringt eine am Dienstag lancierte Volksinitiative die umstrittene Widerspruchslösung erneut aufs Tapet. Daneben gibt es aber weitere Vorschläge, wie der Organmangel entschärft werden könnte.

1. Widerspruchsregelung

Eine Gruppe von Westschweizer Unternehmern sammelt Unterschriften für einen Systemwechsel: Künftig sollen alle Personen potenzielle Organ- und Gewebespender sein, wenn sie zu Lebzeiten nicht ihr Veto dagegen einlegen. Laut Swisstransplant-CEO Franz Immer funktioniert die Lösung in Frankreich problemlos. «Die Spenderate ist doppelt so hoch wie in der Schweiz. Und es wäre keine automatische Organspende – Angehörige könnten weiterhin eine Organentnahme ablehnen.» In Frankreich machten dies rund 30 Prozent der Angehörigen.

Dagegen kämpft Ruth Baumann-Hölzle, Leiterin des Instituts Dialog Ethik Zürich: «Es besteht die Gefahr, dass Menschen Organe entnommen werden, die es nicht gewollt haben.» Es sei ein Grundsatz in unserem Staat, dass im Zweifelsfall der Wille und die Integrität des Individuums respektiert würden. Das heutige System sei grundsätzlich gut, weil man sich mit den Konsequenzen auseinandersetze, wenn man einen Spendekarte beantrage. «Ich habe auch einen Ausweis für den Fall eines Hirntods.»

2. Club-Lösung

Wer selbst nicht zur Organspende bereit ist, soll entweder keine Organe bekommen oder auf der Warteliste nachrangig behandelt werden. So soll das Trittbrettfahren verhindert werden und ein Anreiz zur Organspende geschaffen werden. Ethikerin Ruth Baumann-Hölzle würde die Spendebereitschaft als zusätzliches Kriterium bei der Zuteilung von Organen begrüssen: «In erster Linie sollten medizinische Kriterien zählen – ein Organ muss passen und einen medizinischen Nutzen haben.» Sei aber ein Organ für zwei Patienten gleichermassen geeignet, sei es denkbar, ein Organspender einem Nichtspender vorzuziehen.

Swisstransplant-CEO Immer widerspricht: «Auf den ersten Blick mag es logisch sein, dass jenen gegeben wird, die auch selbst geben.» Es gelte aber der Grundsatz der Gleichbehandlung. «Das Club-Modell würde jene diskriminieren, die ihre Organe nicht spenden wollen.»

3. Mehr Aufklärung

Der Aktionsplan des Bundes setzen neben der Schulung des Spitalpersonals auf Informationskampagnen: So fordert die aktuelle Kampagne «Rede über Organspende» die Bevölkerung auf, eine Entscheidung zu treffen. «Es ist kein Thema, über das man beim Znachtessen plaudert», sagt Immer. Kampagnen seien wichtig, angesichts der Ablehnungsquote von 60 Prozent brauche es nun aber weitere Massnahmen.

Dagegen ist Baumann-Hölzle überzeugt, dass «vertrauensbildende Massnahmen» langfristig zum Erfolg führen: «Wenn die Bevölkerung fürchtet, dass Organe gegen den Willen entnommen werden, ist das fatal. Man darf nicht vergessen, dass es auch noch andere Interessen gibt, mehr Operationen durchzuführen.»

Mehr Informationen zur Organspende finden Sie auf der Kampagnen-Website des Bundesamts für Gesundheit und bei Swisstransplant.

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