«Sünderella» in Frauenfeld – 150’000 Franken für ein Paar Stöckelschuhe
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«Sünderella» in Frauenfeld150’000 Franken für ein Paar Stöckelschuhe

Seit gut zwei Jahren steht die Bronzeskulptur «Sünderella», bestehend aus zwei Stöckelschuhen in Frauenfeld. Wenn 150’000 Franken zusammenkommen, soll das so bleiben.

von
Marion Alder
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Die in Bronze gegossenen Stöckelschuhe vor dem Regierungsgebäude in Frauenfeld. 

Die in Bronze gegossenen Stöckelschuhe vor dem Regierungsgebäude in Frauenfeld.

20min/ma
Das Werk «Sünderella» wurde der Stadt Frauenfeld als Leihgabe zur Verfügung gestellt. Die High Heels sollen nun gekauft und so fester Bestandteil von Frauenfeld werden.

Das Werk «Sünderella» wurde der Stadt Frauenfeld als Leihgabe zur Verfügung gestellt. Die High Heels sollen nun gekauft und so fester Bestandteil von Frauenfeld werden.

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150’000 Franken sollen von verschiedenen Seiten zusammenkommen, unter anderem durch Fundraising. 

150’000 Franken sollen von verschiedenen Seiten zusammenkommen, unter anderem durch Fundraising.

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Darum gehts

  • Die Thurgauer Künstlerinnen Susan Kopp und Brigitte Schneider haben ihr Kunstwerk «Sünderella» zuerst an der Skulpturenausstellung «Bad Ragartz» ausgestellt.

  • Danach wurde das Werk der Stadt Frauenfeld als Leihgabe zur Verfügung gestellt.

  • Die High Heels sollen nun verkauft und somit fester Bestandteil von Frauenfeld werden.

  • Von verschiedenen Seiten sollen die 150’000 Franken für den Kaufpreis zusammenkommen.

Im Oktober 2019 wurde in Frauenfeld das Kunstwerk der Thurgauer Künstlerinnen Susan Kopp und Brigitte Schneider enthüllt. Die Bronzeskulptur zeigt zwei Stöckelschuhe, der eine liegend, der andere stehend – knapp drei Meter hoch. Ursprünglich wurde es für die Skulpturenausstellung «Bad Ragartz» erschaffen. Als Leihgabe stehen die rund zwei Tonnen schweren Schuhe nun in Frauenfeld vor dem Regierungsgebäude. In Frauenfeld sollen sie auch bleiben, wenn es nach einem Patronatskomitee geht.

Doch dafür braucht es einen schönen Batzen Geld, denn eine Schenkung können sich die Thurgauer Künstlerinnen nicht leisten. 150’000 Franken sollen von verschiedener Seite zusammenkommen, damit aus der Leihgabe ein fester Bestandteil von Frauenfeld wird. Von mehreren Stiftungen sind bereits 20’000 Franken zusammen gekommen. Die Künstlerinnen selbst steuern 25’000 Franken bei, indem sie auf Lohn in diesem Umfang verzichten. Weitere 55’000 Franken erhoffen sich die Künstlerinnen aus einem Fundraising, das in diesen Tagen startet. Es werden Firmen und Privatpersonen dafür angefragt. Dann fehlen noch 50’000 Franken. Diese soll die öffentliche Hand, sprich Stadt, Kanton und Bund übernehmen.

«Mit dem Geld könnte man anderes finanzieren»

Die Meinungen zur Übernahme der 50’000 Franken von Passanten und Passantinnen in Frauenfeld sind geteilt. Hansruedi Buri, 64, Unterhalt Verkehrswege, meint: «Mir persönlich gefällt das Werk nicht speziell. Mit dem Geld könnte man anderes finanzieren, beispielsweise könnte man kleinere Vereine unterstützen.»

Elisabeth Thürer (68) ist anderer Meinung: «Mir gefällt das Kunstwerk sehr. Ich finde jedoch, dass es privat finanziert werden sollte und nicht durch die Stadt. Es gäbe so viele verschiedene Möglichkeiten. Jedem, der etwas spendet, könnte ein Zentimeter der Schuhe gehören.»

Beliebt als Rutschbahn

Eine weitere Passantin sagt: «Ich interessiere mich nicht wirklich für Kunst. Die Schuhe gefallen mir auch nicht speziell, aber die Kinder nutzen sie oft als Rutschbahn.» Ebenfalls eher gleichgültig sieht es Ramon Heeb, 20, Informatikstudent: «Ich bin nicht wirklich kunstinteressiert. Mir spielt es also nicht wirklich eine Rolle, ob sie hier stehen bleiben oder nicht.»

«Ich habe das Kunstwerk schon an der Ausstellung Bad Ragartz gesehen und es hat mich dort schon angesprochen», sagt eine andere Passantin. Mariska Schot, 47, Hausfrau, meint: «Ich bin modeinteressiert und mir gefallen die High Heels sehr. Mich würde es sehr freuen, wenn sie hier stehen bleiben können.» Auch Wali Hamid, 17, Schüler, gefällt das Werk: «Ich laufe täglich daran vorbei und würde mich freuen, wenn es hier stehen bleibt.» Eine weitere Passantin sagt: «Ich finde, man sollte Künstlerinnen und Künstler wenn möglich immer unterstützen.»

Hohe Guss- und Materialkosten

Doch 150’000 Franken für ein Paar Schuhe aus Bronze? Laut den Künstlerinnen seien in diesem Preis die Guss- sowie Materialkosten enthalten. Um das Werk überhaupt zu erstellen, wurden Kosten von einer Stiftung vorfinanziert. Zudem hätten die beiden Thurgauerinnen ein Dreivierteljahr an der Erstellung von «Sünderella» gearbeitet. Die 150’000 Franken basieren laut Mitteilung zum Fundraisingstart auf einer Expertenschätzung, welche Idee, Arbeit, Material und Guss berücksichtigt.

«Sünderella» steht für Gleichwertigkeit

Der Name «Sünderella» ist ein Wortspiel von Cinderella und Sünde. «Klar dürfen Frauen High Heels tragen. Sie dürfen überhaupt anziehen, was sie wollen. Das ist Ausdruck der Selbstbestimmung. Sie gehört zur Gleichwertigkeit von Frau und Mann. Dafür steht die Bronzeskulptur», schreibt Alex Bänninger, Kulturpublizist, in der Mitteilung des Fundraising-Starts.

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