Swissmedic berichtet - 1537 Personen erlitten nach Covid-Impfung schwere Nebenwirkungen
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Swissmedic berichtet1537 Personen erlitten nach Covid-Impfung schwere Nebenwirkungen

Die Corona-Impfung hatte in unter 0,04 Prozent der Fälle schwere Folgen: Vier Betroffene berichten von ihren teils lebensbedrohenden Erfahrungen.

von
Daniel Krähenbühl
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Nach der Covid-19-Impfung können verschiedene Impfreaktionen und -nebenwirkungen auftreten. 

Nach der Covid-19-Impfung können verschiedene Impfreaktionen und -nebenwirkungen auftreten.

Tamedia AG
Bei bisher 1537 Personen führte die Corona-Impfung zu einer lebensbedrohenden Situation, machte eine Hospitalisation oder eine medizinische Intervention nötig oder verursachte schwere oder bleibende Schäden.

Bei bisher 1537 Personen führte die Corona-Impfung zu einer lebensbedrohenden Situation, machte eine Hospitalisation oder eine medizinische Intervention nötig oder verursachte schwere oder bleibende Schäden.

20min/Simon Glauser
Beim Impfstoff von Pfizer/Biontech kam es bisher zu 704 schwerwiegenden Verdachtsmeldungen (45,8%), bei jenem von Moderna zu 788 (51,2%).

Beim Impfstoff von Pfizer/Biontech kam es bisher zu 704 schwerwiegenden Verdachtsmeldungen (45,8%), bei jenem von Moderna zu 788 (51,2%).

20min/Simon Glauser

Darum gehts

  • Bei Swissmedic gingen bis zum 23. Juli insgesamt 4319 Meldungen zu unerwünschten Wirkungen der Covid-19 Impfungen ein. In 1537 Fällen wurden die Wirkungen als schwerwiegend eingestuft

  • 45,8 Prozent der Fälle betrafen den Impfstoff von Pfizer/Biontech, 51,2 Prozent jenen von Moderna.

  • Betroffene erzählen von ihren Komplikationen.

  • «Schwere, zu Hospitalisationen führende Nebenwirkungen sind selten», sagt Manuel Battegay, Chefarzt für Infektiologie am Universitätsspital Basel.

Ohnmachtsanfälle, Gesichtslähmungen oder allergische Reaktionen, die tödlich enden können: Laut den Herstellern Moderna und Pfizer sind nach den Covid-Impfungen in sehr seltenen Fällen verschiedene schwere Impfnebenwirkungen aufgetreten. Auch in der Schweiz wertete die Kontroll- und Zulassungsbehörde für Arzneimittel, Swissmedic, bisher 4319 Meldungen über vermutete unerwünschte Arzneimittelwirkungen aus. In 1537 Fällen, was wurden die Meldungen als schwerwiegend eingestuft (siehe Box). Der grössere Teil aller Meldungen bezog sich auf Frauen, im Durchschnitt waren betroffene Personen 63 Jahre alt.

Unerwünschte Nebenwirkungen

Laut Swissmedic sind schwerwiegende unerwünschte Wirkungen solche, die

  • tödlich verlaufen

  • lebensbedrohend sind

  • zu einer Hospitalisation oder deren Verlängerung führen

  • schwere oder bleibende Schäden verursachen

  • sonst als medizinisch wichtig zu beurteilen sind (z.B. wenn durch eine rechtzeitige medizinische Intervention eine der oben erwähnten Situationen vermieden werden konnte)

Beim Impfstoff von Pfizer/Biontech kam es bisher zu 704 schwerwiegenden Verdachtsmeldungen (45,8%), bei jenem von Moderna zu 788 (51,2%). Anders gesagt: Bei über 1,5 Millionen verabreichten Impfdosen von Pfizer/Biontech kam es in 0,04 Prozent der Fälle zu schwerwiegenden Nebenwirkungen. Bei Moderna kam es bei über 3 Millionen verabreichten Dosen in 0,025 Prozent der Fälle zu schweren Nebenwirkungen. Bei der grossen Mehrheit der geimpften Personen wurden also keine Fälle unerwünschter Wirkungen gemeldet.

In 128 der schwerwiegenden Fälle sind laut Swissmedic Personen in unterschiedlichem zeitlichen Abstand zur Impfung gestorben. Das mittlere Alter der verstorbenen Personen lag bei 80,5 Jahren. «Trotz einer zeitlichen Assoziation gibt es in keinem Fall konkrete Hinweise, dass die Impfung die Ursache für den Todesfall war», heisst es auf der Swissmedic-Website.

Bei bisher 1537 Personen führte die Corona-Impfung zu einer lebensbedrohenden Situation, machte eine Hospitalisation oder eine medizinische Intervention nötig oder verursachte schwere oder bleibende Schäden. Auch einige unser Leserinnen und Leser berichteten von Komplikationen:

F.S.* (30, w): Moderna

«Ich bin grundsätzlich kein Impfgegner und arbeite selbst in der Apotheke, aber diese Impfung würde ich nicht noch einmal machen. Nach der ersten Impfung litt ich zehn Tage unter starken Schlafstörungen, mein Puls lag immer bei 120. Zudem geriet mein Zyklus völlig durcheinander. Nach der zweiten Impfung hatte ich zunächst die «normalen Nebenwirkungen», also Schüttelfrost, Fieber, Hals- und Gliederschmerzen. Zwei Tage später entzündeten sich meine Mandeln, ich konnte weder essen oder trinken. Da ich trotz verschiedenen Medikamenten nicht mal mehr meinen eigenen Speichel schlucken konnte, fuhr mich mein Mann in die Notaufnahme. Ich war total dehydriert und hatte massive Schmerzen. Diagnose im Spital: Mononukleose, also Pfeiffersches Drüsenfieber.

Wie der Oberarzt in der Notaufnahme mir sagte, habe er nach der Corona-Impfung bereits mehrere Fälle von Herpesreaktivierungen gesehen. Mittlerweile geht es mir aber wieder besser.»

N.N.* (42, w): Moderna

«Zum Zeitpunkt der Impfung an einem Vormittag im Juni fühlte ich mich voll gesund. Einige Stunden später schmerzte der Arm, gegen Abend litt ich dann unter extrem starker Atemnot und wurde zwei Mal bewusstlos. Daraufhin wurde ich in die Notaufnahme des Zürcher Triemlispitals eingeliefert, wo ich mich nach einigen Stunden wieder erholte. Fünf Tage nach der Impfung litt ich jedoch noch an Schwindel, Hals- und Schluckschmerzen, Brustschmerzen und einer Ohrenentzündung. Zudem litt ich danach für fast einen Monat an Panikattacken. Bis jetzt hatte ich noch nie eine Reaktion auf eine Impfung oder Medikament.»

J.S.* (30, w): Moderna

«Am Morgen nach der zweiten Impfung wachte ich mit starken Gliederschmerzen auf. Jede Bewegung tat richtig schlimm weh, das Anziehen war für mich fast eine olympische Disziplin. Später – bei der Arbeit – bekam ich Atemnot und mein ganzer Körper kribbelte. Ich konnte nicht mehr gut hören, nicht mehr gut sehen und auch meine Motorik war eingeschränkt. Als es mir etwas besser ging, wurde ich zum Bahnhof begleitet. Im Zug selbst wurde mir kalt und ich habe gezittert.

Ich habe meinen Eltern und meinem Mann auch meinen Live-Standort geschickt, falls ich ohnmächtig werde. Mein ganzer Körper hat gekribbelt und hat sich zusammengezogen, es fühlte sich an, als ob ich zerquetscht werde. Mein Gesicht fühlte sich an wie gelähmt und ich konnte nicht mehr richtig sprechen. Ein Mann im Zug rief daraufhin den Notarzt an, der zunächst davon ausging, dass ich hyperventiliere. Erst die Oberärztin im Spital sagte mir, dass ich tatsächlich unter schweren Nebenwirkungen litt und dass ich wohl aufgrund dieser Nebenwirkungen hyperventiliert habe.

Nach etwa zwei Stunden im Notfall durfte ich wieder abgeholt werden. Ich hatte noch über einen Tag Fieber, schlimme Gliederschmerzen und Kopfschmerzen. Die Tage darauf war ich noch extrem müde und jeder Schritt auf den Beinen war eine grosse Anstrengung für mich. Ich bin den ganzen Tag nur gelegen. Selbst im Sitzen im Bett wurde mir schnell schwindelig. Erst nach fünf Tagen konnte ich wieder arbeiten.»

C.S.* (29, m): Pfizer/Biontech

«Am Tag der zweiten Impfung mit Biontech – das war vor zwei Wochen – ging es meiner Frau den Umständen entsprechend gut. Abends ging es jedoch rapide bergab. Am nächsten Morgen konnte sie nicht einmal mehr aufstehen, so schwindelig und schlecht war ihr. Am Donnerstag ging ich schliesslich mit ihr zum Arzt, der sie aufgrund der schlechten Blutwerte mit Verdacht auf Lungenembolie ins Spital bringen hat lassen. Da man dort jedoch keine Diagnose stellen konnte, hat man sie trotzdem wieder nach Hause geschickt. Bis heute hat sie sich nicht erholt, sie liegt weiterhin viel im Bett und muss sich ausruhen. Unsere zwei Kinder verstehen die Situation leider noch nicht, für sie ist es umso schwerer, damit klar zu kommen. Für uns steht fest, dass wir keine Auffrischungsimpfung machen werden.»

*Name der Redaktion bekannt.

«Viele Impfreaktionen bei Covid-19-Impfung»

Die Impfreaktion, die sogenannte Reaktogenität, sei von den Impfnebenwirkungen zu unterscheiden, sagt Manuel Battegay, Chefarzt für Infektiologie am Universitätsspital Basel. «Als Reaktion auf eine Impfung bildet der Körper Antikörper, vorkommen können dabei Rötungen, Schwellungen aber auch wenige Tage dauerndes Fieber. Dieser Prozentsatz ist bei den Covid-19-Impfungen hoch.» Die genannten Beschwerden würden jedoch meist nach ein bis zwei Tagen schnell wieder abklingen.

Der Übergang zu Nebenwirkungen sei fliessend. «Schwere, zu Hospitalisationen führende Nebenwirkungen sind aber glücklicherweise selten», so Battegay. «Zum Bespiel kommt die Anaphylaxie, die schwerste, behandelbare Form der Allergie bei 1 von 100'000 Geimpften vor.» In über 90 Prozent der Fälle seien es Frauen, die betroffen sind.

Trotz allem bleibe das Nutzen-Risiko Verhältnis der eingesetzten Impfstoffe sehr positiv, sagt Battegay: «Durch eine Impfung werden schwere Covid-19-Verläufe, die etwa eine Hospitalisation erfordern oder gar zum Tod führen, um etwa das zehnfache reduziert.» In den USA sehe man eindrückliche Unterschiede von Hospitalisations- und Todesraten in US-Staaten mit hohen gegenüber tiefen Impfraten. «Grundsätzlich bietet die Impfung also einen reduzierten Schutz vor einer Infektion und einen sehr deutlichen Schutz vor einem schweren Krankheitsverlauf und damit verbundenem Tod.»

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