Wohnstudie - 16- bis 25-Jährige wohnen am liebsten bei den Eltern
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Wohnstudie16- bis 25-Jährige wohnen am liebsten bei den Eltern

Die von Krisen geprägten Jugendlichen haben es nicht eilig mit Ausziehen. Zu diesem Schluss kommt eine neue Studie der Credit Suisse. Auch der grosse Traum vom eigenen Haus mit Garten wird für die meisten ein Traum bleiben.

von
Dominic Benz
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 Die Mehrheit der Jugendlichen verlässt das elterliche Zuhause erst ab dem Alter von 25 Jahren.

Die Mehrheit der Jugendlichen verlässt das elterliche Zuhause erst ab dem Alter von 25 Jahren.

Tamedia AG
2019 wohnten 91 Prozent der 20-Jährigen noch mit den Eltern beziehungsweise einem Elternteil zusammen.

2019 wohnten 91 Prozent der 20-Jährigen noch mit den Eltern beziehungsweise einem Elternteil zusammen.

AFP
Als Grund für das spätere Flüggewerden nennen die Autorinnen und Autoren die längeren Ausbildungszeiten.

Als Grund für das spätere Flüggewerden nennen die Autorinnen und Autoren die längeren Ausbildungszeiten.

Tamedia AG

Darum gehts

  • Jugendliche bleiben länger bei den Eltern wohnen, wie es im Immobilienmonitor zum zweiten Quartal der Credit Suisse heisst.

  • Für die erste eigene Bleibe zieht es die 16- bis 25-Jährigen in die Stadt oder Agglomeration.

  • Beliebt ist das Zusammenziehen mit dem Partner oder der Partnerin.

  • Vom Wunsch nach einem Eigenheim müssen sich die meisten Jugendlichen verabschieden.

Jugendliche zwischen 16 und 25 Jahren wohnen heutzutage länger als früher im elterlichen Zuhause. Die Mehrheit verlässt dieses erst ab dem Alter von 25 Jahren. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Studie der Credit Suisse (CS) zum Thema «Wo wohnt die Jugend?»

2019 wohnten 91 Prozent der 20-Jährigen noch mit den Eltern beziehungsweise einem Elternteil zusammen. Erst bei den 25-Jährigen wohnt mit 47 Prozent nicht mehr die Mehrheit zuhause. Mit 30 Jahren schliesslich haben 90 Prozent der jungen Erwachsenen einen eigenen Haushalt gegründet.

Längere Ausbildungszeit

Als Grund für das spätere Flüggewerden nennen die Autorinnen und Autoren die längeren Ausbildungszeiten. Viel mehr junge Schweizerinnen und Schweizer gehen unterdessen aufs Gymnasium. Die Maturitätsquote ist entsprechend zwischen 2000 und 2018 von 26 Prozent auf 41 Prozent gestiegen.

Damit verschiebt sich auch der Einstieg in das Berufsleben oder die Gründung einer Familie weiter nach hinten. Die Phase zwischen Jugend und Erwachsensein verlängert sich so – zum Teil bis Anfang 30, wie die CS weiter schreibt.

Seit einigen Jahren steigt der Anteil der jungen Erwachsenen, die mit ihren Eltern leben. So wohnten 2011 nur rund 37 Prozent der 25-Jährigen noch im Elternhaus. 2015 waren es schon über 45 Prozent und 2019 dann über 46 Prozent.

Aufgrund der Corona-Krise dürfte sich der Trend der späteren Loslösung der Jungen vom Elternhaus weiter verstärken, heisst es vonseiten der CS: «Fernunterricht und ausgefallene Verdienstmöglichkeiten aufgrund der Pandemie haben dazu wohl am meisten beigetragen», sagen die Autorinnen und Autoren der Studie.

Stadt bevorzugt

Verlassen die Jugendlichen schliesslich das Elternhaus, dann ziehen sie bevorzugt in die Stadt oder zumindest in die Agglomeration. Am häufigsten ziehen sie mit der Partnerin oder dem Partner zusammen, rund ein
Viertel wohnt alleine und rund ein Sechstel wählt die Wohngemeinschaft. Gerade das Wohnen in einer WG wird seit 2011 immer beliebter, vor allem bei den Jungen ab 25.

Wegen eines knappen Haushaltsbudgets und den hohen Mietpreisen ist es allerdings für die Jugendlichen schwierig, eine Bleibe an den bevorzugten zentralen Wohnorten zu finden. Laut CS ist daher der Verzicht auf Wohnfläche eine Möglichkeit.

Neue Wohnformen hoch im Kurs

Gerade günstige neue Wohnformen auf kleiner Wohnfläche sind bei jungen Erwachsenen hoch im Kurs. Dazu gehören etwa Studentenwohnheime, Mikroapartments mit beweglicher Möblierung und neuerdings das sogenannte Co-Living. Dieses Konzept gleicht dem Co-Working: Kleine Wohnungen werden mit Gemeinschaftsbereichen kombiniert.

Typisch für diese Wohnformen sind das urbane Umfeld und die effiziente Nutzung des knappen Wohnraums.
Das sorgt dafür, dass die Angebote dank eines geringeren Flächenbedarfs pro Kopf letztlich für die Nutzerinnen und Nutzer bezahlbar bleiben, so die Studie.

Umgekehrt sind die Wohnformen für Investorinnen und Investoren interessant. Studierende sind eine stark wachsende Nachfragegruppe. Daher stecken die Investorinnen und Investoren vermehrt ihr Geld etwa in Studentenwohnheime.

Von Krisen geprägt

Die Jugendlichen zwischen 16 und 25 Jahren sind von Krisen geprägt. Die Finanzkrise, Schulden- und Eurokrise, Klimakrise sowie die Corona-Pandemie sorgen laut der CS für eine sinkende Lebenszuversicht der jungen Generation. «Es ist kein Wunder, dass die heutige Jugend das Elternhaus in einem höheren Alter als die Vorgängergenerationen verlässt», so die Autorinnen und Autoren der Studie.

Eigenheim bleibt ein Traum

Ein Eigenheim zu haben, ist nach wie vor ein grosser Traum der Jugendlichen. 77 Prozent der im Jahr 2020 befragten Jugendlichen zwischen 16 und 25 Jahren möchten eines Tages ein eigenes Haus oder eine eigene Wohnung besitzen, schreibt die CS in ihrer Studie. Der weitverbreitete Wunsch widerspricht letztlich aber der Tatsache, dass die Schweiz mit 36,4 Prozent eine der tiefsten Wohneigentumsquoten der Welt aufweist. Für die Ökonomen der Grossbank ist daher klar: Für die meisten wird das Eigenheim unerreichbar bleiben. «Bereits heute sorgen die strikte Regulierung und die hohen Preisanstiege für markant sinkende Wohneigentumsquoten – vor allem bei den unter 50-Jährigen. Für die Generationen Y (bis Jahrgang 2000) und Z (ab Jahrgang 2000) bedeutet dies, dass der Traum vom Eigenheim vielfach ein Wunsch bleiben wird», schreibt die CS.

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