Atomare Bedrohung: 16 Gründe, warum wir auf einen Atomschlag schlecht vorbereitet sind

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Atomare Bedrohung16 Gründe, warum wir auf einen Atomschlag schlecht vorbereitet sind

Beim Schutz der Bevölkerung vor Radioaktivität gibt es in der Schweiz grosse Mängel. 20 Minuten nennt dir die 16 Kerndefizite.  

von
Monira Djurdjevic
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Im Fall einer atomaren Verseuchung stünde die Schweiz derzeit nicht allzu gut da.

Im Fall einer atomaren Verseuchung stünde die Schweiz derzeit nicht allzu gut da.

VBS
Gefahr droht vor allem aus dem Osten – es herrscht Angst, dass es etwa im ukrainischen AKW Saporischschja zu einem Notfall kommen könnte.

Gefahr droht vor allem aus dem Osten – es herrscht Angst, dass es etwa im ukrainischen AKW Saporischschja zu einem Notfall kommen könnte.

IMAGO/NurPhoto
Die Schutzräume in der Schweiz sind in teils schlechtem Zustand. Künftig soll mehr kontrolliert werden.

Die Schutzräume in der Schweiz sind in teils schlechtem Zustand. Künftig soll mehr kontrolliert werden.

IMAGO/Björn Trotzki

Darum gehts

Wenn es zu einem nuklearen Notfall käme, wäre die Schweiz schlecht vorbereitet. Das berichtet die «NZZ am Sonntag» und bezieht sich auf die Auslegeordnung des ABC-Schutzberichts. 20 Minuten nennt dir die 16 Kerndefizite beim Schutz von atomaren, biologischen und chemischen Kampfmitteln (ABC-Schutz). 

Fehlende Schutz-Konzepte in den Kantonen

Das Leistungsprofil des Zivilschutzes im ABC-Schutz ist kantonal unterschiedlich. In einigen Kantonen gibt es kein ABC-Schutz-Konzept. Somit ist auch die Rolle der ABC-Zivilschutz-Formationen nicht ausreichend klar. Die kantonalen Unterschiede erschweren Ausbildung und Materialbeschaffung im ABC-Schutz. 

Aufgabenteilung ist nicht richtig geregelt

Die Aufgaben der verschiedenen Institutionen auf Bundesebene sind nicht definiert und kommuniziert. Es fehlt ein konkreter Leistungskatalog, an dem sich die Kantone sowie andere Partner orientieren können.

Konzepte unklar oder veraltet

Unklare und veraltete Konzepte führen zu Unklarheiten bei Prozessen und Zuständigkeiten. Nicht einsatztaugliche Konzepte führen zu Problemen in der Umsetzung. Es fehlt ein Bottom-up-Ansatz in der Erarbeitung, um die erforderliche Praxistauglichkeit sicherzustellen. Viele Konzepte und ihre Inhalte sind zudem bei den relevanten Akteuren zu wenig bekannt. 

Akteure kennen ihre jeweiligen Aufgaben nicht

Die Aufgabenteilung zwischen Bund und Kantonen, aber auch innerhalb des Bundes ist zum Teil unklar. Die Beteiligung des Bundes an der Bewältigung unterscheidet sich je nach Gefährdung und Grösse des Ereignisses. Zwischen den Aufgaben der Akteure gibt es Überschneidungen, zudem sind Führungsstrukturen unklar. Die Zuständigkeiten sind in zahlreichen rechtlichen Grundlagen geregelt und diese sind nicht immer vollständig. Die mangelnde Vernetzung führt dazu, dass Akteure sich nicht austauschen und die jeweiligen Aufgaben nicht kennen. Auch die Finanzierung von Aufgaben im ABC-Schutz ist unklar.

Schlechte Zusammenarbeit bei Vorbereitung auf KKW-Unfall

Es besteht keine Übersicht, welches Spezialmaterial und welche kritischen ABC-Schutz-Leistungen in den Kantonen und Regionen vorhanden sind und wo Lücken bestehen.

Erforderliche Massnahmen werden nicht richtig umgesetzt

Im ABC-Schutz sind zahlreiche und sehr unterschiedliche Partner involviert. Es fehlt jedoch eine Lead-Organisation, die die Akteure vernetzt, Arbeiten anstösst und Wissen weitergibt. Vor allem auf Stufe Bund fehlt eine Koordinationsstelle, die auch als Ansprechstelle für weitere Partner dient. Die Verbindlichkeit der Planungen ist ungenügend, in der Folge werden erforderliche Massnahmen ungenügend umgesetzt. 

Kurse sind teuer und wurden aufgehoben

ABC-Ausbildungen finden dezentral statt. Es gibt kein Zentrum oder keine Plattform, über die sich Interessierte umfassend informieren können. Diverse Kurse wurden aufgehoben, sind teuer oder nicht bekannt. Ausbildungsbedarf und -defizite, fehlende Ausbildungen, Finanzierung und Anerkennung der Kurse sind häufig unklar.

Zusammenarbeit der Einsatzkräfte nicht ausreichend

Das Thema ABC-Anschläge wurde bisher nur punktuell angegangen. Die verschiedenen Akteure bereiten sich zu wenig gemeinsam auf mögliche Ereignisse vor und tauschen sich zu wenig aus. Dies betrifft vor allem die Spezialeinsatzkräfte des Bundes und der Kantone. Gerade bei komplexen Anschlägen im nicht-permissiven Umfeld, also bei Mehrfachanschlägen mit dem Ziel, anrückende Einsatzkräfte zu schädigen, bestehen Fähigkeitslücken.

Unklarheiten im medizinischen ABC-Schutz

Im medizinischen ABC-Schutz gibt es zahlreiche Unklarheiten. Dazu gehören generelle Fragen, wie zum Beispiel was eigentlich zum medizinischen ABC-Schutz gehört, die Aufgaben und Zusammenarbeit der Akteure, oder welchen Stellenwert der medizinische ABC-Schutz in der Medizin haben sollte. Auch das Verfolgen des wissenschaftlichen Fortschrittes scheint nicht sichergestellt zu sein. Es gibt aber auch konkrete ungeklärte Fragen wie Einsatz/Lagerung/Finanzierung von Antidota, Kapazitäten/Material/Ausbildung der Dekontaminationsspitäler oder die medizinische Versorgung kontaminierter Personen. 

Keine Fachpersonen für Grossereignisse

Die Bedeutung des ABC-Schutzes ist bei wichtigen Akteuren zu wenig bekannt. Dazu gehören Einsatzkräfte, Ärzte und anderes medizinisches Personal, aber auch kantonale Verwaltungen. Es fehlt an Grundwissen zum ABC-Schutz, um die Relevanz des Themas einordnen zu können.

Mangelndes Wissen und Fähigkeitslücken sind nicht klar definiert

Im sehr breiten Bereich der analytischen und Mess-Fragestellung sind die Bereiche A, B und C dezentral und unterschiedlich organisiert. Es gibt verschiedene Netzwerke, die unabhängig voneinander funktionieren, aber für den ABC-Schutz relevant sind. Es ist zum Teil unklar, welche Organisation welche Aufgaben übernehmen muss und ob und welche Fähigkeitslücken bestehen. Im Teilbereich der mobilen Messmittel fehlt es zum Teil an Vorgaben für deren Betrieb und Unterhalt. Dies führt dazu, dass Defizite erst bei der Ereignisbewältigung erkennbar würden. 

Kein Grundwissen zum ABC-Schutz

Vor allem für grosse, komplexe ABC-Ereignisse fehlen Fachpersonen wie zum Beispiel sogenannte Fachberaterinnen und Fachberater. Hier ist die Abhängigkeit von solchen Schlüsselpersonen besonders spürbar und die Durchhaltefähigkeit des Fachpersonals begrenzt. Frontkräfte haben zudem nicht immer das erforderliche Fachwissen und für Fachpersonen aus Verwaltung oder Privatwirtschaft ist der ABC-Schutz ein Randthema. Die Bereitschaft, sich für den ABC-Schutz zu engagieren, ist begrenzt. 

Uneinheitliches Einsatz- und Schutzmaterial

Fehlende Vorgaben zum ABC-Material führen schweizweit zu uneinheitlichem Material. Dies erschwert die Interoperabilität, also die Fähigkeit mit anderen Organisationen zusammenzuarbeiten. Es ist unklar, wer das veraltete Material ersetzt, welches Material notwendig ist, wer es finanziert und wer es periodisch überprüft. Es fehlt eine nationale Koordination in Form eines einheitlichen ABC-Materialkonzepts, das festlegt, welchen Ansprüchen Spezialmaterial im ABC-Schutz genügen muss.

Übersicht über Spezialmaterial fehlt

Die Bewältigung eines KKW-Unfalls erfordert eine alle Ebenen übergreifende Zusammenarbeit der Notfallschutzpartner. Diese Zusammenarbeit ist auch in der Vorsorge wichtig, um eine Akzeptanz der Grundlagen zu schaffen und damit die Umsetzung vorsorglicher Massnahmen zu fördern. Die vorsorglichen Massnahmen bei den Notfallschutzpartnern werden zu wenig überprüft. In Übungen identifizierte Mängel werden zu wenig konsequent behoben. Es fehlen Übungen, die auch die späteren Phasen eines KKW-Ereignisses (Bodenphase) umfassen.

Zuständigkeit bei KKW-Unfall oder A-Terror nicht richtig geregelt

Die Vereinbarungen zwischen den verschiedenen Bundesämtern, aber auch zwischen Bund und Kantonen über Leistungen der Kantone, die diese bei einem radiologischen Ereignis (KKW-Unfall oder A-Terror) zu erbringen haben, sind teilweise nicht ausreichend (gesetzlich) geregelt, nicht bekannt genug, nicht genügend finanziert oder nicht alle erforderlichen Mittel stehen zur Verfügung.

Fachwissen-Netzwerk ist mangelhaft

Der Austausch von Fachwissen zwischen Fachpersonen verschiedener Organisationen, unter anderem Forschung, Bevölkerungsschutz, Fachämter oder Armee, ist verbesserungswürdig. Das Netzwerk sowohl innerhalb der Bereiche A, B und C als auch zwischen den Bereichen weist Mängel auf. Wissen wird zu wenig abgeholt oder steht zu wenig zur Verfügung. 

Der Schutz vor atomarer Bedrohung ist mangelhaft

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