Kirchlindach BE: 16 Tieren auf Gnadenhof droht die Einschläferung
Publiziert

Kirchlindach BE16 Tieren auf Gnadenhof droht die Einschläferung

Die 13 Schweine, zwei Kühe und eine Ziege der Arche Samar wurden vor der Schlachtung gerettet. Weil dem Gnadenhof der Stall gekündigt wurde, droht ihnen nun erneut der Tod.

von
S. Ulrich

Einen Einblick in den Lebenshof Arche Samar gibt's im Video.

Ami und seine Freundin Mimi dösen zufrieden im Stroh, ein paar Meter weiter hinten im Stall guckt Emily neugierig. Die beiden Schweine und die Ziege sind Bewohner der Arche Samar, dem Gnadenhof in Kirchlindach BE. Ihr Zuhause teilen die drei mit elf weiteren Schweinen und zwei Kühen. Sie alle wurden einst vor der Schlachtbank gerettet.

Nun sind die Tiere erneut vom Tod bedroht: Die Bauernfamilie, bei denen die Tierschützer eingemietet sind, hat dem Verein auf Ende Februar gekündigt. Unter anderem deshalb, weil der Landwirt den Stall ab Frühling 2019 für den Eigenbedarf braucht. «Finden wir bis dahin kein neues Zuhause für unsere Tiere, müssen wir sie einschläfern lassen», sagt Philipp Hoppen, Vorstandsmitglied bei der Arche Samar.

Schweine zu vermitteln ist schwierig

Es wäre ein schwerer Schlag für das Arche-Team. «Die Tiere sind uns ans Herz gewachsen wie anderen Menschen ihre Haustiere. Ihre Dankbarkeit für die Zuwendung, die wir ihnen geben, ist unbezahlbar», sagt der 31-jährige Veganer. Aber auch für den Verein als solches wären die Folgen einer Einschläferung fatal: «Ohne Tiere würde die Arche ihren Zweck verlieren und wohl aufgelöst.»

1 / 5
In der Arche Samar leben derzeit 15 Tiere, davon 12 Schweine, zwei Kühe ...

In der Arche Samar leben derzeit 15 Tiere, davon 12 Schweine, zwei Kühe ...

... und Ziege Emily.

... und Ziege Emily.

SUL
Weil dem Verein der Stall gekündigt wurde, drohte den Tieren die Einschläferung.

Weil dem Verein der Stall gekündigt wurde, drohte den Tieren die Einschläferung.

SUL

Seit nunmehr zwei Monaten suchen die Tierschützer nach einer neuen Bleibe für die 16 Tiere. Trotz vieler leer stehender Ställe in der Region sind sie bislang nicht fündig geworden. Gerade die Vermittlung der Schweine sei schwierig. Hoppen: «Schweine machen viel Dreck und brauchen einen grösseren Betreuungsaufwand als etwa Kühe oder Schafe.»

Hinzu kommt, dass ein Grossteil der Schweine unter gesundheitlichen Problemen leidet. «Viele kamen aufgrund von Krankheiten im Ferkelalter in die Arche und sind mittlerweile viel älter als Schweine normalerweise werden», sagt Hoppen. Zwischen fünf und neun Jahre alt sind Ami, Mimi und Co. Zum Vergleich: In der Intensivtierhaltung beträgt die Lebenserwartung einer Sau laut der Tierschutzorganisation Vier Pfoten weniger als drei Jahre, die eines Mastschweins gar nur sechs bis sieben Monate.

Bauer muss sich nicht mit Tieren abgeben

Soll man alte und kranke Tiere um jeden Preis am Leben erhalten? Ja, findet Hoppen: «Auch Menschen haben im Alter ihre Gebrechen. Trotzdem kümmern wir uns um sie.»

Um die Chancen auf ein neues Zuhause zu erhöhen, hält der Verein die Anforderungen an den künftigen Vermieter tief. «Es reicht, wenn er die Räumlichkeiten an uns vermietet. Mit den Tieren muss er nichts zu tun haben, wenn er nicht will», sagt Hoppen. Gesucht werde ein Stall mit Auslauf, der sich in der Region befinde. Die Miete sei verhandelbar.

Während die Situation den freiwilligen Helfern Kopfzerbrechen bereitet, haben die Tiere laut Hoppen von all dem nichts mitbekommen – bis auf Schwein Ami: Der 7-jährige Eber sei hochsensibel und spüre schnell, wenn etwas nicht in Ordnung sei. Hoppen: «Etwa eine Woche nach der Nachricht über die Kündigung hat er mich beim Fressen gebissen. Das hat er vorher noch nie getan.»

Weitere Infos unter arche-samar.ch

Was ist ein Gnadenhof?

bis zum natürlichen Lebensende auf dem Hof.

keine öffentlichen Gelder, sondern finanzieren sich meistens selber, etwa über Spenden, Tier-Patenschaften und Mitgliederbeiträge.

rund 15 solcher Höfe.

Quelle: gnadenhoefe-schweiz.ch

Deine Meinung