Das Monster von Derby: 17-facher Vater verbrennt aus Geldgier 6 Kinder
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Das Monster von Derby17-facher Vater verbrennt aus Geldgier 6 Kinder

Mick Philpott zeugt 17 Kinder, um von der Sozialhilfe zu leben. Als ihn eine seiner zwei Frauen verlässt, zündet er ihr Haus an – und tötet sechs Kinder. Gestern ist er zu einer hohen Haftstrafe verurteilt worden.

von
phi

Als die Jury des Gerichtshofes von Nottingham Mick Philpott am 2. März des Totschlags an sechs Kindern schuldig spricht, starrt der 56-Jährige ins Leere. Seine Frau Mairead kämpft mit den Tränen, als sie dasselbe Schicksal ereilt. Fünf der sechs Opfer, die bei einem Hausbrand umkamen, waren Mick Philpotts eigene Kinder. Doch das ist bei diesem Verbrechen quasi nur die Spitze des Eisbergs.

Mick Philpott ist ein Mann, der offenbar keine Zurückweisungen ertragen kann. Im Jahr 1978 ist er 21 Jahre alt und hat eine Freundin namens Kim Hill. Als die 17-Jährige ihm in einem Brief eröffnet, dass sie ihn verlässt, dreht Philpott durch. Er dringt in Kims Haus ein, findet seine Ex im Bett und sticht mit einem Messer 27-mal auf sie ein, bevor er ihre Mutter, eine Krankenschwester, angreift. Im Dezember wird er deswegen zu sieben Jahren Haft verurteilt: Der Richter bezeichnet ihn als einen gefährlichen Mann.

86'000 Franken pro Jahr für 17 Kinder

Nach seiner Entlassung ist der Brite recht umtriebig. Er zeugt 17 Kinder, um Sozialleistungen zu kassieren: Laut «Daily Mail» sicherte ihm sein Nachwuchs ein Jahreseinkommen von 86'000 Franken. 2006 lernt ihn ganz Grossbritannien kennen, als er polternd eine grössere Sozialwohnung fordert, die er mit seiner Frau und seiner Geliebten beziehen will. Seine Gattin Mairead ist damals 25 Jahre alt, Mätresse Lisa Willis 22. Mit Ersterer hat er vier Kinder, mit Letzterer drei.

Mick Philpoot 2006 in der «Jeremy Kyle»-Talkshow .Quelle: YouTube/christianbeccy

Im Februar 2012 ist es jedoch vorbei mit der Ménage-à-trois. Lisa Willis fühlt sich wie eine virtuelle Gefangene des dominanten Briten und schafft es schliesslich, ihm den Laufpass zu geben. Sie nimmt sechs Kinder mit, von denen eins aus einer früheren Beziehung stammt. Für Mick Philpott bedeutet das einen Einkommensverlust: Mit dem Willis-Nachwuchs gehen monatlich rund 1400 Franken flöten. Die Einbusse ist der «Katalysator für alles, was danach kam», glaubt die Polizei.

Mick fasst einen teuflischen Plan. Vor einer im Mai 2012 geplanten Sorgerechtsverhandlung will er seiner Ex eins auswischen. Die Idee: Ein Feuer soll in ihrem Haus in der Stadt Derby gelegt werden, Mick rettet heldenhaft die Kinder und darf sie danach behalten. Zusammen mit seiner Frau Mairead wirbt er einen Komplizen an: Am 11. Mai trifft sich das Duo mit Paul Mosley. Mick befiehlt seiner Frau, mit dem Mittäter auf dem heimischen Snooker-Tisch zu schlafen, damit Mosley auf Linie bleibt.

«Ich hätte erwartet, dass er am Boden zerstört ist»

Mick streut das Gerücht, seine Ex wolle ihr Haus anzünden. Als das Trio ihr Heim ansteckt, kommt aber alles anders. Die Flammen breiten sich zu schnell aus. Nicht der Vater sondern die Flammen holen die Kinder: Jayden (5), Jesse (6), Jack (8), John (9), Jade (10) und Duwayne (13) sterben in ihren Betten. Einige Tage nach der Tat zeigt Mick erneut, was für ein Mensch in ihm steckt: Er gibt eine Pressekonferenz und breitet mit Krokodilstränen in den Augen sein «Schicksal» aus und bittet um Spenden für das Begräbnis.

Im Mai 2012 weinen die beiden Täter vor der Presse. Quelle: YouTube/itnnews

Diese Dreistigkeit wird dem Mann jedoch zum Verhängnis, denn die Polizei wird misstrauisch. «In 30 Dienstjahren habe ich nie jemanden gesehen, der auf einen derart grossen Verlust so reagiert. Ich hätte erwartet, dass er am Boden zerstört ist», zitiert der «Guardian» Ermittler Steve Cotteriol von der Derbyshire Police. Auf der Pressekonferenz habe er sich aber wie ein «aufgeregtes Kind» benommen. «Ich konnte keine grossen Emotionen oder Fassungslosigkeit ausmachen.»

Kondolenz-Teddybären versteigert

Die Bürger von Derbys Stadtteil Allenton ahnen damals noch nichts von dem abgekarteten Spiel. Sie sammeln gut 21'000 Franken für die Beisetzung der sechs Kinder und stellen Hunderte Teddys vor das abgebrannte Haus. Mick wittert schon wieder ein Geschäft: Er lässt die Kuscheltiere versteigern, um das Geld einzusacken. «Halts Maul und mach einfach», pflaumt er einen Organisator der Aktion an. Er weiss nicht, dass ihn die Polizei bereits im Visier hat.

Wenige Tage später treffen sich die drei Brandstifter in einem Hotel, um ihre Geschichten abzugleichen. Die Ermittler haben den Raum aber verwanzt: Am 30. Mai wird der Haftbefehl ausgestellt und Mosley und die Eheleute von der Polizei verhaftet, die fassungslos ist. «Das war eine böse, dumme, schändliche Tat. Ich war selbst sehr erschüttert», erklärt Ermittler Steve Cotteriol. «Sechs Kinder hatten keine Chance, gross zu werden. Fünf freie Stühle am Montagmorgen in der Grundschule müssen nicht nur für die Lehrer, sondern auch für die kleinen Schüler entsetzlich gewesen sein.»

Auch seine Familie verurteilt den Täter

Wie grausam die Tat ist, zeigt sich auch in den Aussagen der Verwandten der Täter. Micks Schwester Dawn Bestwick war bei jeder Verhandlung im Gerichtssaal. «Nach dem heutigen Schuldspruch glauben wir, die Familie von Mick Philpott, dass der Gerechtigkeit Genüge getan ist.» Ähnlich tönt es bei Maireads Familie. «Die Kinder wurden auf grausamste Art von jenen dem Leben entrissen, die sie lieben und beschützen sollten. Wir sind froh über das Urteil», erklären die Duffys.

Am heutigen 3. März werden die Richter in Nottingham die Philpotts und ihren Komplizen Mosley für Jahre einsperren, doch das Drama ist damit noch nicht zu Ende. Die Behörden müssen noch klären, warum seit dem Jahr 2000 keine Sozialarbeiter die Familie überprüft haben, obwohl Mick und Mairead Geld vom Staat bekamen. Die «Daily Mail» brandmarkt den Fall denn auch als «abscheuliches Produkt der britischen Wohlfahrt». Ob das stimmt oder nicht – Lisa Willis, die in den Flammen ihre sechs Kinder verlor, wird es nicht helfen.

Eine BBC-Zusammenfassung des Falls vom Februar 2013. Quelle. YouTube/sanaent72

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