02.06.2020 19:08

«Das erste Mal, dass ich jemanden sterben sah»

17-Jährige filmte George Floyds Tod und wird nun angefeindet

Darnella Frazier stellte die Aufnahmen auf Facebook, die George Floyds Tod zeigen. In den sozialen Medien wird die 17-Jährige nun angefeindet.

Darum gehts

  • Das Video, das den gewaltsamen Tod eines Afroamerikaners zeigt, sorgt weltweite für Empörung und Proteste.
  • Gefilmt hat die schreckliche Szene eine 17-Jährige.
  • In den sozialen Medien wird sie aber nicht nur als Heldin gefeiert, sondern auch angefeindet.

Nach dem gewaltsamen Tod eines Afroamerikaners kommt es seit Tagen in zahlreichen US-Staaten zu heftigen Protesten. Der unbewaffnete George Floyd wurde am Montag vergangener Woche in Minneapolis von einem weissen Polizisten minutenlang mit dem Knie auf dem Hals zu Boden gedrückt worden und starb kurz darauf. Ein Video zeigte Floyd, wie er wiederholt flehte, dass er nicht atmen könne.

Gefilmt hat die schreckliche Szene Darnella Frazier. Sie war gerade auf dem Weg zu Freunden, als sich der Vorfall vor ihrem Haus abspielte. Die Aufnahmen stellte die 17-Jährige kurz darauf auf Facebook. Dazu sagte sie: «Die Polizei hat ihn vor allen getötet. Ich hab ein zehnminütiges Video davon. Er hat geweint und geschrien, dass er nicht atmen kann.»

Weiter erzählt sie: «Der Mann am Boden war schwarz. Der Cop, der ihn umgebracht hat, war weiss. Er hat ihn so sehr runtergedrückt, dass seine Nase geblutet hat. Und der Mann am Boden hat immer wieder gesagt, er könne nicht atmen.» Sie zeigt sich schockiert: «Das ist das erste Mal, dass ich jemanden sterben gesehen habe.»

«Es ist nicht leicht, diese Geschichte zu erzählen»

Wie Fraziers Anwalt gegenüber der Online-Zeitung «TMZ» sagt, war das Erlebnis für die 17-Jährige traumatisierend. Sie habe in der Zwischenzeit einen Therapeuten aufgesucht. Zudem wohne sie vorübergehend nicht mehr in der Nähe des Tatorts. Ihr Anwalt meint dazu: «Es ist nicht leicht, diese Geschichte zu erzählen. Man kehrt an diesen Ort in seinem Kopf zurück, und das ist nicht einfach. Es war emotional für sie, ihre Geschichte zu erzählen, und für uns alle, sie zu hören.»

In den sozialen Medien wird die 17-Jährige, die als Hauptzeugin gilt und ihre Aussage beim FBI bereits abgegeben hat, nicht nur als Heldin gefeiert. Sie wird von zahlreichen Menschen auch angefeindet. Der Vorwurf: Sie habe das Video nur aufgenommen und auf Facebook gestellt, um Aufmerksamkeit zu bekommen. Zudem wird ihr vorgeworfen, nur gefilmt und nicht eingegriffen zu haben. Dazu sagt Frazier: «Denkt daran, ich bin minderjährig. Natürlich werde ich mich nicht gegen einen Polizisten zur Wehr setzen, der mich fürchterlich verängstigt hat.»

(mon)

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