Aktualisiert 24.04.2019 19:41

Zoll findet Päckli17-Jährige hat Anzeige am Hals wegen Springmesser

Via Shopping-App bestellte eine 17-Jährige ein illegales Messer für 10 Franken. Der Zoll entdeckte das Päckli und zeigte die Bündnerin an.

von
daw
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M.B. wird von der Jugendanwältin vorgeladen.

M.B. wird von der Jugendanwältin vorgeladen.

Das Corpus Delicti ist mit 10 Franken ein wahres Schnäppchen. Der Käuferin hat es aber eine Menge Ärger eingebrockt.

Das Corpus Delicti ist mit 10 Franken ein wahres Schnäppchen. Der Käuferin hat es aber eine Menge Ärger eingebrockt.

Am Flughafen Zürich durchsuchen Mitarbeiter der Zollverwaltung die Fracht nach illegalen Lieferungen.

Am Flughafen Zürich durchsuchen Mitarbeiter der Zollverwaltung die Fracht nach illegalen Lieferungen.

Screenshot 10vor10

M.B.* muss bei der Jugendanwaltschaft Graubünden antraben. Der Grund: Die 17-Jährige bestellte ohne Wissen ihres Vaters ein Messer auf der Schnäppchen-App Wish. Das Messer mit symmetrischer Klinge kostete 10 Franken und wurde als Camping-Messer angepriesen.

Das Messer ist in der Schweiz allerdings verboten, da es sich automatisch aufklappt. Prompt fing der Flughafenzoll das Päckli Mitte März ab. Der Vater der 17-Jährigen sagt: «Meine Tochter hatte keine Ahnung, dass es sich um eine illegale Waffe handelt.» Trotzdem hat sie nun eine Anzeige wegen Widerhandlung gegen das Waffengesetz am Hals. Am 9. Mai muss sie zum Verhör bei der Jugendanwältin.

«Sie unternimmt gerne Outdoor-Aktivitäten»

Der Vater sagt, seine Tochter sei schockiert gewesen, als das Schreiben gekommen sei. «Sie hat das Messer bestellt, weil es ihr gefällt und weil sie gerne Outdoor-Aktivitäten unternimmt.» Verantwortungslos handelt aus seiner Sicht die Shopping-Plattform: «Das Messer wird unter dem Label ‹Outdoor und Survival› verkauft. Einen Hinweis darauf, dass die Messer verboten sind, gibt es nicht», so A.B.* Auch wenn er nie Ramsch in Fernost bestellen würde, könne man von einer 17-Jährigen nicht erwarten, dass sie die Rechtslage genau kenne.

Am schlimmsten sei nun die Ungewissheit, wie es weitergehe. Der jungen Frau droht ein Verweis, eine persönliche Leistung oder eine Busse.

Zoll findet immer mehr illegale Waffen

Der Fall von M.B. ist kein Einzelfall: 2018 deckten die Zollbehörden 8251 Verstösse gegen das Waffengesetz auf – fast doppelt so viele wie in den Vorjahren. Den grössten Teil machen laut der SRF-Sendung «10vor10» Klapp-, Wurf- und Schmetterlingsmesser, Schlagstöcke und Elektroschockgeräte aus, die in asiatischen Online-Shops zu Billigpreisen angeboten werden.

Seit diesem Jahr hat der Zoll die Kontrollen weiter verschärft. Dabei werden verdächtige Pakete am Flughafen auch gescannt. «Im Januar und Februar 2018 haben wir noch 80 Sendungen beschlagnahmt. Nun, ein Jahr später, sind es bereits 400», sagt Tanja Brunner, Abteilungsleiterin Flughafen Zürich bei der Eidgenössischen Zollverwaltung.

Wish sieht Verantwortung bei den Händlern

Zum Fall der jungen Bündnerin schreibt Glenn Lehrman, Kommunikationschef der Shopping-App Wish: «Händler, die auf Wish Produkte anbieten, sind verpflichtet, das geltende Recht zu befolgen.» Als Marktplatz mit mehr als einer Milliarde Produkte und mehr als einer Million Händler sei es Wish aber nicht möglich, jedes einzelne Produkt zu durchleuchten.

Man sei angewiesen auf Meldungen von Behörden oder Kunden bezüglich Verhaltensweisen, die Recht oder die AGB von Wish verletzten. «Wir untersuchen solche Meldungen und gehen gegen Angebote und Händler vor, wenn es sich herausstellt, dass Recht oder die Geschäftsbedingungen verletzt wurden.»

* Namen der Redaktion bekannt

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