Aktualisiert 15.02.2006 04:12

17-Jährige mit Sexfilm erpresst

Laut Anklage hat ein Zürcher Geschäftsführer eine 17-jährige Lehrtochter mit einem Sexfilm erpresst und zu sexuellen Handlungen zu Dritt gezwungen. Weil das Opfer vor Gericht aber widersprüchlich aussagte, kam es zu einem Freispruch.

Die Staatsanwaltschaft warf dem heute 36-jährigen Geschäftsführer Vergewaltigung sowie sexuelle Nötigung zu Lasten der jungen Zürcherin vor. Dabei soll der Angeklagte planmässig vorgegangen sein.

Im Februar 2002 sprach der Mann das damals über 16-jährige Mädchen an und wollte von ihm wissen, ob es bereits sei, sich für Modellfotos zur Verfügung zu stellen. Die junge Frau willigte ein und machte schon bald heimlich bei Nacktaufnahmen mit.

Gegen Bezahlung war sie auch bereit, mit dem Fotografen regelmässig sexuelle Kontakte einzugehen. Nach dem ersten Geschlechtsverkehr schlug der Mann ihr vor, weitere Akte filmisch festzuhalten. Ein Kunde würde für den Streifen 45 000 Franken bezahlen, sagte er.

Privater Sexfilm als Druckmittel

Laut Anklage war die junge Frau damit einverstanden, worauf der Angeschuldigte über mehrere der gemeinsamen sexuellen Handlungen einen Film drehte. Im Herbst 2003 wollte er die Frau zu einem «flotten Dreier» überreden. Bei der dritten Person handelte es sich um die Lebenspartnerin des Angeklagten.

Diese, Mutter einer damals zweijährigen Tochter, war mit dem Abenteuer einverstanden - im Gegensatz zur jungen Frau. Als diese diesem Wunsch nicht nachkommen wollte, setzte der Geschäftsführer - laut Anklage - den privat erstellten Sexfilm als Druckmittel ein.

Bei einer Verweigerung sollten die Aufnahmen nicht nur dem Vater, sondern auch dem Lehrmeister der 17-jährigen Angestellten zugespielt werden. Laut Staatsanwältin geriet die junge Frau deswegen in eine Zwangssituation und machte gegen ihren Willen im Dezember 2003 am sexuellen Abenteuer mit.

Dies stufte die Anklage später als Vergewaltigung ein. Sie forderte für den Mann 18 Monate Zuchthaus bedingt.

Geschädigte wegen falscher Anschuldigung verurteilt

Die Geschädigte hatte im Herbst 2004 Strafanzeige gegen den Filmer eingereicht und zuerst zu Unrecht behauptet, sie sei von diesem wiederholt vergewaltigt worden. Es folgte eine aufwändige Strafuntersuchung, wobei die Anklagebehörde zum Schluss nur noch von einer Vergewaltigung beim «flotten Dreier» ausging.

Der Rest war vom «Opfer» offenbar erlogen. Die junge Frau wurde deshalb im letzten September wegen falscher Anschuldigung per Strafbefehl zu einer bedingten Gefängnisstrafe von drei Monaten verurteilt.

Zu viele Widersprüche: Freispruch

Am Dienstag stand der Prozess gegen den nicht geständigen Angeklagten ganz im Zeichen der Verteidigung. Diese zerpflückte das schwankende Aussageverhalten der sich in Widersprüche verwickelten Geschädigten im Verlaufe der Untersuchung. Zudem kam heraus, dass die Lehrtochter für den «flotten Dreier» 500 Franken als Entgelt kassiert hatte.

Nicht zuletzt führte sie die sexuellen Beziehungen zu ihrem Peiniger bis in den August 2004 weiter - gewichtige Argumente, die das Gericht zu einem Freispruch bewegten. So sei der Film offenbar nicht die einzige Motivlage für das Mitmachen gewesen, sagte der Gerichtspräsident.

Allerdings wurde dem Freigesprochenen dennoch ein verwerfliches Verhalten angelastet. Er soll deshalb sämtliche Prozesskosten von mehreren tausend Franken tragen. (sda)

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