31.03.2018 19:48

Vater forderte vergeblich Versandstopp

17-Jähriger macht 10'000 Fr Schulden bei Zalando

Ein Jugendlicher hat beim Shoppen im Netz hohe Schulden angehäuft. Obwohl sein Vater intervenierte, tat der Onlinehändler nichts. Für manche Inkassofirmen ein gefundenes Fressen.

von
vro
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Ein 17-Jähriger hat bei Zalando Schulden von 10'000 Franken angehäuft.

Ein 17-Jähriger hat bei Zalando Schulden von 10'000 Franken angehäuft.

Keystone/Gaetan Bally
Er hatte trotz Verbot des Vaters immer weiter Bestellungen getätigt.

Er hatte trotz Verbot des Vaters immer weiter Bestellungen getätigt.

Keystone/Steffen Schmidt
Generell sei Onlineshopping bei Jugendlichen ein Schuldenfaktor, sagen Experten.

Generell sei Onlineshopping bei Jugendlichen ein Schuldenfaktor, sagen Experten.

AP/Wilfredo lee

Geld dafür hatte er zwar nicht, trotzdem bestellte ein 17-Jähriger regelmässig auf Rechnung Produkte bei Zalando. So entstand ein Schuldenberg, der sich aktuell inklusive Inkassokosten auf über 10'000 Franken beläuft, wie der «Beobachter» schreibt. Dies, obwohl der Vater des Jugendlichen versucht hatte, für die Forderungen aufzukommen. Irgendwann sei ihm aber das Geld ausgegangen. Er hatte seinem Sohn zwar verboten, weitere Bestellungen aufzugeben, doch dieser hielt sich nicht daran.

Lange bestellte der 17-Jährige über seinen eigenen Namen, zum Schluss verwendete er jenen des Vaters, aber mit derselben Mailadresse. Der Vater hatte bei Zalando ein Versandstopp gefordert, doch das Unternehmen reagierte nicht.

Inkassobüro treibt für Zalando Geld ein

Bis 2016 verkaufte Zalando nicht ohne das Einverständnis der Eltern an Minderjährige. Doch dann sei diese Bestimmung aus den Allgemeinen Geschäftsbedingungen gestrichen worden, schreibt die Zeitschrift. Das Gesetz sehe allerdings vor, dass Jugendliche «nur im Rahmen ihres Lehrlingslohns» bestellen dürften.

Zalando sperre den Account und storniere allfällige Bestellungen, wenn ein gesetzlicher Vertreter des Kunden gegen einen Kauf sei, teilt der Onlinehändler dem «Beobachter» mit. Zum konkreten Fall könne man sich jedoch aus Datenschutzgründen nicht äussern. Auf Anfrage von 20 Minuten ergänzt eine Sprecherin: «Vor dem ersten Rechnungskauf fragen wir Neukunden nach dem Alter. Ist ein Schweizer Kunde unter 14 Jahre alt, wird der Kauf abgebrochen. Ist er zwischen 14 und 18 Jahre alt und wir erfahren, dass der gesetzliche Vertreter gegen einen Kauf bei Zalando.ch ist, deaktivieren wir den Account und stornieren wenn möglich bestehende Bestellungen bzw. bitten den Kunden, zugestellte Ware zu retournieren.»

«Es gibt viele Möglichkeiten, sich zu verschulden»

Doch wie kann ein Jugendlicher immer weiterbestellen, ohne dass die Rechnung bezahlt wird? Für Sébastien Mercier, Geschäftsleiter von Schuldenberatung Schweiz, ist das «unerklärbar», wie er zu 20 Minuten sagt. Schulden würden oft noch vergrössert, weil die Onlineanbieter mit Inkassofirmen zusammenarbeiteten, welche «ungerechtfertigte Spesen» dazu verlangten. «Wenn man sich dagegen wehren will, kostet das auch Zeit und Geld», sagt Mercier.

«Für mich ist das wie organisierter Betrug», erklärt der Experte. Gleichzeitig könnten Jugendliche grundsätzlich einfach einkaufen, was sie wollten. Mittlerweile gibt es auch viele Zahlungsmöglichkeiten wie Ratenzahlungen. «Es gibt viele Möglichkeiten, sich zu verschulden. Auch unter den Anbietern herrscht ein Wettbewerb. Doch wer seriös ist, der bietet jenen mit schlechter Bonität keinen Einkauf auf Rechnung an», sagt Mercier.

Kredite führen zu noch mehr Schulden

Doch das Geschäft mit den Schulden ist verlockend: Betreibungen verjähren in der Schweiz faktisch nicht. Womöglich ist das ein Grund, weshalb Inkassofirmen «wie Pilze aus dem Boden schiessen», wie Mercier sagt. Denn das Business scheint lukrativ: Mittlerweile ist es möglich, Gläubigern Schulden abzukaufen – für einen Bruchteil der effektiven Summen. Werden sie dann eingetrieben, macht das Inkassobüro bereits Gewinn. Dazu kommen noch die hohen Spesen. «Verschuldete Personen sind ein Markt geworden», sagt Mercier.

Die Jugendlichen versuchen oft, mit Verwandten oder Freunden eine Lösung zu finden. Kredite seien kontraproduktiv, sagt Mercier: «Nach mehreren Jahren kommen die Leute dann wieder mit noch höheren Schulden.»

Fast jeder zweite kauft einmal im Monat etwas ab 100 Franken

In einer Erhebung des Bundesamts für Statistik aus dem Jahr 2013 gaben knapp 40 Prozent der Befragten ab 16 Jahren an, sich mindestens einmal im Monat spontan etwas Wertvolleres ab 100 Franken zu kaufen, gut 10 Prozent tun dies sogar mehrmals pro Monat. Den grössten Anteil machen junge Menschen bis 24 Jahre aus.

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