Mit eigener App: 17-Jähriger will Junge an die Urne bringen
Aktualisiert

Mit eigener App17-Jähriger will Junge an die Urne bringen

Dass nur ein Bruchteil der Jungen abstimmen geht, will Mathias Blarer nicht hinnehmen. Der Maturand hat eine App entwickelt, die den Missstand beheben soll.

von
J. Büchi

Er selbst darf noch nicht abstimmen. Dass andere dieses Recht nicht wahrnehmen, obwohl sie es könnten, will dem 17-jährigen Mathias Blarer nicht in den Kopf. «Es ist doch erschreckend, wenn nur jeder sechste Jugendliche seine Meinung über die Masseneinwanderungsinitiative kundtut.»

Doch der junge Schwyzer stimmt nicht einfach in den Chor der Empörten ein – er will aktiv einen Beitrag leisten, um das Interesse der Jungen an der Politik zu wecken. Im Rahmen seiner Maturarbeit hat er für das iPhone die App SwissVote entwickelt, die über alle vergangenen und anstehenden Schweizer Volksabstimmungen informiert. «Die Idee ist, alle relevanten Informationen wie Ausgangslage, Argumente und Ergebnisse an einem Ort zusammenzutragen und diese ansprechend zu visualisieren», erklärt Blarer. Ältere Stimmbürger sollen so genauso auf ihre Kosten kommen wie Politneulinge.

Junge hätten oftmals den «Durchblick» nicht und gingen deshalb nicht abstimmen, glaubt er. Viele hätten wohl auch das Gefühl, ihre Stimme zähle in der Masse sowieso nicht. «Meine App zeigt, wie knapp die Abstimmungen teilweise ausgehen und wie gravierend ihre Auswirkungen sein können – das kann die Leute doch nicht kaltlassen!»

Jugendverband lobt Idee

Bereits stösst SwissVote, für deren Entwicklung Blarer nach eigenen Angaben zwischen 200 und 250 Stunden investiert hat, auf Interesse: Schon über 200 Personen haben das Programm fürs iPhone heruntergeladen. «Ich habe bereits viele positive Rückmeldungen bekommen», freut sich der Entwickler. Auch an Ideen, wie die App erweitert werden könnte, mangelt es ihm nicht. «Eine Möglichkeit wäre, dass die User ihre Stimme virtuell abgeben könnten.» Auch über einen Medienspiegel mit Suchfunktion habe er schon nachgedacht.

Seine Daten hat Blarer von der Bundeskanzlei und der Parlamentswebsite bezogen. Zudem arbeitet er mit der Abstimmungshilfe Easyvote zusammen – hinter dieser steckt ebenfalls die Idee, Junge für die Teilnahme an Abstimmungen zu sensibilisieren. Für Micha Küchler, Projektleiter Jugendsession bei der Schweizerischen Arbeitsgemeinschaft der Jugendverbände, sind solche Angebote ein wichtiger Beitrag für ein besseres Politverständnis: «Es werden die Kommunikationskanäle genutzt, die auch die Jungen selber brauchen, das ist sicher ein Vorteil.»

Um das Problem der Stimmabstinenz zu lösen, reiche eine App aber nicht: «Für viele Jugendliche sind Volksabstimmungen das Terrain der älteren Generation – auch dies hindert sie an der Teilnahme.» Diese Barriere müsse Schritt für Schritt abgebaut werden. «Wichtig ist, dass die Politik der Jugend zuhört und sie für politische Fragen sensibilisiert.»

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